Nach einem katastrophalen Saisonstart in der EuroLeague und einer zwischenzeitlichen Niederlagenserie von neun Spielen sind die Basketballer des FC Bayern plötzlich wieder voll da und eilen von Sieg zu Sieg.
Er liefert, was die Chefetage des FC Bayern gefordert hat
So küsste Pesic die Bayern wach
Das 81:75 gegen Paris Basketball war der dritte Erfolg in der EuroLeague nacheinander. Aber auch allgemein läuft es für den FCBB wieder - und das hängt ganz speziell mit einem Namen zusammen: Bayern-Coach Svetislav Pesic. Seit die Trainer-Ikone überraschend nach München zurückkehrte, holte sein Team wettbewerbsübergreifend 13 Siege, bei nur vier Niederlagen (6:3 in der EuroLeague).
„Es war wichtig, dass wir gegen diese aggressive Pariser-Mannschaft die Ruhe nicht verloren haben“, sagte Pesic nach dem Sieg auf SPORT1-Nachfrage: „Auch durch solche Siege entwickelt sich der Teamspirit, den wir brauchen.“
Das Spiel gegen eines der spektakulärsten Offensive-Teams der Liga zeigte deutlich, dass die Bayern unter Pesic nicht nur wieder siegen können, sondern auch auf verschiedene Weisen. Es gibt immer wieder das von Präsident Herbert Hainer gewünschte Spektakel, aber auch Defensiv-Schlachten, wie gegen Paris.
Gegner schwärmt von Bayern-Defensive: „Beeindruckend“
Gerade in der Defensive haben sich die Bayern unter Pesic enorm verbessert. Zum Beginn der Saison hatten die Münchener unter Vorgänger Gordon Herbert riesige Probleme, die Top-Teams in Europa zu stoppen. Ging in der eigenen Offensive nicht viel zusammen, hatte das Team keine Chance, Spiele zu gewinnen. Es gab sogar einige bittere Klatschen, auch in heimischer Halle.
Doch davon ist jetzt gar nichts mehr zu sehen. Der FCBB verteidigt deutlich aggressiver, lässt den Gegenspielern kaum Luft zum Atmen. Das stellte auch Bayern-Topstar Andi Obst nach dem Spiel auf SPORT1-Nachfrage fest: „Wir wollen einfach aggressiver sein und dem Gegner gleich vom Start zeigen, dass hier nichts zu holen ist.“
Und diese Defensive hinterlässt bei den Gegnern definitiv Wirkung, wie Julius Thomas, deutscher Co-Trainer von Paris Basketball, SPORT1 nach dem Spiel erklärte: „Es ist einfach schwer für uns, in unsere Systeme reinzukommen. Es gibt von Anfang an körperlichen Kontakt. Der ist aber komplett fair und sauber. So schaffen sie es aber, dass wir nicht in unseren Rhythmus kommen und die Angriffe nicht so laufen können, wie wir uns das vorstellen.“
Thomas zeigte sich von der starken Verteidigung des Gegners begeistert: „Das ist beeindruckend zu sehen, wie schnell das Team das so umsetzt.“
Obst lobt Pesic: „Gibt uns viel Selbstvertrauen“
Mit dieser Beton-Abwehr schockten die Bayern nicht nur Paris, sondern in der vergangenen Woche auch den damaligen Tabellenführer Hapoel Tel Aviv. Dem Star-Ensemble gelangen bei der deutlichen Niederlage nur 64 Punkte in heimischer Halle.
Seit der Rückkehr von Trainer-Legende Pesic läuft aber auch die Offensive deutlich flüssiger. So konnten die Bayern gegen Maccabi Tel Aviv (95:71), Baskonia (96:89) und Valencia Basketball (93:89) auch Spiele mit ihrer Offensive gewinnen.
Zudem in München speziell für das Publikum wichtig: Es gab auch wieder Spektakel zu sehen, dass die Fans immer wieder aus den Sitzen riss. Das hatte sich Bayern Präsident Herbert Hainer bei der PK zum Trainerwechsel explizit gewünscht.
Wie Pesic auch hier der Turnaround gelang? „Wir sind ein bisschen länger in der Halle“, sagte Andi Obst lachend, erklärte SPORT1 dann aber die Veränderungen: „Wir haben länger Trainings und auch mehr Meetings. Im Spiel hat er sehr viel Struktur reingebracht. Wir fahren einfach eine klarere Linie. Er gibt uns klar vor, was wir machen wollen und das hilft uns sehr.“
„Er gibt uns im System gewissen Freiheiten und damit auch viel Selbstvertrauen, einfach zu spielen“, sagte Obst weiter.
Pesic macht Leistungsträger aus Sorgenkindern
Gerade der Punkt Selbstvertrauen ist eine weitere extrem positive Veränderung. Denn Pesic gelang es, das extrem verunsicherte Team aufzubauen und dafür zu sorgen, dass fast alle Spieler nur so vor Selbstvertrauen strotzen.
Sorgenkinder wie Justus Hollatz, David McCormack oder Wenyen Gabriel wurden plötzlich zu echten Leistungsträgern und fanden ihre Rollen. Kapitän Vladimir Lucic, Neuzugang Justinian Jessup und ganz speziell Top-Scorer Andi Obst steigerten ihre ordentliche Form vom Saisonstart und gehören aktuell sogar zu den Topspielern der EuroLeague.
Selbstvertrauen sei ein extrem wichtiger Faktor für die aktuellen Top-Leistungen, sagte auch Obst, der erklärte, wie Pesic dieses zurück ins Team brachte: „Ich glaube schon, dass er das auch mit der Struktur geschafft hat. Ich glaube, davor waren die Rollen uns nicht so richtig klar. Das war alles ein bisschen wirr und durcheinander. Keiner wusste so richtig, was passiert und das lief nicht so gut.“
„Jetzt, wo jeder klar weiß, was zu machen ist, sind wir auch alle besser vorbereitet. In jeder Situation weiß jeder Spieler: Okay ich bekomme jetzt den Ball und habe dann drei Möglichkeiten. Je nachdem, wie man sich dann fühlt, nutzt man dann die jeweilige Option. Das gibt jedem Spieler eine gewisse Routine und auch großes Selbstvertrauen“, sagte Obst weiter.
Pesic geht mit positiver Körpersprache voraus
Pesic geht dabei auch mit positiver Körpersprache selbst als stützender Faktor voran. Der Altmeister verbreitet während des Spiels viel positive Stimmung und lobt oft auch kleine, erfolgreiche Plays seiner Spieler.
Natürlich kann der 76-Jährige auch noch immer auf für ihn so typische Weise durch die Decke gehen, wenn etwas nicht nach seinem Verständnis läuft. Es ist aber auffällig, dass die positiven Ansprachen ganz klar überwiegen und es ihm gelingt, seine Stars mit dieser positiven Körpersprache zu kitzeln.
Kann Pesic das Playoff-Wunder möglich machen?
Die Bayern sind wieder eine verschworene Einheit und können so selbst ausgleichen, dass es zuletzt immer wieder personelle Schwierigkeiten gab.
„Wir haben immer wieder große Probleme, weil uns wichtige Spieler ausfallen. Heute haben Lucic und Dimitrijevic wieder gefehlt. Zuvor fehlten schon andere Spieler. Ich habe manchmal mehr Spieler neben der Bank (Anm. d. Red.: wo die kranken oder verletzten Spieler sitzen) als auf der Auswechselbank. Hoffentlich werden sich irgendwann auch diese Probleme lösen“, sagte Pesic auf der PK nach dem Paris-Spiel.
Ein bisschen klingt diese Ansage wie eine Drohung an die Konkurrenz. Wie stark können die Bayern und Pesic noch werden, wenn einmal der gesamte Kader zur Verfügung steht?
Vielleicht ist dann sogar noch das Playoff-Wunder möglich. Dafür müssen die Münchener ihre Siegesserie aber weiter ausbauen. Noch liegt man vier Siege hinter dem Zehnten, der AS Monaco. Aber eben gegen genau dieses Team geht es am Donnerstag. Diesen Bayern ist unter der Trainer-Ikone Svetislav Pesic wieder alles zuzutrauen.