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3. Liga: Michael Welling im Gespräch nach Rassismus-Eklat bei Duisburg gegen Osnabrück

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3. Liga: Michael Welling im Gespräch nach Rassismus-Eklat bei Duisburg gegen Osnabrück

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VfL-Boss: „Beunruhigende Tendenzen“

VfL-Boss: „Beunruhigende Tendenzen“

Nach dem Spielabbruch zwischen dem MSV Duisburg und dem VfL Osnabrück am Wochenende aufgrund rassistischer Beleidigungen steht die Fußballwelt unter Schock. SPORT1 sprach mit VfL-Geschäftsführer Michael Welling über die Konsequenzen des Vorfalls.
Nach dem Eklat von Duisburg erreicht den Osnabrücker Aaron Opoku eine Welle der Solidarität. Der deutsche Fußball setzt starke Zeichen gegen Rassismus.
Reinhard Franke
Reinhard Franke

Das gab es noch nie im deutschen Profi-Fußball. Am vergangenen Sonntag kam es beim Spiel der 3. Liga zwischen dem MSV Duisburg und dem VfL Osnabrück zu einem Novum. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur 3. Liga)

Laut Zeugenaussagen soll ein 55 Jahre alter MSV-Fan „Du Affe kannst eh keine Ecken schießen!“ in Richtung des VfL-Stürmers Aaron Opoku gerufen haben.

VfL-Geschäftsführer und Sportdirektor Michael Welling spricht jetzt im SPORT1-Interview über den Fall und die Konsequenzen. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der 3. Liga)

Welling verteidigt Spiel-Abbruch

SPORT1: Herr Welling, wie denken Sie zwei Tage danach über den Rassismus-Eklat um Opoku?

Michael Welling: Auch zwei Tage nach den Geschehnissen in Duisburg steht für mich fest: Die Entscheidung, nicht wieder auf das Spielfeld zurückzukehren und damit das Spiel nicht fortzusetzen, war richtig und konsequent. Wir können keine Form von rassistischem bzw. allgemein diskriminierendem Verhalten akzeptieren, hier gibt es Null-Toleranz. Wir haben uns mit der Entscheidung nicht nur mit unserem Spieler Aaron Opoku solidarisiert, wir haben gleichzeitig auch ein Signal gesendet, dass Diskriminierung und Rassismus in Stadion und in unserer Gesellschaft allgemein zwar existent sind, wir uns aber mit Haltung in Form von Handlungen dagegen wehren und auflehnen müssen.

SPORT1: Wie geht es Opoku inzwischen? Mussten Sie ihn aufbauen?

Welling: Wir stehen in engem Kontakt mit Aaron Opoku, dem es inzwischen wieder besser geht. Die große Solidarität bundesweit hilft ihm dabei, den Vorfall zu verarbeiten. Niemand, der nicht selbst betroffen ist, kann und sollte die Auswirkungen von rassistischen Anfeindungen bewerten.

Das Spiel zwischen dem MSV Duisburg und dem VfL Osnabrück wurde aufgrund von rassistischen Äußerungen in Form von Affenlauten gegen einen VfL-Spieler abgebrochen.
01:43
Spiel-Abbruch nach Affenlauten von MSV-Fans: "Sind alle geschockt"

Spiel-Abbruch ein Zeichen an die Gesellschaft

SPORT1: Es ist ein Novum, dass ein Spiel abgebrochen wurde. Wie denken Sie darüber, dass es nun ausgerechnet beim VfL der Fall war?

Welling: Es geht in dieser gesamten Angelegenheit nicht um den VfL Osnabrück oder den MSV Duisburg. Es geht um den Menschen Aaron Opoku, es geht um alle Menschen, die Zielscheibe von Diskriminierung werden und somit ein generelles gesellschaftliches Problem, was weder verharmlost noch toleriert werden darf. Es ist somit eine Aufgabe der Gesellschaft insgesamt und daher des Fußballs in seiner Gänze, hier entschieden aktiv zu sein. Wenn wir durch unser Handeln Vorbild sein können, wäre es gut. Wenn es keine Vorbilder mehr bräuchte, wäre es besser.

SPORT1: Über die Wertung des Spiels beim MSV muss das Sportgericht des DFB befinden. Die beiden Vereine seien sich einig, dass ein Wiederholungsspiel „die einzig richtige Entscheidung“ wäre, haben Sie bereits gesagt. Was passiert, wenn es kein Wiederholungsspiel geben sollte?

Welling: Wir befassen uns lieber mit Tatsachen als mit Hypothesen. Nach den Stellungnahmen beider Vereine liegt die Entscheidung bei der Sportgerichtsbarkeit des Deutschen Fußball-Bundes, dem die Haltung gegen Rassismus und Ausgrenzung ebenfalls sehr wichtig ist. Weder der MSV noch der VfL sollten für das Verhalten eines Zuschauers bestraft werden. Ein Wiederholungsspiel ist aus meiner Sicht nicht nur die richtige Entscheidung, sondern auch ein weiteres Zeichen gegen Rassismus und für Menschlichkeit. Wir sind sicher, dass es dem DFB gelingen wird, im Rahmen seiner Statuten diese Möglichkeit zu finden und im Sinne des Fußballs und im Sinne der Antidiskriminierungsarbeit, die im organisierten Sport schon seit vielen Jahren läuft, zu entscheiden.

Michael Welling suchte mit Trainer Daniel Scherning nach dem Rassismus-Eklat das Gespräch mit den Fans
Michael Welling suchte mit Trainer Daniel Scherning nach dem Rassismus-Eklat das Gespräch mit den Fans

SPORT1: Es gibt jetzt viel Solidarität für Opoku, also auch für den VfL. Wie gut tut das? Glauben Sie, dass sich dadurch etwas ändern kann?

Welling: Neben der breiten Solidarität in den vergangenen Tagen und Stunden bemerken wir leider auch zunehmend Tendenzen, die die Geschehnisse zu relativieren versuchen. Diese Relativierungsversuche zeigen, wie tief verwurzelt das Problem ist. Hier müssen wir gemeinsam Einhalt gebieten und einer Täter-Opfer-Umkehr keine Chance lassen. Wir sind alle gefordert, insbesondere dem latenten Alltagsrassismus Einhalt zu gebieten und Haltung zu zeigen. Es ist wichtig, dass hier stets die Perspektive der Betroffenen eingenommen wird. Es ist notwendig, dass Mitmenschlichkeit hier auch immer einer entsprechenden Empathie bedarf. Nur dann kann sich nachhaltig etwas ändern.

SPORT1: Was muss mit Blick in die Zukunft nun passieren? Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Welling: Wir dürfen Geschehnisse wie die vom vergangenen Sonntag nicht bagatellisieren oder schnell abtun und zur Tagesordnung übergehen. Jeder einzelne ist gefordert, sich gegen jede Tendenz von Rassismus und anderen Formen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit aufzulehnen. Wir müssen diese Probleme als Gesellschaft akzeptieren und ernst nehmen, und als die große Mehrheit der kleinen, aber meist lauten Minderheit keinen Millimeter Raum geben. Wir wünschen uns, dass sich durch das Handeln der Verantwortlichen, hier der Schiedsrichter, der Spieler, der Klubs und der Mehrheit der Fans im Stadion andere Menschen ermutigt fühlen, Diskriminierungen nicht hinzunehmen und die Ablehnung zu adressieren, Menschen ermutigt fühlen, sich mit den Opfern von Diskriminierung sofort und unmissverständlich zu solidarisieren.