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Legende verrät: "Jeder Trainer bei Bayern wollte ihn haben"

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Legende verrät: "Jeder Trainer bei Bayern wollte ihn haben"

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„Jeder Bayern-Trainer wollte ihn“

Hermann Gerland ist eine Legende im deutschen Fußball. Beim FC Bayern arbeitete er mit Miroslav Klose zusammen, der nun in Nürnberg anheuert. Dazu findet Gerland ebenso wie zum Abschied von Toni Kroos klare Worte.
Hermann Gerland wurde nicht nur als Spieler zur Lebende, sondern vor allem auch als langjähriger Bayern-Assistenztrainer.
Reinhard Franke
Reinhard Franke
Hermann Gerland ist eine Legende im deutschen Fußball. Beim FC Bayern arbeitete er mit Miroslav Klose zusammen, der nun in Nürnberg anheuert. Dazu findet Gerland ebenso wie zum Abschied von Toni Kroos klare Worte.

Gut erholt von seinem Urlaub auf Mallorca empfing Hermann Gerland SPORT1 bei sich zuhause für ein Exklusiv-Interview.

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Der 70-Jährige, eine Legende des FC Bayern, spricht unter anderem über Miroslav Klose, der am Dienstag als neuer Cheftrainer des 1. FC Nürnberg vorgestellt wurde und verrät, dass unter den Bayern-Trainern eine klare Meinung über Toni Kroos herrschte.

SPORT1: Herr Gerland, die Meldung überraschte alle. Was haben Sie gedacht, als Sie gehört haben, dass Miroslav Klose neuer Trainer beim 1. FC Nürnberg wird?

Hermann Gerland: (lacht) Ich habe das auch aus den Medien erfahren und dachte im ersten Moment: „Oh, er übernimmt schon wieder so eine schwere Aufgabe“. Der Club hat um den Klassenerhalt gekämpft und hat mit Can Uzun und „Nene“ (Nathaniel Brown, Anm. d. Red.) zwei überragende Spieler verloren. Das wird nicht einfach werden für Miro. Die Ansprüche in Nürnberg sind hoch und dort träumt man immer noch von neun Meistertiteln. Aber Miro hat mit Joti Chatzialexiou einen überragenden Sportvorstand an seiner Seite. Und mit Dieter Nüssing, gegen den ich noch selber gespielt habe, gibt es da einen hervorragenden Scout. Aber: Es ist ein schwieriges Unterfangen für Miro. Ich wünsche ihm das nötige Spielglück. Er hat schon mal eine Mannschaft übernommen, die sich gerade gerettet hatte.

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Gerland: „Es tut keinem gut, wenn die erste Stelle so endet“

SPORT1: Sie sprechen die Zeit beim österreichischen SCR Altach an. Da lief es für Klose nicht so gut.

Gerland: Stimmt. Er war ein erstklassiger Spieler, ist ein großartiger Mensch und auch ein guter Trainer. Aber er kann keine Tore mehr erzielen, das müssen andere machen. Miro kann keine Wunder vollbringen. Ich habe mich damals gewundert, dass Miro so eine schwierige Aufgabe übernimmt. Schon damals dachte ich mir „Das wird nicht so einfach, Miro. “Ich hätte ihm gewünscht, dass er eine Mannschaft übernimmt, die oben mitspielt. Er hat auch oft genug oben mitgespielt und ist einfach ein super Typ. Miro hat ja auch mit Hansi (Flick, Anm. d. Red.) zusammengearbeitet. Er weiß, wie es geht.

SPORT1: Aber das Österreich-Kapitel hängt ihm irgendwie nach, oder?

Gerland: Leider. Das hat Miro nicht gut getan. Aber es tut keinem Trainer gut, wenn die erste Stelle so endet, wie für Miro in Altach. Doch jetzt arbeitet er bei einem Traditionsverein und hat auch den einen oder anderen sehr guten Jungen wie Finn Jeltsch in der Mannschaft. Das ist ein großartiger Spieler. Es gibt in Nürnberg einige Akteure, die auf dem Sprung sind, mit dem Material muss Miro auskommen. Und er will ja auch auf die Jugend setzen. Für Uzun und „Nene“ bekommt der Club einige Millionen. Ich hoffe, dass vielleicht ein, zwei erfahrene Spieler geholt werden können. Es ist für Miro natürlich einfacher, wenn er da auf einigen Positionen gestandene Spieler hat.

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Hermann Gerland ist ein langjähriger Weggefährte von Miroslav Klose
Hermann Gerland ist ein langjähriger Weggefährte von Miroslav Klose

SPORT1: Wie gefährlich kann es für Klose werden?

Gerland: Ich hoffe, es wird nicht gefährlich für ihn. Aber nochmal: Mit dem Joti hat er einen richtig guten Manager an seiner Seite. Ich habe ihn zwei Jahre lang erleben dürfen, er ist menschlich und fachlich top. Und er ist sehr eloquent und weiß, worauf es ankommt. Miro ist nicht allein auf sich gestellt. Es ist ein mutiger Schritt, aber vielleicht genau das Richtige. Man muss daran glauben, dass es gut gehen wird. Ich wünsche Miro das von Herzen. Er ist so ein positiver Junge. Ich habe ihn bei Bayern auch am Campus erlebt, da hat er seine Sache richtig gut gemacht.

SPORT1: Wie haben Sie den Spieler Klose bei Bayern erlebt?

Gerland: Miro war in München nicht so erfolgreich wie zuvor in Bremen. Er hat bei Bayern nicht so oft getroffen. Ich habe ihn zusammen mit Louis van Gaal erlebt. Miro war unglaublich mannschaftsdienlich. Wenn er mit einem anderen Kollegen auf den Torwart zulief und der andere nur Millimeter besser stand, dann hat er den Ball quer gelegt. Damals hat Luca Toni die Tore gemacht. Miro hat häufig welche vorbereitet. Louis hat immer gesagt „Miro ist ein Van-Gaal-Spieler, aber wenn er wusste, er sollte Nummer 10 spielen, ging der Kopf runter und er hat nicht seine Leistung gebracht“. Aber er war ein toller Spieler. Bei Lazio Rom hat er auch getroffen und er hat die meisten Tore für Deutschland erzielt.

Bayern-Trainer? „Damit hab ich abgeschlossen“

SPORT1: Sie haben Hansi Flick schon kurz genannt, weil er mit Klose zusammengearbeitet hat. Was sagen Sie, dass er jetzt Trainer beim FC Barcelona ist?

Gerland: Ich freue mich ungemein für Hansi. Ich hatte bei Bayern nur top Trainer. Dann gibt es immer die Frage „Wer ist der Beste?“ Aber das Kuriose war: Hansi hat von allen am meisten Titel gewonnen. Er war menschlich überragend, bei ihm passte alles. Er hat sich mit jedem gut verstanden. Für mich hat Hansi das überragend gemacht. Die Aufgabe bei Barca ist nicht zu groß. Wer mit dem FC Bayern alles gewinnt, der kann auch Barca trainieren. Hansi ist ein außergewöhnlicher Trainer. Und so ein toller Mensch.

SPORT1: Was haben Sie eigentlich gedacht, als Lothar Matthäus Sie zuletzt als Übergangstrainer für die den FC Bayern ins Spiel brachte?

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Gerland: Ich musste schmunzeln. Aber ich stand dafür überhaupt nicht mehr zur Verfügung. Ich kenne Lothar schon so lange, vom Jungspund im Gladbach-Trikot bis zum Weltstar. Ich habe noch gegen ihn gespielt. Ich habe damit abgeschlossen. Ich bin beim DFB als Co-Trainer der U21 angestellt. Abends kümmere ich mich um die elf- und zwölfjährigen Kinder von der Spielvereinigung Unterhaching und deren Trainer. Da will mir manch einer erklären, wie der Fußball funktioniert. Da muss ich schonmal sagen: „Junge, pass auf, ich bin 70 und habe mich nur mit Fußball beschäftigt, mir musst du nichts mehr erklären.“

SPORT1: Statt ihnen ist es Vincent Kompany geworden. Ist er der richtige Trainer für den FC Bayern?

Gerland: Dazu will ich eigentlich gar nichts sagen. Hinterher wird man sehen, ob das geklappt hat oder nicht. Sein Name kam schon überraschend um die Ecke, weil vorher einige Trainer kontaktiert wurden. Und plötzlich sitzt Kompany auf dem Podium.

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Hermann Gerland (r.) empfängt SPORT1-Reporter Reinhard Franke bei sich zuhause
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Hermann Gerland (r.) empfängt SPORT1-Reporter Reinhard Franke bei sich zuhause

SPORT1: Wie sehr haben Sportvorstand Max Eberl die vielen Trainer-Absagen geschadet?

Gerland: Wenn das mit Kompany erfolgreich wird, spricht in drei Monaten keiner mehr über die leidige Trainersuche beim FC Bayern. Es kommt am Ende doch nur auf den Erfolg an.

„Uli wird sich von keinem sagen lassen, was er tun soll“

SPORT1: Uli Hoeneß hat in der Trainerfrage öffentlich mitgemischt. Sollte er sich endlich mal zurücknehmen?

Gerland: Ich habe kürzlich gelesen, dass Ralf Rangnick gerne wegen Uli gekommen wäre. Uli wird sich von keinem sagen lassen, was er tun soll. Er ist Uli Hoeneß und wird weiter seine Meinung sagen. Damit müssen sich die Leute, die zum FC Bayern kommen, abfinden. Das bleibt auch in Zukunft so.

SPORT1: Auch beim Thema Toni Kroos blieb Hoeneß seinerzeit hart, was viele Bayern-Fans bis heute als Fehler bezeichnen. Hat sie Kroos‘ angekündigtes Karriereende traurig gemacht?

Gerland: Nein, warum? Irgendwann ist nun mal Schluss. Philipp Lahm hätte noch zwei Jahre spielen können, aber er hat es doch richtig gemacht. Toni hat doch alles erreicht, er ist der erfolgreichste Spieler aller Zeiten. Jeder Trainer bei Bayern wollte ihn haben. Aber man wollte nicht so viel bezahlen. Toni wollte das gleiche Gehalt wie Mario Götze, weil beide den gleichen Berater haben. Doch die Bosse wollten nicht so viel für Toni zahlen.

Im STAHLWERK Doppelpass erzählt Trainer-Legende Hermann Gerland wie er den Wechsel von Thomas Müller zu der TSG Hoffenheim verhinderte. Die Trainerlegende war maßgeblich beteiligt.
02:40
Hermann Gerland verhinderte den Wechsel von Thomas Müller zu der TSG Hoffenheim

SPORT1: Kroos ist weg, aber Thomas Müller ist immer noch da. Ist der FC Bayern ohne ihn überhaupt vorstellbar?

Gerland: Thomas Müller ist nicht nur ein herausragender Spieler. Er ist einer der schlauesten Spieler, die ich je erlebt habe. Müller hat vor niemandem Angst und ist eloquent. Der FC Bayern wäre gut beraten, ihn nach der Profikarriere einzubinden. In welcher Form auch immer.

SPORT1: Zum Abschluss noch ein Ausblick: Was trauen Sie dem deutschen Team bei der EM zu?

Gerland: Das hängt davon ab, wie viel Spielglück sie haben. Schottland hat Spanien geschlagen, das wird nicht so einfach im ersten Spiel für die Deutschen. Nagelsmann muss höllisch aufpassen. Natürlich wollen sie als Gastgeber erfolgreich spielen und lange dabei sein, aber immer schön piano. Die Spiele müssen erst gespielt werden. Man muss vorher nicht immer alles an die große Glocke hängen. Natürlich würde ich mich freuen, wenn sie Europameister werden. Auch meine Enkel. Beide sind fußballverrückt. Der Große hat geweint, als die Bayern gegen Real Madrid ausgeschieden sind.