So hart schuftete Rousey für ihre WWE-Karriere
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München - Das denkwürdige Martyrium von Ronda Rousey gegen Charlotte Flair bei den Survivor Series hinterlässt eine skurriles Durcheinander in den WWE-Planungen.

Es gab Zeiten, in denen das Wrestling unkomplizierter war: Die Bösen attackierten die Guten und wurden ausgebuht. Die Guten schlugen irgendwann zurück und wurden bejubelt.

Heute ist die Lage komplizierter, dafür waren die WWE Survivor Series 2018 am Sonntag ein anschauliches Beispiel.

Als Höhepunkt ihrer traditionellen Großveranstaltung lieferte die Showkampf-Liga da eine wahrhaft grandios inszenierte und performte Brutalo-Attacke von Charlotte Flair auf Damenchampion Ronda Rousey - die allerdings am Ende eine skurrile Gemengelage hinterließ.

Begeisterte Fans, die die eigentlich gerade zum "Heel", zur Bösen verwandelte Flair frenetisch anfeuerten, weiter auf die eigentlich als Heldin inszenierte Rousey einzudreschen – und nebenbei noch nach einer dritten Person riefen, die gar nicht anwesend war.

Was war passiert? Man muss die Vorgeschichte dazu kennen.

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WWE-Fans vermissen Becky Lynch

Das Match zwischen Rousey und Charlotte war kurzfristig angesetzt worden, eigentlich hatte Rousey in einem Duell der Champions auf Becky Lynch treffen sollen, die aktuelle Titelträgerin der WWE-Dienstagsshow SmackDown Live.

Die Irin hatte seit dem SummerSlam im August - bei dem sie sich in ähnlicher Weise gegen Flair wandte - einen absoluten Lauf. Nachdem ihre Karriere zuvor länger stagniert war, signalisierte ihre Fehde gegen Flair einen großen Push der WWE-Bosse, der von einem großen Teil der Fanbasis begeistert angenommen wurde. Dass sie ihn eigentlich auch als Schurkin bestritt: egal.

Am vergangenen Montag allerdings verletzte ein missglückter Hieb von Nia Jax Lynch und kostete sie das Match bei den Series. Zu Enttäuschung der Zuschauer, die vor, während und nach dem Kampf immer wieder "We want Becky!" skandierten (und Jax bei ihrem Match zu Beginn laut ausbuhten).

Ronda Rousey und Charlotte Flair liefern

Rousey und Lynchs vorherige Rivalin Flair gaben ihr Bestes, um die Zuschauer zu entschädigen, zeigten ein packendes, körperbetontes und von schnellen Kontern geprägtes Match. Es war von bemerkenswerter Qualität, vor allem, wenn man bedenkt, dass die frühere UFC-Queen Rousey keine zwölf Monate Wrestling-Erfahrung hat und die beiden nur drei Tage gemeinsam trainieren konnten.

Die Fans wussten die Leistung der beiden auch hörbar zu schätzen, es gab "This-is-awesome!"-Rufe, von denen sich beide angesprochen fühlen durften.

Hinterher allerdings, als Charlotte Rousey in einer Psycho-Performance mit einem Kendostab und einem Stuhl malträtierte, gehörten alle Sympathien ihr. Rousey bekam sogar zu hören: "You deserved it!" - "Du hast es verdient!" Und hinterher noch einmal: "We want Becky!"

Inszenierung der Survivor Series wird unterlaufen

Muss Rousey das persönlich nehmen? Nicht unbedingt. Zwar beklagen Fans in den sozialen Medien, dass ihr Aufstieg bei WWE zu schnell gegangen wäre, worauf der harte Anhängerkern der Liga traditionell allergisch reagiert.

Am Sonntag schienen die Fans aber vor allem einfach mitgerissen von Flairs Superstar-Moment und der Intensität, mit der sie ihn umsetzte. Veredelt wurde er von Rouseys Bereitschaft, dafür knallhart einzustecken. Sie war hinterher mit dicken Striemen und mehreren Platzwunden übersät.

Von den Fans gab es am Ende trotzdem Häme für Rousey, die womöglich nur eine Reflexreaktion war, ihren Abgang als geprügelte, aber standhafte Heldin trotzdem unterlief.

Wer ist hier der "Heel"?

Bejubelt wird, wer frisch rüberkommt und funktioniert, nicht wer offiziell damit beauftragt ist. So lautet heute grob gesagt das Muster bei WWE. Weil die Liga das altbewährte Gut-Böse-Schema aber trotzdem nicht aufgibt, hat dieser Trend auch kuriose Folgen.

Die verletzte Lynch, die sich in ironischem Überschwang jetzt "The Man" nennt, hat in den vergangenen Wochen einen solchen Popularitätsschub bekommen, dass sie faktisch wieder zum "Babyface", zur Guten wurde. Und seit ihrer emotionalen Ansprache nach ihrer Verletzung bei der jüngsten SmackDown-Ausgabe scheint sie das auch offiziell wieder zu sein.

Und ob Flair jetzt auch wirklich zur vollwertigen Schurkin wird, bleibt vor diesem Hintergrund auch abzuwarten.

Reif für den WrestleMania-Hauptkampf

Was den WWE-Bossen im Zweifel wichtiger sein wird: Mit Lynch und Flair sind nun gleich zwei ihrer weiblichen Stars absolut "on fire" und probate Rivalinnen für Superstar Rousey.

Ein Rückmatch zwischen Rousey und Flair bei der Mega-Show WrestleMania 35 im kommenden April gilt als wahrscheinlich, womöglich wird es auch ein Triple Threat Match mit Lynch.

So oder so: In ihrer jetzigen Form spricht wenig dagegen, dass der WrestleMania-Hauptkampf erstmals ein Frauenmatch werden könnte.

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