Manche Eltern seien „einfach durchgedreht“ redete sich Lothar Matthäus, der jüngst seine Trainertätigkeit bei der U13 des TSV Grünwald beendet hat, den Frust von der Seele. Nachdem er vor einigen Tagen bekanntgegeben hatte, sein Nachwuchs-Amt bei dem Amateurklub niederzulegen, hat der Rekordnationalspieler in einem Interview mit der Bild nun Details zu den Hintergründen seiner Entscheidung genannt.
Matthäus rechnet knallhart ab
Mit seiner Mannschaft sei Matthäus dreimal in Folge Meister geworden, zuletzt sogar in die höchste Spielklasse aufgestiegen. Die Erfolge, so der 63-Jährige, seien jedoch manch einem Familienmitglied seiner Spieler wohl „zu Kopf gestiegen.“

Kontaktversuche von morgens bis abends
„Plötzlich“ so Matthäus weiter, „verhielten sich einige Eltern, als wären sie Bundesliga-Manager und ihre Kinder ein zukünftiger Messi.“ Von früh morgens bis spät abends bekam der Weltmeister von 1990 eigenen Angaben zufolge Anrufe und Nachrichten mit Beschwerden oder Forderungen.
„Es ging um Dinge, wie dass der Sohn angeblich auf der falschen Position spiele oder zu wenig Einsatzsatzzeit bekäme. Immer standen Eigeninteressen im Vordergrund und nicht der Gedanke an die Mannschaft“, führte Matthäus weiter aus.
Schlimmer als die Kontaktversuche an ihn sei jedoch das Verhalten der Eltern untereinander gewesen.
„Ich könnte WhatsApp-Verläufe zeigen, in denen üble Beleidigungen und Anschuldigungen von der übelsten Sorte fielen. Es ging nur noch um Neid und gegenseitige Eifersucht. Als Trainer bist du da fassungslos. Es sollte doch um Spaß gehen für die Kinder. Am Ende ist mir dann als Trainer der Spaß genommen worden“, fand Matthäus deutliche Worte.
Sohn Milan wechselt zum FC Ismaning
Hinzu kam, dass die Väter plötzlich besser wussten „als der Trainer, was im Training gemacht werden sollte.“ Schlussendlich fiel der TV-Experte die Entscheidung, mit seinem Engagement aufzuhören. Auch sein Sohn spiele nun nicht mehr in Grünwald, sondern beim FC Ismaning, so Matthäus.
Auch wenn der Routinier selbst stets „für einen gesunden Ehrgeiz“ zu haben sei, so sei doch irgendwann der Punkt erreicht gewesen, an dem er gesagt habe: „Dann macht es doch einfach selbst.“