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Tony Khan (r.) und ein Wrestler-Trio fordern WWE-Boss Vince McMahon (l.) heraus
Tony Khan (r.) und ein Wrestler-Trio fordern WWE-Boss Vince McMahon (l.) heraus © SPORT1-Grafik: Getty Images / Being The Elite @ YouTube.com
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München - Wenn dieser Wrestling-Startup abhebt, ist nichts mehr wie es war: Milliardärs-Sohn Tony Khan, Cody Rhodes und die Young Bucks wollen am WWE-Monopol rütteln.

All Elite Wrestling, Double or Nothing, All Out, Tuesday Night Dynamite: Diese Wortkombinationen halten seit einigen Tagen Wrestling-Fans in aller Welt in Atem.

Noch sind sie nicht viel mehr als ein bürokratischer Vorgang - aus dem sich allerdings der größte Angriff auf das Monopol des Showkampf-Marktführers WWE seit über eineinhalb Jahrzehnten entwickeln könnte.

Der frühere WWE-Wrestler Cody Rhodes und seine Mitstreiter Nick und Matt Jackson (The Young Bucks) planen nach dem durchschlagenden Erfolg ihrer Super-Show All In im September die Gründung einer eigenen Liga namens All Elite Wrestling (AEW). Und wie sich nun herauskristallisiert hat, haben sie einen mächtigen Förderer an ihrer Seite: Tony Khan, den Sohn des Milliardärs Shahid Khan, Besitzer des englischen Premier-League-Aufsteigers FC Fulham und des NFL-Franchises Jacksonville Jaguars.

Der jüngere Khan ist bei beiden Klubs im Management aktiv, seine Beteiligung an dem Projekt lässt die Szene aufhorchen - und dürfte auch die WWE-Führung um Boss Vince McMahon in Unruhe versetzen.

Tony Khan als mächtiger Helfer für AEW

Vergangene Woche nahm die Angelegenheit Fahrt auf, dem Portal WrestlingNews.co fiel da auf, dass eine Firma namens All Elite Wrestling, LLC sich die oben beschriebenen Begriffe ins Trademark-Register eintragen ließ. Die Postadresse der Firma ist dieselbe wie die der Jaguars.

Shahid Khan ist Besitzer der Autoteile-Firma Flex-N-Gate
Shahid Khan ist Besitzer der Autoteile-Firma Flex-N-Gate © Getty Images

Spannend ist diese Konstellation in mehrerlei Hinsicht, denn die Familie Khan bringt zum einen viel Geld und Renommee mit: Der in Pakistan geborene Autoteile-Unternehmer Shahid Khan ist laut Forbes rund 6 Milliarden Euro schwer. In den vergangenen beiden Jahren schrieb er Schlagzeilen mit seinem Versuch, das Londoner Wembley-Stadion zu kaufen und damit, dass er im Hymnenstreit in der NFL Haltung gegen den US-Präsidenten (und McMahon-Kumpel) Donald Trump bezog. Als Fulham-Investor war er 2014 auch zwischenzeitlich der Boss von Felix Magath.

Zum anderen ist der 36 Jahre alte Sohn auch ein Wrestling-Fan und -Kenner. Der bekannteste Szene-Journalist Dave Meltzer (Wrestling Observer) verriet, dass Tony Khan seit rund 20 Jahren treuer Abonnent seines Newsletters ist.

Khan, der einen Uni-Abschluss in Finanzwissenschaften hat und auch Gründer einer Firma für Sportanalyse-Tools ist, kennt also die Feinheiten und die Lage der Branche, auf die er sich einlässt.

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WWE hat das Monopol - unangefochten

Die Lage sieht wiefolgt aus: Seitdem der letzte große Rivale WCW 2001 unterging und an WWE verkauft wurde, ist das McMahon-Imperium unangefochtener Branchenprimus und seit dem Abschluss zweier milliardenschwerer neuer TV-Verträge in diesem Jahr auch reich wie nie zuvor.

Durch das WWE-Monopol ist andererseits bei vielen Fans auch die Sehnsucht nach einer Alternative gewachsen. Das belegen die wachsende Popularität der Japan-Liga NJPW und US-Independent-Promotions wie Ring of Honor (ROH) und der historische Erfolg von All In - erstmals seit dem Ende von WCW gelang es einer US-Liga außer WWE, mehr als 10.000 Zuschauer zu einer Wrestling-Show zu locken.

Auf diesen Erfolg wollen die Schöpfer der Show nun offenbar aufbauen: "Double or Nothing" und "All Out" dürften die Namen der Nachfolge-Shows sein, "Tuesday Night Dynamite" wiederum klingt wie der Name einer wöchentlichen TV-Sendung am Dienstagabend. In diesem Zusammenhang ist wichtig zu wissen: Die WWE-Dienstagsshow SmackDown Live zieht nach dem Senderwechsel im kommenden Oktober in den USA auf einen Freitagssendeplatz um.

TV-Deal als Schlüssel zum Erfolg

Die Frage, ob AEW einen TV-Deal an Land ziehen kann, wird darüber entscheiden, ob das Projekt wirklich abheben kann. Obwohl auch der Wachstumsmarkt Streaming aktuell große Chancen bietet, gilt die Präsenz auf einem größeren Fernsehsender noch immer als unverzichtbarer Schritt aus dem Nischen- in den Massenmarkt. Sollte der gelingen, dürfte in der Branche einiges in Bewegung geraten.

Cody Rhodes (M.) und die Young Bucks stellen die Mega-Show "All In" auf die Beine
Cody Rhodes (M.) und die Young Bucks stellten die Mega-Show "All In" erfolgreich auf die Beine © YouTube.com/BeingTheElite

Der Wrestling Observer berichtet, dass viele unzufriedene WWE-Wrestler offen für einen Tapetenwechsel wären, was auch keine Überraschung ist. WWE hat aktuell rund 200 aktive Wrestler und Wrestlerinnen unter Vertrag, und obwohl diese mittlerweile auf fünf Kader verteilt sind (RAW, SmackDown, NXT, NXT UK, 205 Live): ein Ding der Unmöglichkeit, sie alle zufrieden zu stellen.

Interessant außerdem: Der 33 Jahre alte Cody Rhodes - Sohn der 2015 verstorbenen Wrestling-Legende Dusty Rhodes - hat zuletzt öffentlich gefordert, dass die WWE-Wrestler von ihrem Arbeitgeber endlich Krankenversicherungen erhalten sollten. Die McMahon-Liga bietet die bis heute nicht, beschäftigt die Wrestler stattdessen als vermeintlich "unabhängige Vertragsnehmer" (independent contractors), die sich selbst um ihre Auslagen kümmern müssen. Sollte die Rhodes-Liga das anders handhaben, wäre das auch ein großer Wechsel-Anreiz, gerade für die weniger gut verdienenden Stars - und womöglich auch ein Anstoß für eine überfällige Änderung der Branchengepflogenheiten.

Widerstehen Cody Rhodes und die Young Bucks WWE?

Noch ist all das Zukunftsmusik, die aber recht bald lauter werden wird: Im Januar beginnt in den kleineren Wrestling-Ligen die Free-Agent-Zeit, in der unter anderem auch die ROH-Verträge der Jacksons auslaufen.

Für AEW ist dann der Weg frei, ein Roster zu formieren: Dessen Kern dürften die Mitglieder von "The Elite" sein, dem aus der NJPW-Gruppierung Bullet Club hervorgegangenen Freundeskreis um Rhodes und die Bucks. Intensive Bemühungen dürfte es auch um weitere bekannte Free Agents geben, vor allem um den langjährigen WWE-Topstar Chris Jericho und Indy-Superheld Kenny Omega, auch Kommentatoren-Legende Jim Ross wird mit AEW in Verbindung gebracht.

Begehrte Free Agents im Wrestling: Chris Jericho (l.) und Kenny Omega
Begehrte Free Agents im Wrestling: Chris Jericho (l.) und Kenny Omega © NJPW

Zu erwarten ist allerdings auch, dass WWE viel Geld locker machen wird, um AEW die Stars wegzuschnappen. Wer Vince McMahon und seinen Hang zu eiskalten Geschäftspraktiken kennt, weiß, dass er alles daran setzen wird, den potenziellen Rivalen im Keim zu ersticken. Sicher davon auszugehen ist auch, dass WWE Rhodes und den Jacksons lukrative Angebote machen wird, bei ihnen anzuheuern, statt ihr Projekt durchzuziehen - zumal der Observer berichtet, dass AEW mit dem Engagement des Trios stehen und fallen wird.

Stand jetzt jedoch wirkt "The Elite" jedoch entschlossen, gegen WWE zusammenzustehen und gemeinsam mit Investor Khan die Wrestling-Welt zu ihren eigenen Bedingungen zu verändern.

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