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Brooklyn und München - Sasha Banks soll WWE nach WrestleMania frustriert um ihre Entlassung gebeten haben und ist abgetaucht. Alles deutet darauf hin, dass AEW ihr Ziel ist.

Vor drei Jahren stand sie bei WrestleMania 32 zusammen mit Becky Lynch und Charlotte Flair im bis dahin größten WWE-Frauenmatch aller Zeiten.

Drei Jahre später standen Lynch und Flair im historischen ersten Hauptkampf der Frauen bei der wichtigsten Wrestling-Show überhaupt - während Sasha Banks am selben Abend ihre WWE-Karriere aus Frust womöglich für immer hinwarf.

Die 27 Jahre alte Cousine von Rapstar und WWE-Edelfan Snoop Dogg, die auf dem Weg zu sein schien, bei WWE der weibliche Star schlechthin zu werden, ist nach WrestleMania 35 aus dem Programm der Promotion verschwunden und scheint entschlossen zu sein, nicht wieder zu kommen.

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"The Boss" soll stinksauer über die kreativen Entscheidungen der Liga um WrestleMania sein. Es geht - wie mittlerweile bekannt wurde - nicht nur um den Verlust des Tag-Team-Titels der Frauen bei ebenjener Show. Sie soll, wie der Wrestling Observer berichtet, zu diesem Zeitpunkt auch schon informiert gewesen sein, dass WWE sie und ihre Partnerin Bayley danach trennen würden. Ein entscheidender, wenn nicht der entscheidende Grund dafür, dass sie um ihre Entlassung bat.

Die Spekulationen blühen, dass der neue Konkurrent AEW ihr Ziel ist. Ein Szenario, das WWE verhindern wollen wird - die Liga hofft darauf, dass Banks umdenkt.

Wissenswertes zum Thema Wrestling

Sasha Banks soll WWE um Entlassung gebeten haben

Banks und ihre Partnerin Bayley verloren bei Mania die Tag-Team-Titel der Frauen gegen die IIconics (Billie Kay und Peyton Royce). Anscheinend hat die verärgerte Banks dann zunächst eine Auszeit gewährt bekommen, um ihren Entschluss zu überdenken.

Zwei Tage nach WrestleMania hatte Banks sich öffentlich mit einer längeren, zur Interpretation einladenden Twitter-Nachricht zu Wort gemeldet. Kernaussagen: "Es gibt Dinge, die machen es dir praktisch unmöglich, darauf zu vertrauen, wo du stehst, daran zu glauben, wo du stehen willst." Und: "Ich möchte wieder dieses Gefühl haben, zu Hause zu sein. Ich möchte mich wie ich selbst fühlen. Ich möchte Magie."

Titelverlust schmerzt Banks und Bayley

Der Grund für Banks' akuten Frust ist leicht nachvollziehbar: Banks und Bayley hatten vor WrestleMania deutlich gemacht, dass sie die frisch eingeführten Gürtel prägen wollten. Nach dem Gewinn der Titel bei No Escape hielten sie eine herzblutgetränkte Rede über die Bedeutung, die sie dem Titel geben wollten, den sie bei RAW, SmackDown und auch in ihrer alten Heimatbasis NXT verteidigen sollten.

Es war zu spüren, dass das keine 0815-Ansprache aus dem WWE-Drehbuch war: Banks und Bayley wollten das Beste machen aus der Trophäe, über die böse Zungen sagen, dass sie ein Trostpreis dafür war, dass die beiden zuvor im Rennen um die Einzeltitel keine größere Rolle mehr spielten.

Stattdessen mussten sie den Titel nun bei erster Gelegenheit wieder abgeben und getrennte Wege gehen (Bayley wechselte eineinhalb Wochen später zu SmackDown) - ein Hieb in die Magengrube. Und für beide nicht der erste.

Antreiberin der Women's Revolution

Banks und Bayley waren bei der Entwicklungsliga NXT durch ihre starken und umjubelten Ringleistungen entscheidende Antreiberinnen der "Women's Revolution", zusammen mit Flair und Lynch bildeten sie dort die schon legendären "Four Horsewomen" des Wrestling.

Im Hauptkader lief es für beide nicht in gleicher Weise rund: Bayley verlor recht schnell an Fahrt (wobei sie kurz nach Banks' Abgang zum SmackDown-Damenchampion aufstieg - auch wohl keine zufällige Entscheidung). Banks hatte zwar eine große Fehde mit Flair und gewann viermal den RAW-Damentitel, verlor ihn aber jeweils auch schnell wieder. Zuletzt spielte sie klar die zweite Geige hinter Flair, Lynch und Ronda Rousey.

Der schnelle Titelverlust von Banks und Bayley gegen die IIconics hat eine zusätzlich pikante Note: Kay und Royce haben sich bei WWE nicht als Top-Wrestlerinnen hervorgetan, leben von ihrem Talent als Comedy-Schurkinnen. Nach SPORT1-Informationen sprach eine mit Banks sympathisierende Person aus dem WWE-Kollegenkreis am WrestleMania-Wochenende vor Journalisten auf eine Weise über die IIconics, die sich als milde Ironie umschreiben lässt.

Martin Hoffmann berichtet für SPORT1 vor Ort vom WrestleMania-Wochenende in New York
Martin Hoffmann berichtet für SPORT1 vor Ort vom WrestleMania-Wochenende in New York © SPORT1-Montage/Getty Images

Banks selbst hat aber inzwischen einen freundlichen Instagram-Post über die IIconics abgesetzt: ein gemeinsames Bild mit einem Herzchen und dem Hashtag #WomensWrestling - ein öffentliches Signal, dass sie ihren Ärger nicht an Kay und Royce festmacht.

Oder doch Sarkasmus?

Viele vielsagende Kommentare

In der Vergangenheit hat Banks oftmals nicht mit ihrer Meinung hinter dem Berg gehalten: Unter anderem erzählte sie in mehreren Interviews, dass sie sich bei NXT wohler gefühlt hätte als im Hauptkader und dass ihre kurzen Titelregentschaften sie getroffen hätten.

Anfang 2018 ließ sie mit einem schmallippigen Kommentar über das Debüt von Ronda Rousey aufhorchen ("Ich habe nichts Nettes zu sagen, also kann ich nichts dazu sagen"), im Sommer 2018 legte sie das offenherzige Bekenntnis ab, dass sie "nicht wirklich" ein Bedürfnis verspüre, noch einmal mit ihrer WWE-Kollegin Alexa Bliss zu arbeiten.

Zu Beginn des Jahres sorgte sie dann für Aufruhr, als sie den vieldeutigen Abwanderungsflirt des Tag Teams The Revival mit den Worten "Nehmt mich mit!" kommentierte.

Social-Media-Flirt mit AEW

Fiel bei WrestleMania nun der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte?

Banks wirkt, als hätte sie mit WWE abgeschlossen, folgt der Liga nicht mehr auf Twitter, dafür dem Account von AEW, wo der bei WWE zuletzt ähnlich frustrierte Jon Moxley (Dean Ambrose) schon eine neue Heimat gefunden hat. Bei der AEW-Debütshow Double or Nothing Ende Mai veröffentlichte sie auch mehrere lobende Tweets.

Das Problem für Banks: Ihr Vertrag mit WWE soll noch eine Weile laufen und der Marktführer ist allem Anschein nach nicht gewillt, sie der Konkurrenz zu überlassen, so lange er noch die Kontrolle über sie hat.

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