Joshua sicher: "Werde Parker ausknocken"
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München - Don King gilt als größter Box-Promoter aller Zeiten. Im SPORT1-Interview spricht er über den Mega-Fight zwischen Joshua und Parker und das deutsche Boxen.

Don King hat im Box-Geschäft alles erlebt.

Der 86-Jährige ließ Muhammad Ali durch den weltberühmten Kampf "Rumble in the Jungle" zum Giganten reifen, nachdem er sich eine riesige Summe von Diktator Mobutu Sese Seko gesichert hatte, und durchlebte Freude und Leid an der Seite von Mike Tyson.

Die beiden pflegten ein schwieriges, aber bemerkenswertes Verhältnis zueinander, King stand beim Ohrbiss gegen Evander Holyfield nur wenige Meter entfernt.

Am Wochendene musste der wohl größte Box-Promoter aller Zeiten aber eine schwere Niederlage einstecken. Sein Schützling Isaac Ekpo unterlag dem Deutschen Tyron Zeuge in der zweiten Runde durch Technischen K.o. und musste seine Weltmeister-Hoffnungen begraben.

Nun blickt King mit Vorfreude auf den Kampf zwischen Anthony Joshua und Joseph Parker am Samstag (Das Wiegen am Freitag ab 15 Uhr im LIVESTREAM).

Im SPORT1-Interview spricht King über den Mega-Fight, bei dem es um die Weltmeister-Titel der IBF, WBA, IBO und WBO geht, sowie die Qualitäten und das Renommee des deutschen Boxens.

SPORT1: Mr. King, am 31. März steht der nächste große Kampf an – und zwar im Schwergewicht. Anthony Joshua trifft auf Herausforderer Joseph Parker. Wie schätzen Sie den Kampf im Voraus ein?

King: Joshua ist ein exzellenter Boxer. Er hat einen unbändigen Willen. Das hat er vor allem gegen Wladimir Klitschko bewiesen. Klitschko war im Begriff, den Kampf zu gewinnen, als Joshua wie ein wahrer Champion und Kämpfer zurückkam. Er hat Leidenschaft gezeigt und den Kampf zu seinen Gunsten gedreht. Seine Bereitschaft, unbedingt zu siegen, war entscheidend. Dafür lieben ihn die Menschen.

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SPORT1: Kann er das Schwergewichtsboxen in den nächsten Jahren beherrschen?

King: Das wird sich zeigen. Er ist ein vielversprechender Schwergewichtsboxer in der Gegenwart und sicher auch in der Zukunft. Klitschko war unbesiegbar, doch er hat in Joshua seinen Meister gefunden. Genauso kann es aber auch Joshua ergehen: dass er seinen Meister findet. Vielleicht geht es schneller als man denkt. Denn im Schwergewichtsboxen kann ein einziger Schlag, der dich ausknockt, über die ganze Karriere entscheiden.

Die Countdown-Sendung mit allen wichtigen Infos am Freitag um 23.30 Uhr im TV auf SPORT1

SPORT1: Welche Mittel hat Parker, um Joshua zu begegnen?

King: Seine Begierde und seinen Hunger. Hunger danach, auf den Thron zu steigen. Es ist Mann gegen Mann in einem einzigen Ring. Es gibt keine Ausreden und keine Tankstelle, an der man sich aufladen könnte. Doch unter dem Strich bleibt Joshua der Favorit. Er ist der Boxer der Stunde und hat Dinge gemacht, die ich von Parker nie gesehen habe. Ich blicke einem sehr enthusiastischen Kampf entgegen.

SPORT1: Wer kann Joshua gefährlich werden in nächster Zeit?

King: Deontay Wilder. Er ist auch ein großartiger Kämpfer. Mir gefällt seine unkonventionelle Art zu boxen. Er und Joshua sind noch lange nicht bei den Großen angelangt – wie Muhammad Ali, George Foreman oder Ken Norton –, aber sie haben das boxerische Potential. Doch wie wir wissen: Es braucht mehr als nur die Qualität. Sie müssen Bereitschaft und Leidenschaft zeigen. Sie müssen die Menschen begeistern. Denn nur ein Champion der Menschen ist ein wahrer Champion.

Die Highlights des Fights zwischen Joshua und Parker am Montag ab 23.30 Uhr auf SPORT1

SPORT1: Zuletzt verlor ihr Schützling Isaac Ekpo gegen Tyron Zeuge. Angesichts des einzigen deutschen Weltmeisters stellt sich die Frage nach dem Ansehen des Boxens hierzulande. Wie bewerten Sie die Situation?

King: Kommen wir zunächst zur Vergangenheit: Wenn ich an das deutsche Boxen der Vergangenheit denke, kommt mir sofort Max Schmeling in den Sinn. Wie er 1936 Joe Louis auf die Bretter schickte, war beeindruckend. Dass er zwei Jahre später im Rückkampf verlor, kann seine Leistung nicht schmälern. Doch auch in der heutigen Zeit hat Deutschland großartige Boxer. Es gibt nur einen Unterschied zu den damaligen.

Zeuge zerlegt Ekpo: Die Machtdemonstration im Video

SPORT1: Der da wäre?

King: Die Boxer von einst haben sich dem Sport mehr verpflichtet als heute – das betrifft die Amerikaner übrigens viel mehr als die Deutschen. Heutzutage gibt es unzählige Möglichkeiten, sich auszuleben oder zu verwirklichen. Das war früher nicht der Fall. Früher gab es nur eine Möglichkeit: zu boxen, als höchste und einzige aller Verpflichtungen. Nur derjenige, der sich einer Sache ganz verpflichtet, kann siegen. Derjenige, der es am meisten will.

SPORT1: Sie meinen also, die Boxer seien zu bequem geworden?

King: Wissen Sie, ein Boxer muss immer die Menschen für sich gewinnen. Die Fans und Zuschauer. So wie Muhammad Ali. Das macht den Größten aus. Die Menschen merken, wenn ein Boxer ganz in seiner Sache aufgeht, sich ganz dem Sport verschreibt – erst dann werden sie sich ihm zu Füßen werfen.

SPORT1: Es geht also vor allem um Leidenschaft?

King: Exakt - wie bei Joshua angesprochen. Beim Boxen wird es immer so sein, dass Leidenschaft vor Qualität steht. Leider hat jene Leidenschaft abgenommen. Dass es an der Bequemlichkeit liegt, glaube ich nicht. Ich denke, es ist eher der Zeit geschuldet. Der Zeit, in der wir leben.

SPORT1: Und wie sehen Sie in diesem Zusammenhang die deutschen Boxer der Gegenwart?

King: Die Deutschen sind hervorragend. Arthur Abraham, Karo Murat oder Tyron Zeuge. Sie kämpfen so, als wäre ein Rückkampf nicht möglich. Denn es gibt nie einen Rückkampf, wenn du in den Krieg ziehst. Die deutschen Boxer locken die Menschen an und begeistern sie. Tyron Zeuge ist das beste Beispiel dafür. Die Leute lieben ihn, weil er für sie kämpft. Und wenn du für sie kämpfst, bist du unbesiegbar.

SPORT1 zeigt dieses Jahr 20 Kampfabende live im Free-TV, unter anderem mit Arthur Abraham, Tyron Zeuge und Vincent Feigenbutz.

SPORT1: Wie bekannt kann Zeuge werden?

King: Zeuge wird eines Tages in der ganzen Welt bekannt sein. Ich liebe ihn. Er ist ein Champion der Menschen. Nicht für sich, sondern für die Menschen. Begeistert bin ich auch von Sebastian Formella und Angelo Frank. Sie sind jung und ambitioniert und sie sind Freunde. Das gibt es selten im Boxgeschäft.

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