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Thomas Tuchel hat Chelsea das Sieger-Gen eingeimpft
Thomas Tuchel hat Chelsea das Sieger-Gen eingeimpft © Imago
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München - Thomas Tuchel schlägt im FA-Cup-Halbfinale mit Pep Guardiola den nächsten Top-Trainer und wird für seinen Matchplan gefeiert. Der hat auch was mit Timo Werner zu tun.

Der Aufschrei unter den Chelsea-Fans war groß, als Klub-Legende Frank Lampard zu Beginn des Jahres vor die Tür gesetzt wurde.

Mittlerweile aber spricht niemand mehr von ihm. Denn sein Nachfolger Thomas Tuchel eilt seit Ende Januar von Erfolg zu Erfolg.

Die vorläufige Krönung: Thomas Tuchel erreichte am Samstag mit einem 1:0-Sieg über Manchester City das Finale des FA-Cups - als erster deutscher Trainer überhaupt.

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"Wenn du gegen Pep spielst, spielst du gegen das höchste Niveau im Fußball. Er war und ist die Benchmark, der beste Trainer", schwärmte Tuchel.

Als er dann noch erfuhr, dass er am 15. Mai als erster deutscher Coach um den Titel im ältesten Fußball-Wettbewerb der Welt spielen wird, war er vollends überwältigt. "Oh, wirklich? Oh, wow!", rief der 47-Jährige verblüfft. "Das ist wunderbar, wunderbar! Ich bin sehr stolz auf mein Team, aber auch auf mich."

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Thomas Tuchel schlägt den fünften Star-Trainer

Nebenbei hat er mit dem Sieg gegen Guardiola in seinen ersten drei Monaten als Coach des FC Chelsea nun schon fünf der weltbesten Trainer geschlagen, sein Team hat dabei nicht ein einziges Gegentor hinnehmen müssen. (FA Cup: Ergebnisse und Spielplan)

City-Trainer Pep Guardiola reihte sich als vorerst als letzter der Star-Coaches ein in die Liste der Geschlagenen. Zuvor hatten bereits Jürgen Klopp, José Mourinho, Carlo Ancelotti und Diego Simeone gegen Tuchel verloren. Letztgenannter sogar schon zweimal.

Darauf, dass die Null am Ende steht, lag auch Tuchels Fokus im Spiel gegen ManCity. "Sein Plan war klar. Er bot acht defensive Spieler in seiner Startelf auf, um City den Ball im Mittelfeld abzunehmen und dann auf Konter zu setzen", schreibt der Guardian.

Ein elementarer Bestandteil dieser Taktik war Timo Werner. Der zuletzt häufig kritisierte deutsche Nationalstürmer sollte mit seiner Schnelligkeit diese Konter laufen und wenn möglich auch vollenden.

Und der 25-Jährige setzte diesen Matchplan mustergültig um. In der entscheidenden Szene nahm er Fahrt auf, dribbelte im Vollsprint auf das Tor zu und legte quer auf Hakim Ziyech, so dass der nur noch einzuschieben brauchte (55.).

Timo Werner mit 22. Torbeteiligung

Für den vielgescholtenen Werner war es immerhin die 22. Torbeteiligung in dieser Saison in allen Wettbewerben. Tuchel war aber dennoch nicht komplett zufrieden mit seinem Stürmer. Bei einem kleinen Fehler seines Landsmanns sah man den Coach an der Seitenlinie fürchterlich toben.

Genau diese Einstellung ist es, die in England bewundert wird und die Chelsea-Eigentümer Roman Abramowitsch dazu veranlasst hat, den gebürtigen Schwaben als Nachfolger der Klub-Ikone Lampard zu verpflichten.

"Abramowitsch hat die Angewohnheit, brutal zu handeln, um den größtmöglichen Erfolg zu haben", heißt es bei der BBC. "Deshalb holte er mit Tuchel einen erfahrenen und kompetenten Trainer."

Diese Entscheidung trägt jetzt schon Früchte. Unter Tuchel verbesserten sich die Blues in der Premier League von Platz neun auf Platz fünf und haben nur noch einen Punkt Rückstand auf die Champions-League-Plätze. Aktuell steht Chelsea im Halbfinale der Königsklasse und im Finale des FA-Cups.

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Tuchels Matchplan "herausragend"

Seinen jüngsten Erfolg feierte er, indem seine Mannschaft seinen Matchplan perfekt umgesetzt hat. "Einen taktischen Plan auf dem Papier zu entwerfen, ist einfach. Ihn dann aber auch über 95 Minuten gegen ein Team wie ManCity durchzuziehen, erfordert dieses hohe Maß an Konzentration, Disziplin, mentaler Energie und Kommunikation", lobte der englische Ex-Nationalspieler Danny Murphy in der Daily Mail. "Das war herausragend."

Tuchel selbst gab das Lob an sein Team weiter. "Es war eine sehr starke Leistung, und ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft", sagte er: "Wir wollten mutig mit dem Ball und gegen den Ball sein. Das haben wir gemacht. Ich bin sehr glücklich."

Im Finale des englischen Pokal-Wettbewerbs bekommen es die Londoner nun mit Leicester City zu tun. Die Foxes bezwangen den FC Southampton am Sonntagabend mit 1:0 und stehen erstmals seit 1969 im FA-Cup-Endspiel.

Leicester wird Chelsea nicht so offensiv begegnen wie die Citizens. Eine reine Kontertaktik wird da nicht ausreichen. Man darf gespannt sein, welchen Matchplan sich Tuchel dafür ausdenken wird.

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