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Darts-WM: Ein Abgang, der Bände spricht

Van Gerwens Abgang spricht Bände

Während die beiden Lukes noch um den Titel kämpfen, ist Michael van Gerwen bei der Darts-WM 2026 schon nicht mehr dabei. Sein Ausscheiden ist dabei das Abbild eines Jahres, das für den Niederländer wohl eines der schwierigsten seines Lebens war.
Michael Van Gerwen verliert das Legendenduell im Achtelfinale der Darts WM gegen Gary Anderson. Kurz vor Ende der Partie hat der Holländer große Schwierigkeiten die Doppelfelder zu treffen.
Während die beiden Lukes noch um den Titel kämpfen, ist Michael van Gerwen bei der Darts-WM 2026 schon nicht mehr dabei. Sein Ausscheiden ist dabei das Abbild eines Jahres, das für den Niederländer wohl eines der schwierigsten seines Lebens war.

Es war das Ende mit Schrecken, das am Ende ins Bild passte: 1:4 im Achtelfinale gegen Gary Anderson – und ein ganzer Ally Pally, der geschlossen hinter dem Schotten stand. Am liebsten würde Michael van Gerwen das Jahr 2025 wohl streichen. Als wäre es nie geschehen.

Denn „Mighty Mike“ hat in den vergangenen 365 Tagen kein Major-Turnier gewonnen, könnte nach der WM gar aus den Top Vier der Welt herausrutschen. Und dann sind da noch private Probleme, die ein nicht unwesentlicher Teil der Geschichte waren. (Darts-WM vom 11. Dezember bis 3. Januar LIVE auf SPORT1)

Darts-WM: Van Gerwen ist nicht mehr der, der er mal war

Doch von vorne: Das Jahr startete mit dem verlorenen WM-Finale gegen Luke Littler, dem ersten Weltmeistertitel für „The Nuke“ – und einem Weckruf für den Niederländer, dass die junge Konkurrenz die Ehrfurcht verloren und massiv an Qualität gewonnen hat.

Zwar gewann „MvG“ mit den World Series Finals immerhin ein TV-Turnier, auf den großen und bedeutenden Bühnen musste er dem inzwischen allgegenwärtigen „Luke-Duell“ jedoch immer wieder den Vortritt lassen. Immer und immer wieder.

In der Order of Merit, die die Preisgelder der vergangenen beiden Jahre umfasst, steht kein einziger Major-Titel mit Einfluss auf das Ranking auf der Habenseite bei van Gerwen. Der letzte Erfolg in dieser Hinsicht ist mit den Players Championship Finals im Herbst 2022 mittlerweile mehr als drei Jahre her - der Premier-League-Gewinn 2023 und die Siege bei den World Series Finals 2023 und 2025 sind außen vor.

Van Gerwen, der genau heute vor zwölf Jahren mit damals 24 Jahren seinen ersten WM-Titel gewann, ist inzwischen seit längerer Zeit weit entfernt von der früheren Dominanz.

Qualität bei MvG vorhanden – doch Titel bleiben aus

„Es macht ihm zu schaffen, dass er nicht an die Erfolge der vorherigen Jahre anknüpfen konnte. Er spielt immer noch sehr gute Averages, das Gesamtfeld ist aber besser geworden. Er tut sich schwer, die Titel einzufahren. Das fehlt ihm ein bisschen und das kratzt auch an seinem Selbstbewusstsein“, befindet SPORT1-Experte Max Hopp: „Gegen Gary Anderson war er ebenbürtig, phasenweise sogar besser, aber Gary hat die Momente genutzt.“

So ist es auf dem Papier ein krachendes Achtelfinal-Aus mit 1:4, viel zu wenig im Selbstverständnis von van Gerwen. Anderson war noch nicht einmal im Medienbereich zu den TV-Interviews erschienen, da verließ van Gerwen schon fluchtartig den Alexandra Palace mit Manager und Securities.

Es ist ein sinnbildlicher Ausdruck dessen, dass sich van Gerwen verkriechen wollte, so schnell es ging. Um das Geschehene zu verarbeiten. Denn auch privat lief das Jahr unschön - was auch während der WM noch Schatten warf.

Private Rückschläge - und neuer Hunger?

Das Ehe-Aus mit Frau Daphne machte van Gerwen arg zu schaffen. Sie verkündete im niederländischen TV jüngst, ein Kind von einem anderen Mann zu erwarten - nur neun Monate nach dem offiziellen Beziehungsende mit dem dreimaligen Weltmeister. Das nagt, besonders im Mentalsport Darts.

Es bleibt die Frage, wie nachhaltig die sportlichen und persönlichen Rückschläge van Gerwen aus der Bahn geworfen haben. Ihn vollends abzuschreiben, wirkt trotz allem noch wie eine gewagte Wette: Van Gerwen ist und bleibt ein besessener Kämpfer, um der Beste zu sein.

MvG wird jetzt in 2026 von Beginn an angreifen, weil eines kann er nicht akzeptieren: Dass andere an ihm vorbeiziehen und besser sind in der Weltrangliste als er. Er will immer der Sieger sein“, sagt auch Hopp: „Seine erste Chance sind die Masters Ende Januar in Milton Keynes. Aber die Konkurrenz schläft nicht. Er ist nicht mehr der alleinige Topfavorit auf den Titel. Und das stört ihn.“

Aus Hopps Sicht könnte aber gerade auch darin ein Schlüssel zu einem neuen Hoch van Gerwens liegen: „Er ist vielleicht zwischendurch satt gewesen. Aber jetzt - wo die großen Titel schon eine Weile ausbleiben - ist er hungriger als je zuvor.“