So kann Knockout-King Wilder Fury besiegen
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München - Am Samstag verteidigt Deontay Wilder seinen WM-Gürtel gegen Tyson Fury. Gilt Letzterer als exzentrischster Boxer der Szene, steht Wilder ihm in nichts nach.

Verrückte Typen - so viel ist gewiss - hatte das Box-Geschäft in kaum nennbaren Zahlen. Ob Mike Tyson, Shannon Briggs oder Tyson Fury: die Listen sind ebenso üppig wie endlos.

Jener Fury war der Letzte, der mit seinem Gebaren die ganze Box-Welt beschäftigt hatte. Auf seinen Triumph über Wladimir Klitschko folgte ein beispielloser Absturz in Depression, Drogenmissbrauch und Pöbelei. Die Konsequenz war der Entzug aller drei WM-Gürtel, die er gegen Klitschko mühevoll erobert hatte.

Am Samstag steigt Fury wieder in den Ring und kämpft um den Titel der WBC (Highlights So., ab 23:30 Uhr im TV auf SPORT1). Sein Gegner ist ein Mann, der in seiner Strahlkraft selbst Fury übertrifft. Es ist einer dieser verrückten Typen, unkonventionell und exzentrisch, wie sie das Boxen magisch anzuziehen scheint. Sein Name ist Deontay Wilder - alias "Badman".

Wilder schreibt US-Boxgeschichte

Ein unbeschriebenes Blatt ist der 33 Jahre alte US-Amerikaner zweifellos nicht - ganz im Gegenteil. 2015 zwang er Bermane Stiverne in die Knie und wurde erster US-amerikanischer Weltmeister nach Briggs, der den Titel zuletzt 2007 getragen hatte.

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"Eines Tages werde ich Schwergewichtsweltmeister sein", hatte Wilder einmal gesagt, als der Titel noch weit entfernt war. "Wenn es so weit ist, erinnert euch daran, dass ich es prophezeit habe."

Jene Prophezeiung wurde wahr, und das, obwohl sein Weg nicht steiniger hätte sein können. Wilder besuchte mit 19 Jahren das College und strebte eine Karriere als Football- oder Basketballprofi an, als seine Freundin Helen schwanger wurde. Es folgte die Schockdiagnose: das ungeborene Kind litt unter der seltenen Krankheit Spina bifida, einer Fehlbildung der Wirbelsäule, die zu erheblichen Gehproblemen führt und in zahlreichen Fällen auch zu einem Leben im Rollstuhl.

Eine Abtreibung stand im Raum, doch Wilder und seine Freundin entschieden sich vehement dagegen.

"Ich bin ein sehr gläubiger Mensch, glaube von ganzem Herzen an Gott", sagt Wilder. "Jeder Mensch, der auf diese Welt kommt, hat das Recht auf Leben."

Wilder: "Leicht, was ich mache"

Der 2,01-Meter-Hüne gab seinen Traum vom Profisportler vorerst auf und begann, verschiedenen Nebenjobs nachzugehen, die die Familie über Wasser halten und vor allem die hohen medizinischen Kosten abdecken sollten. Es gelang. Naieya erblickte das Licht der Welt und war rundum versorgt.

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Und tatsächlich geschah das Wunder. Nach riesigen Komplikationen und etlichen Operationen lernte das Mädchen zu krabbeln und zu laufen.

"Wenn sie durch das ganze Leid und die Schmerzen gehen kann, dann ist das, was ich mache, leicht", sagte Wilder dem Telegraph.

Das Kämpfen scheint in der Familie zu liegen. Wilder stieg erst 2008 - nach dem Gewinn der olympischen Bronze-Medaille - ins Box-Profigeschäft ein. Von da an bildete sich eine einzigartige Erfolgsgeschichte heraus. Wilder triumphierte in allen 40 Kämpfen und schlug sogar 39 seiner Gegner k.o. Der US-Amerikaner ist wegen seiner unorthodoxen Art, zu boxen, überall gefürchtet. Er verfügt über eine Reichweite von 2,11 Meter und setzt mit seinen langen Schwingern den Gegner ständig unter Druck.

"Badman" mit Waffenliebe

Doch Wilder wäre nicht Wilder, wenn seine Person allein fürs Boxen stehen würde. Stets aufs Neue macht er mit Aussagen auf sich aufmerksam, die zwischen bemerkenswert und sonderbar pendeln.

Wilder kultivierte seinen Spitznamen "Badman", der damit einhergeht, dass er sich für den "bösesten Mann des Planeten" hält. Ebenso sagte er einmal in einem Interview mit der Welt, er sei ein "Monster mit Killerinstinkt".

Was das "Killen" anbelangt, ist ihm vieles nicht fremd. Wilder ist ein Waffennarr, der zu Hause sogar eine Bazooka stehen hat.

"Wenn du damit schießt, ist es verrückt", erklärte er BT Sports. "Als ich zum ersten Mal geschossen habe, habe ich sie für eine Woche weggelegt, weil es einfach zu viel Power war."

Mit anderen Waffen schieße er jedes Wochenende, es sei eine Art Therapie für ihn. Auch über kugelsichere Westen verfüge er viele: "Ich habe genug für eine ganze Armee."

Duell der bösen Männer

Dass Wilder aber auch eine sehr zarte und verständnisvolle Seite hat, zeigt sich, wenn er über das Kinderkriegen spricht. So würde er es unterschreiben, wenn ein Prozess erfunden würde, der es Männern erlaubt, ein Kind auszutragen. Ein ungewohnt feministischer Ansatz, der im Macho-Business Boxen eher selten vorkommt.

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"Ich würde gern erfahren, was Frauen durchmachen", sagte der 33-Jährige dem Telegraph. "Wenn es eine Möglichkeit gäbe, würde ich zu meiner Freundin gehen und sagen: 'Lass uns ein Baby haben und ich trage es aus.' Das ist der Grund, warum Frauen die stärksten Wesen auf diesem Planeten sind."

In seiner eigenen Familie, die inzwischen sechs weitere Mitglieder hat, fühlt er sich als die "Mutter Gans": "Ich küsse meine Kinder sechs- oder siebenmal am Tag. Sie sind alle Individuen. Ich liebe sie."

Dass jene Liebe ihm helfen wird im Kampf gegen Fury, daran zweifelt Wilder nicht: "Das ist die Zeit - die größte Zeit meiner Karriere. Amerika hat einen großen Mann, Amerika hat einen Badman im Boxen."

Doch egal, wie häufig sich Wilder als "Badman" bezeichnet - sein Gegner Fury ist es unzweifelhaft auch. Auf der Pressekonferenz am Donnerstag beschimpften und denunzierten die beiden sich, bis sie getrennt werden mussten. Erst Wenn Wilder am Samstag in Los Angeles in den Ring steigt und seinen Titel gegen den Briten verteidigt, wird sich erweisen, wer wirklich der bösere Mann ist.

Und wer gegen Anthony Joshua kämpfen darf.

So können Sie Wilder versus Fury LIVE verfolgen

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