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München - George Foreman gilt lange Zeit als schwieriger Charakter. Ausgerechnet seine Niederlage gegen Ali führt zum Sinneswandel. Heute wird die Box-Legende 70.

Einen Rekord stellte George Foreman bereits während seiner Jugend in Houston auf - allerdings einen unrühmlichen: Sein Bestwert habe bei 200 zertrümmerten Fenstern an einem Tag gelegen erklärte der Texaner einmal.

Ohne das Boxen wäre aus ihm vermutlich ein Schwerkrimineller geworden. Doch da Foreman eine schlagkräftige Rechte besaß und mit den Strippenziehern der Sportart in Kontakt kam, sorgte er bald im Boxring für Furore.

Olympiasieger. Unumstrittener Champion. Teilnehmer am legendärsten Kampf der Box-Geschichte. Ältester Athlet, der die Schwergewichts-Weltmeisterschaft gewann. All das steht in der Vita des Mannes, der am 10. Januar seinen 70. Geburtstag feiert.

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"George Foreman gehört für mich mit Muhammad Ali, Joe Frazier, Mike Tyson und Lennox Lewis zu den fünf besten Schwergewichts-Boxern aller Zeiten", sagt Axel Schulz im Gespräch mit SPORT1.

Erinnerungen an Las Vegas

Der Deutsche hat der Legende aus den USA einst gegenübergestanden. 1995 forderte Schulz den damals 46-jährigen Foreman in Las Vegas heraus – und unterlag unglücklich. "Es war unglaublich, gegen so einen Typen kämpfen zu dürfen", erzählt der Mann aus Frankfurt an der Oder.

Foremans Frühwerk kennt er nur "von der Videokassette" oder aus Erzählungen. Als "Big George" seinen ersten großen Sieg landete, war Schulz noch gar nicht geboren.

1968 bei den Olympischen Spielen in Mexiko-Stadt zog Foreman ins Finale ein, schickte Jonas Čepulis aus der Sowjetunion nach zwei Runden auf die Bretter und gewann Gold.

Mit der US-Flagge Olympiagold gefeiert

Foreman schwenkte im Ring die Nationalflagge. Dieses Verhalten stand im Kontrast zu den symbolischen Gesten von Tommie Smith und John Carlos: Die US-Sprinter senkten in der mexikanischen Hauptstadt auf ihrer Siegerehrung zum Protest die Köpfe und erhoben die rechte Faust. Mit der "Black Power"-Bewegung hatte Foreman nichts am Hut, er galt als der weiße Schwarze.

Dieses Bild manifestierte er später in Kinshasa. Der berüchtigte Promotor Don King hatte in Zaires Hauptstadt ein Sportereignis der Superlative organisiert. Muhammad Ali und George Foreman standen sich beim "Rumble in the jungle" gegenüber.

George Foreman, Muhammad Ali, Rumble in the Jungle
George Foreman und Muhammad Ali standen sich beim "Rumble in the Jungle" 1974 gegenüber © Getty Images

Die Sympathien der Einheimischen waren klar verteilt: Ali war einer von ihnen. Foreman sahen viele als Feindbild. Er trat in Kinshasa mit einem deutschen Schäferhund auf. Mit jener Hunderasse hatte die belgische Polizei während der Kolonialzeit den Menschen vor Ort Angst eingejagt.

Frazier und Norton ausgeknockt

Foreman galt als Favorit: Der 1,93 Meter große Kraftprotz hatte zuvor alle seine 40 Profikämpfe gewonnen, 37 davon durch K.o. Die großen Boxer Joe Frazier und Ken Norton knockte er in WM-Kämpfen jeweils schon in der 2. Runde aus.

Dann kam der 30. Oktober 1974 – und die große Ali-Show. Der Herausforderer fürchtete den Titelverteidiger nicht. Ali beeindruckten Foremans harte Schläge überhaupt nicht. Er wisperte dem Weltmeister zwischendurch sogar seine Verachtung ins Ohr. "Ist das alles, was du draufhast", fragte Ali seinen Gegner. Nach acht Runden ging Foreman schließlich entkräftet zu Boden. Ali war wieder Weltmeister.

Dieser Kampf veränderte das Leben des Geschlagenen. "Es war furchtbar, grausam, schrecklich. Die Niederlage gegen Ali trieb mich in schwere Depressionen. Sie raubte mir mein Selbstwertgefühl, meine Würde, meinen Stolz", sagte Foreman in einem Interview mit der Welt.

Gospel-Songs und Waisenkinder

Der psychisch angeknackste Sportler beendete 1977 zunächst seine Karriere. Foreman tingelte fortan als Priester durchs Land, schrieb Gospel-Songs. Aus dem zuvor arrogant wirkenden Kämpfer mit der Afro-Mähne entwickelte sich der witzige Glatzkopf, der sich um benachteiligte Kinder kümmerte.

Foreman gründete auch ein Waisenhaus. Ein Großteil seines Vermögens floss in das Projekt. Da Foreman mehr Geld für das Waisenhaus benötigte, entschloss er sich schließlich zu einem Comeback. Ab 1987 stand Foreman wieder im Ring, bestritt einige Aufbaukämpfe.

George Foreman
George Foreman verteidigte 1995 seinen WM-Titel gegen Axel Schulz © Getty Images

Schließlich gelang Foreman die Sensation: Er besiegte Michael Moorer und wurde im Alter von 45 Jahren noch einmal Schwergewichts-Weltmeister.

Foreman trat zur Titelverteidigung gegen Schulz an. "Sein Promotor Bob Arum kam vor dem Kampf in meine Kabine und bat mich, wenigstens drei Runde durchzuhalten", erzählt der Deutsche.

Rücktritt nach Niederlage gegen Briggs

Schulz hielt am Ende zwölf Runden durch, hätte nach Ansicht vieler Experten den Sieg sogar verdient gehabt. Die Punktrichter sahen Foreman vorne. Der Kampf in Las Vegas war aber der Anfang vom Ende seiner zweiten Box-Karriere. 1997, nach einer Niederlage gegen Shannon Briggs, legte Foreman die Handschuhe endgültig beiseite.

Schulz ist seinem damaligen Kontrahenten später häufig begegnet. "Er ist ein absolut weltoffener Mensch", sagt er über Foreman.

Nach seiner Karriere stieg der US-Amerikaner zur Werbe-Ikone auf. Foreman vermarktete einen eigenen Elektro-Grill. Der brachte ihm geschätzt mehr als 100 Millionen Dollar ein.

Wenn die Box-Ikone auf seiner Ranch in Texas zum Familien-Barbecue lädt, braucht er Platz. Foreman hat elf Kinder, den Söhnen hat er den Vornamen eines berühmten Boxers gegeben: Die fünf Jungs heißen alle George. 

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