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München - John Terry und Frank Lampard waren die Gesichter des FC Chelsea. Das Endspiel um den Premier-League-Aufstieg zwischen Aston Villa und Derby County macht sie zu Gegnern.

Der grüne Sweater von Edwin van der Sar verschwand nach links aus dem Bild, der Ball flog in Richtung rechter Torpfosten – und an ihm vorbei.

Auf dem Rasen des Moskauer Luzhniki-Stadions kauerte John Terry, ausgerutscht bei diesem vermeintlich entscheidenden zehnten Elfmeter im Champions-League-Finale 2008, und vergrub den Kopf zwischen den Knien.

Er hätte den FC Chelsea zum Sieg in der Königsklasse schießen können. Stattdessen kostete der Fehlschuss des Kapitäns Frank Lampard und seine Kollegen gegen Manchester United letztendlich den großen Triumph.

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Lampard und Terry spielten 13 Jahre zusammen

Sie haben es ihm nie übelgenommen, Lampard am allerwenigsten. Satte 13 Jahre bestritten die Unzertrennlichen Seite an Seite im Trikot der Blues, Grundlage für eine tiefe Freundschaft bis heute.

Der Fußballgott war ihnen hold und ließ sie den verpassten Champions-League-Triumph 2012 unter nicht minder dramatischen Umständen in München nachholen.

Drei gemeinsame Meistertitel, vier Erfolge im FA Cup, zwei im Ligapokal und ein Triumph in der Europa League kamen noch hinzu.

Entscheidendes Aufeinandertreffen in Wembley

Doch an diesem Montag wird nur einer der beiden Grund zur Freude haben.

Denn dann trifft John Terry als Co-Trainer von Aston Villa im Finale der Championship Playoffs auf den Trainer Frank Lampard und Derby County (Championship: Aston Villa – Derby County ab 16 Uhr im LIVETICKER).

Vor rund 80.000 Zuschauern in Wembley spielen die beiden Traditionsklubs den letzten Teilnehmer der kommenden Premier-League-Spielzeit aus.

Mit diesem Fehlschuss im Elfmeterschießen des Champions-League-Finales 2008 gegen Manchester United verpasste es John Terry (l.), den FC Chelsea zum kontinentalen König zu krönen
Mit diesem Fehlschuss im Elfmeterschießen des Champions-League-Finales 2008 gegen Manchester United verpasste es John Terry (l.), den FC Chelsea zum kontinentalen König zu krönen © Imago

"Ich habe eine Reihe von Endspielen bestritten", sagt Lampard. "Und manchmal habe ich eine gute Chance ausgelassen. Ich will nicht, dass das meinen Spielern auch passiert."

Derby setzt sich gegen Leeds durch

Dass Derby, der Meister von 1972 und 1975, als Tabellensechster überhaupt im Playoff-Finale steht, ist einerseits ein Riesenerfolg.

Das Championship Playoff-Finale Aston Villa - Derby County ab 16 Uhr live bei DAZN

Denn die "Rams" räumten auf dem Weg dahin den verhassten Rivalen und Aufstiegsfavoriten Leeds United aus dem Weg.

Ein Überraschungscoup, dessen spontane Würdigung in einem Pub namens "The Kings' Head" Lampard eine bemerkenswerte Getränkerechnung von knapp 3200 Euro einbrachte.

Lampard begleicht Getränkerechnung über 3200 Euro

"Die Spieler sollten Erfolge in dem Moment feiern, in dem sie eintreten", verteidigte Lampard das gemeinschaftliche Besäufnis: "Und wenn ich mich davongestohlen hätte, ohne die Rechnung zu bezahlen, wäre das ja auch nicht richtig gewesen, oder?"

Zwischen dem Gelage und dem Finale hatte der Trainernovize zwölf Tage Zeit, seinen Spielern unter anderem mittels eines Trainingslagers in Portugal den Alkohol aus den Poren zu treiben.

Derby bekämpft Playoff-Misere

Denn - und damit zum Punkt andererseits - Derbys Mission ist noch nicht zu Ende.

Seit 2008 ersehnt der Club die Rückkehr in die Premier League, in den vergangenen sechs Jahren scheiterte das Team vier Mal in den Playoffs.

Frank Lampard (l.) feierte den erfolg gegen Leeds United voller Inbrunst
Frank Lampard (l.) feierte den erfolg gegen Leeds United voller Inbrunst © Getty Images

Lampard wird nun jedoch der große Wurf zugetraut. Bei seinem Ex-Klub Chelsea ist er deswegen sogar schon als potenzieller Nachfolger von Maurizio Sarri im Gespräch, sollte der Italiener seine Zelte an der Stamford Bridge zeitnah abbrechen.

Gegner Villa verpasste das Erstliga-Comeback im Vorjahr im Playoff-Finale gegen den FC Fulham (0:1). Es war Terrys letztes Spiel als Aktiver, anschließend wechselte er beim Traditionsklub aus Birmingham in den Trainerstab, der seit Oktober 2018 von Dean Smith angeführt wird.

Aston Villa qualifiziert sich im Elfmeterschießen fürs Finale

Der siebenmalige englische Meister und Europapokalsieger der Landesmeister von 1982, damals im Finale mit 1:0 gegen den FC Bayern erfolgreich, hofft nach einem dramatischen Erfolg im Elfmeterschießen gegen West Bromwich Albion nun auf einen besseren Ausgang des Aufstiegsendspiels in diesem Jahr.

An dessen Ende soll der Wiederaufstieg nach drei Jahren in der Zweitklassigkeit stehen.

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"Ich bin stolz, dass wir es nach Wembley geschafft haben", gibt sich Lampard davon ungerührt. "Jetzt wollen wir noch einen Schritt machen."

Denn er würde sich – bei aller Freundschaft – nur ungern noch einmal von Terry um den Lohn einer ganzen Saison bringen lassen.

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