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München - Obwohl Leclerc beim Qualifying in Sotschi alle distanziert, ärgert er sich kurz. Während Vettel auf den Start hofft, versucht es Mercedes mit der Strategie.

"Fuck. Ich habe den letzten Sektor komplett verhauen."

Wer nur das Ergebnis des Qualifyings kennt, wird kaum darauf kommen, dass dieser kurze Wutausbruch ausgerechnet von Ferrari-Pilot Charles Leclerc kam. (Formel 1: Rennen in Sotschi ab 13.10 Uhr im LIVETICKER)

Der Monegasse hatte soeben seine Pole-Zeit noch einmal unterboten und als erster Fahrer seit Michael Schumacher 2001 vier Mal in Folge einen Ferrari auf die Pole gestellt - doch der nicht ganz optimale letzte Sektor ärgerte ihn dennoch.

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Binotto staunt über Leclerc

Diese Szene unterstreicht, aus welchem Holz das Riesentalent der Scuderia geschnitzt ist. Leclerc geht es nicht nur darum, der Schnellste zu sein - er will auch stets seine bestmöglichste Leistung abrufen. (DATENCENTER: Ergebnis des Qualifyings aus Sotschi)

Selbst bei Ferrari staunte man über die Pace von Leclerc. "Es überrascht, wie schnell er ist. Das ist großartig für ein Team, wenn man sich auf einen so schnellen Fahrer verlassen kann", schwärmte Teamchef Mattia Binotto. (Fahrerwertung der Formel 1)

Für Binotto ist Leclerc inzwischen ein Fahrer, der den Unterschied machen und sogar siegen kann, wenn er einmal nicht das schnellste Auto zur Verfügung hat: "Auch in Rennen, wo wir womöglich nicht das beste Auto haben, kann er das kompensieren. Seit Saisonbeginn hat er sich sehr stark verbessert."

Leclerc distanziert Hamilton und Vettel

Zwar hatte auch Sebastian Vettel laut eigener Aussage "einen kleinen Schnitzer" in seinem letzten Run - doch wie spielerisch Leclerc die mehrmaligen Weltmeister Lewis Hamilton und Vettel abhing, war zweifelsohne beeindruckend.

Leclerc scheut auch nicht vor teaminternen Ärger zurück, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt, wie er in dieser Saison schon mehrfach bewiesen hat. Es erscheint daher äußerst unwahrscheinlich, dass die Scuderia Vettel wie in Singapur eine Chance gibt, Leclerc per Stopp zu überholen.

Auch Hamilton und Max Verstappen bekamen im Laufe der Saison die Härte des Monegassen bereits zu spüren, wenngleich vermehrt auf der Strecke und nicht abseits. Dennoch wissen alle Topstars inzwischen, dass mit diesem Leclerc nicht gut Kirschen essen ist.

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Leclerc muss am Start auf Vettel achten

Trotz der Pole dürfte es für Leclerc im Rennen nicht leicht werden. Sollten die Reifen von Ferrari gegen Ende nicht schlappmachen oder Leclerc den Start verhauen, dürfte dabei von Hamilton trotz Startplatz zwei weniger Gefahr ausgehen als von Vettel.

Der Deutsche wirkte jedenfalls trotz seines Fehlers, der ihn Rang zwei kostete und des deutlichen Rückstands auf Leclerc erstaunlich entspannt - dies hatte wohl vor allem mit seiner Startposition zu tun.

Als Dritter könnte Vettel vom doppelten Windschatten und der enormen Ferrari-Power auf den Geraden profitieren. Leclerc unkte bereits: "Ich bin mir nicht sicher, ob es die beste Strecke ist, um auf der Pole-Position zu stehen. Die Gerade ist ziemlich lang bis zur ersten Kurve."

Hamilton hofft auf Windschatten

Auch Hamilton hofft deshalb, dass der Windschatten ihm eine Attacke auf Leclerc ermöglicht: "Ich werde versuchen, so viel Windschatten wie möglich von Charles zu kriegen - sofern ich die Chance bekomme, denn die Ferrari starten meist sehr gut."

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Doch sieben, acht Zehntel, die Mercedes auf der langen Gerade laut Motorsportchef-Toto Wolff auf Ferrari verliert, wird selbst der Windschatten nicht wettmachen können oder zumindest zu einem relativ schnellen Konter der Scuderia-Fahrer führen.

Denn Ferrari hat noch einen zweiten Trumpf gegenüber Mercedes im Ärmel: Die Italiener starten im Gegensatz zu den Silberpfeilen auf den weichen Reifen, was gerade zu Rennbeginn ein klarer Vorteil sein sollte.

Ferrari rätselt über Mercedes-Strategie

Bei Ferrari rätselt man noch, warum Mercedes eine andere Strategie wählte. "Wir müssen verstehen, warum sie diese Wahl getroffen haben. Wir glauben, dass der Soft einen Grip-Vorteil am Start liefert. Denn der Start wird der Schlüssel zum Erfolg sein", sagte Teamchef Binotto.

Womöglich ist es einfach der Tatsache geschuldet, dass man bei Mercedes trotz der erwartungsgemäß starken Rennpace auf herkömmliche Art und Weise keine echte Siegchance sieht und deshalb auf eine außergewöhnliche Strategie setzt. (Teamwertung der Formel 1)

Viel passieren kann WM-Spitzenreiter Hamilton nicht, falls die Taktik nicht aufgeht, denn "Wingman" Valtteri Bottas ist auf der gleichen Strategie unterwegs und Verstappen fährt aufgrund seiner Strafversetzung wohl von zu weit hinten los, um Hamilton gefährden zu können.

Leclerc hat solche Sorgen nicht. Er wird allen zeigen wollen, dass der zweite Platz in Singapur nur der für ihn ungünstigen Boxenstopp-Strategie von Ferrari geschuldet war und er die Nummer 1 im Team ist.

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