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Yokozuna regierte bei WWE zweimal als Champion
Yokozuna regierte bei WWE zweimal als Champion © WWE
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München - Wrestling-Koloss Yokozuna war ein legendärer Rivale von Hulk Hogan, Undertaker und Co. Vor seinem frühen Tod war sein Körper völlig außer Kontrolle geraten.

Um wahr zu sein, ist die Geschichte eigentlich viel zu verrückt. Aber nach allem, was man weiß ist sie es - und sie erzählt viel darüber, wie gut diese WWE-Legende in Erinnerung geblieben ist.

Mehr als zwanzig Jahre nach ihrem Karriere-Höhepunkt Mitte der Neunziger, als die Wrestling-Liga 2017 eine ihrer ersten Shows in Saudi-Arabien veranstaltete, soll das Königreich mit einer bemerkenswerten Forderung auf WWE zugekommen sein.

Yokozuna sollte mitmachen bei dem "Greatest Royal Rumble", wünschte sich ein hochrangiger "Saudi-Prinz" (mutmaßlich der düster umwitterte Machthaber Mohammed bin Salman persönlich) - der nicht mitbekommen hatte, dass der frühere Champion heute vor 20 Jahren tragisch früh verstorben war.

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Um dem Wunsch dennoch irgendwie annähernd gerecht zu werden, engagierte WWE für einen kurzen Auftritt den echten Sumoringer Hiroki Sumi - der danach nie wieder im Wrestling-Ring gesehen wurde.

Das Original hatte die frühere WWF weit mehr geprägt. Obwohl die Liga seinerzeit auch bei seiner Inszenierung vieles zurechtgebogen hatte.

Yokozuna war Rivale von Hulk Hogan, Bret Hart, The Undertaker

WWE-Fans der Neunziger - auch der 1985 geborene Saudi-Kronprinz gehörte offenbar dazu - ist Yokozuna in bester Erinnerung als Erzbösewicht, der mit seiner gigantischen Körpermasse alle Publikumslieblinge der damaligen Zeit zur Verzweiflung trieb.

Hulk Hogan, der "Macho Man" Randy Savage, Bret "The Hitman" Hart, Lex Luger, der Undertaker: Für sie alle war "The Mighty" ein effektiver Gegenspieler.

Der angebliche Sumo-Champion mit dem Manager Mr. Fuji, der für ihn die japanische Flagge schwenkte und das im Sumo rituell verstreute Salz mitbrachte (und den Gegnern gern in die Augen warf): Er war der Schurke, an dem sich die Kindheitshelden abgearbeitet hatten.

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Teil der Familie von Roman Reigns

Tatsächlich war Rodney Agatupu Anoaʻi, wie Yokozuna eigentlich hieß, weder Japaner noch Sumoringer. Er war am 2. Oktober 1966 in San Francisco geboren worden und entstammte dem berühmten samoanischen Wrestling-Clan, der heute von Roman Reigns sowie Jimmy und Jey Uso vertreten wird - und der über eine Blutsbrüderschaft auch mit Superstar Dwayne "The Rock" Johnson verbunden ist.

Rodney Anoaʻi war ein Neffe der "Wild Samoans" Afa und Sika (Reigns' Vater und Großonkel der Usos), seine Berufung war immer der Showkampf.

Als "Great Kokina" und "Kokina Maximus" war er in den Achtzigern und frühen Neunzigern bei diversen internationalen Ligen aktiv, unter anderem engagierte ihn 1988 auch die Österreich-Legende "Big" Otto Wanz für einen Kampf der Kolosse bei seiner CWA in Bremen.

Zunächst nur kurz WWE Champion

1992 erkannte WWF-Boss Vince McMahon in dem damals 25 Jahre alten Anoa'i das Potenzial zum Top-Bösewicht: Er vereinte eine imponierende Erscheinung mit solidem Ringhandwerk, zu seinen besten Zeiten auch gepaart mit erstaunlicher Beweglichkeit.

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Yokozuna wurde aufgebaut mit dem Gewinn des Royal Rumble 1993 und auch mit einem Sieg im allerersten Match der TV-Show Monday Night RAW (gegen den hilflosen Koko B. Ware).

Bei WrestleMania IX im Caesar's Palace von Las Vegas rückte er dann erstmals in den Mittelpunkt: Yokozuna entthronte Hauptkampf Bret "The Hitman" Hart unfair mit einem Salzwurf Fujis, der dann in seinem Übermut auch noch den frisch aus einer Kunstpause zurückgekehrten Hulk Hogan zu einem spontanen Match herausforderte. Der Megastar überrollte Yokozuna dann innerhalb weniger Sekunden.

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Berühmte Fehde mit Lex Luger

Die Inszenierung sollte eigentlich zu einem großen Hogan-Hart-Match führen (zu dem es zum großen Ärger des Hitman nie kommen sollte), als Hogan stattdessen bald darauf die Liga verließ, gab er den Titel wieder an Yokozuna ab: Beim King of the Ring 1993 schleuderte ein mysteriöser Fotograf (der damalige WWF-Manager Harvey Wippleman) mit einer präparierten Kamera einen Feuerball in Hogans Gesicht und verhalf ihm damit zum Sieg.

Es war der Beginn einer 280-tägigen Titelregentschaft, die effektiv als Schreckensregime inszeniert wurde – noch mehr, als Yokozuna neben Fuji noch das rhetorisch gewandtere Sprachrohr Jim Cornette an die Seite bekam. Im Zentrum standen Fehden gegen den Taker und Lex Luger standen, den WWE mit einem neuen Image als Überpatriot "Made in the USA" zum neuen Hogan aufzubauen versuchte.

Unvergessen ist vor allem ihr Duell beim SummerSlam 1993 die vorausgehende "Bodyslam Challenge" auf dem Flugzeugträger USS Intrepid, bei dem sich diverse WWE- und andere Sportstars vergeblich mühten, Yokozuna aus den Angeln zu heben - ehe Luger mit einem Hubschrauber landete, ihn von den Beinen holte und den Tag rettete.

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Weil das Programm nicht ganz den erhofften Erfolg hatte, ging am Ende bei WrestleMania X der Titel aber nicht an Luger, sondern doch wieder zurück an Hart.

Gewicht lag am Ende wohl bei über 300 Kilogramm

Nach dem Titelverlust war Yokozunas große Zeit bei WWE vorbei, wenngleich die Liga noch eine Weile weiter nach Wegen suchte, seine Präsenz gewinnbringend einzusetzen: Er setzte seine Rivalität mit dem Undertaker fort, war Tag Team Champion an der Seite des später tragisch verunglückten Owen Hart, trat in diversen Gigantenduellen anderen Kolossen wie Earthquake (John Tenta, einst ein echter Sumoringer), Mabel und Vader gegenüber.

1996 entließ WWE Yokozuna, nachdem das Gewicht des Riesen real außer Kontrolle geraten war. Wie viel er am Ende wirklich wog, ist unklar, aber am Schluss seines Engagements war er so fettleibig, dass er auf über 300 Kilogramm geschätzt wurde.

Die Liga schickte ihn auf mehrere Abnahmekuren, die nur bedingt anschlugen. Sie hörte auch deshalb auf ihn einzusetzen, weil diverse US-Bundesstaaten den Wrestlern Gewichtsgrenzen setzte, die er nicht mehr einhalten hätte können. Durch einen Test der Athletic Commission in New York war er gefallen.

Todesursache Lungenödem

Yokozuna speckte nach dem WWE-Aus etwas ab und stieg dann für andere Ligen in den Ring, aber die gesundheitlichen Probleme blieben und endeten tragisch.

Als er am 23. Oktober 2000 für einen britischen Promoter auf Tour war, wurde Yokozuna leblos in einem Hotelzimmer in Liverpool gefunden, mit nur 34 Jahren. Als Todesursache wurde zunächst ein Herzinfarkt angegeben, später stellte sich stattdessen heraus, dass er ein Lungenödem erlitten hatte, eine tödliche Ansammlung von Flüssigkeit in den Atmungsorganen. In der Nacht vor seinem Ableben soll er viel getrunken haben.

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Yokozunas Tod erschütterte vor allem die Wrestlerkollegen, unter denen er wie fast alle Mitglieder seine Familie höchsten Respekt genoss.

2012 wurde Yokozuna von Cousin Solofa (Headshrinker Fatu/Rikishi) und dessen Söhnen Jimmy und Jey Uso posthum in die WWE Hall of Fame eingeführt.

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