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Eine beeindruckende Entwicklung

Eine beeindruckende Entwicklung

Omar Richards feiert gegen Hoffenheim sein Startelfdebüt für den FC Bayern. Eine beeindruckende Entwicklung, wenn man seinen Werdegang ansieht. Kann der Engländer zu einem Gewinner unter Nagelsmann werden?
Omar Richards hat seine Chance genutzt und bei seinem Startelfdebüt in der Bundesliga auf sich aufmerksam gemacht.
Lukas von Hoyer
Lukas von Hoyer
von Lukas von Hoyer

Es ist ein echter Kindheitstraum, der am Wochenende in Erfüllung ging.

Omar Richards durfte für den FC Bayern gegen die TSG Hoffenheim über die volle Distanz ran. Ein Startelf-Debüt in der Allianz Arena. Vor 60.000 Zuschauern. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

„Von solchen Dingen träumt man als Kind, und im Moment habe ich das Gefühl, dass ich meine Träume auslebe, das Champions-League-Spiel neulich, und jetzt mein erstes ganzes Spiel für Bayern“, schwärmte Richards nach dem 4:0-Sieg: „Ich bin sehr glücklich, heute die Chance in der Startelf bekommen zu haben und dass die Trainer an mich glauben. Ich bin zufrieden mit meiner Leistung und mit meinem Team. Die Fans haben für eine Gänsehaut-Stimmung gesorgt. Bei Bayern zu spielen, ist ein echter Kindheitstraum für mich. Ich habe heute jede Minute genossen.“

Die Begeisterung von Richards ist nachzuvollziehen - immerhin spielte der 23-Jährige vor einigen Monaten noch in der zweiten englischen Liga.

Richards-Entscheidung gibt Marschroute vor

Es war ein ungewöhnlicher Transfer der Bayern, als Richards im Sommer ablösefrei an die Säbener Straße kam. 104 Pflichtspiele hatte der gebürtige Londoner für den FC Reading gemacht, aber eben keines davon in der Premier League. Vielleicht noch überraschender: Ein Vertrag bis 2025 und ein damit verbundenes Signal, dass die Verantwortlichen langfristig mit ihm planen. (Die aktuellesten Gerüchte und Fakten im SPORT1-Transferticker)

Eine mutige Entscheidung, welcher aber auch eine ganze neue Marschrichtung zugrunde zu liegen scheint. Sportvorstand Hasan Salihamidzic, Vorstandsboss Oliver Kahn und Co. wollen keine Chancen verpassen, junge und ambitionierte Spieler nach München zu holen. In der Vergangenheit gelang das selten und die Münchner holten oftmals erst Profis, die ihre Tauglichkeit schon unter Beweis gestellt hatten. Sie trauten Hansi Flick zu, das beste aus Talenten herauszuholen - und das gilt auch für seinen Nachfolger Julian Nagelsmann.

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„Wir versuchen, anders zu sein, versuchen natürlich auch, unseren Campus sehr gut einzubinden“, sagte Salihamidzic bei RTL: „Der Trainer ist sehr interessiert daran, auch mit den jungen Spielern zu arbeiten. Das bringt uns natürlich sehr viel.“

Und Richards scheint tatsächlich ein Spieler zu sein, der gut in das System von Nagelsmann passt. Der Engländer ist schnell, aggressiv, technisch stark und außerdem flexibel. Gerade letzterer Faktor ist dem modernen Coach sehr wichtig, wie er nicht müde wird zu betonen.

Nagelsmann treibt Richards die Championship aus

In fünf Pflichtspielen warf der 34-Jährige seinen Schützling nun rein - als Linksverteidiger und linker Mittelfeldspieler. Richards bringt sowohl defensive als auch offensive Qualitäten mit. In England galt er als starker und bissiger Zweikämpfer, er gehörte zu den besten Eins-gegen-Eins-Spielern der oft rauen Championship. Richards spielte in der Viererkette und in der Dreierkette. Auch ein Einsatz in der Innenverteidigung ist denkbar. Ach ja: Richards ist 1,74 Meter groß, wie er nach unterschiedlichen Angaben erklärte. „Definitiv nicht 1,85.“

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Deutlich offensivere Positionen sind allerdings auch nicht unmöglich. Immerhin spielte der junge Mann mit Wurzeln auf Jamaika in seiner Jugend auf dem offensiven Flügel und auch als Zehner. „Linksverteidiger passt aber sehr gut zu meiner Art zu spielen. Ich genieße es dort“, betonte der Linksfuß bei BayernTV.

Nagelsmann betonte in der Vorbereitung, dass Richards noch ein bisschen sehr englisch spiele. Der Trainer hatte es sich in München daher schnell zur Aufgabe gemacht, dem Neuzugang die Championship auszutreiben. „In England haben viele seiner Kollegen überwiegend lange Bälle gespielt und er musste hinterherdackeln. Wenn er den Ball mal hatte, dann hat er versucht, ihn zu behalten, indem er viel gedribbelt ist. Das strahlt noch ein bisschen ab“, berichtete Nagelsmann. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Das Kombinationsspiel, welches der deutsche Rekordmeister pflegt, ist eine andere Welt. Umso überraschender ist es, dass Richards nun schon 152 Minuten Bundesliga-, 90 Minuten DFB-Pokal- und immerhin fünf Minuten Champions-League-Luft schnuppern durfte.

Richards als Gewinner unter Nagelsmann?

Richards könnte in den nächsten Wochen noch mehr Spielzeit bekommen, auch wenn Alphonso Davies nach seiner Verletzung wohl schon am Mittwoch gegen Gladbach wieder mitwirken kann. Denn es ist derzeit noch nicht bekannt, wie der FC Bayern mit Lucas Hernández planen kann, dem eine Haftstrafe droht. Zudem hat der Weltmeister Waden-Probleme.

Spätestens seit dem Wochenende weiß der Trainerstab zumindest, dass er sich auf Richards verlassen kann. Er zeigte eine ordentliche Leistung, lief 11,81 Kilometer, hatte 90 Ballkontakte und gewann 78,3 Prozent seiner Zweikämpfe. Außerdem wurde er fünfmal gefoult - Höchstwert bei den Bayern. Ohne Zweifel offenbarte Richards auch Luft nach oben, mit einer Passquote von 78,6 Prozent und kaum Akzenten nach vorne. Diese dürfte er aber auch haben, wenn man bedenkt, dass Richards erst seit Sommer auf der großen Fußball-Bühne angekommen ist.

Der Engländer könnte einer der Gewinner unter Nagelsmann werden. „Ich wusste, dass das genau der Platz ist, wo ich mich als Spieler am besten weiterentwickeln kann und mein Spiel auf das nächste Level bringen kann. Ich freue mich darauf, auf dem höchsten Level zu konkurrieren“, verriet Richards, der bereits einige Sätze im Deutschen beherrscht und fleißig mit einem Deutschlehrer übt.

Die Einstellung scheint zu stimmen.

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