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„Zielscheibe“ Hummels verdient Respekt

„Zielscheibe“ Hummels verdient Respekt

Nach dem 2:3 von Borussia Dortmund gegen den FC Bayern steht BVB-Abwehrchef Mats Hummels stark in der Kritik. Das ist in dem Maß nicht angebracht, findet SPORT1-Kolumnist Tobias Holtkamp.
Der FC Bayern hat das Topspiel des 14. Bundesliga-Spieltags mit 3:2 in Dortmund gewonnen. Im Fokus der Partie war vor allem Schiedsrichter Felix Zwayer.
Tobias Holtkamp
Tobias Holtkamp
von Tobias Holtkamp

Mats Hummels‘ Vertrag bei Borussia Dortmund läuft noch bis Sommer 2023. Der Verein hat vor der Saison eine Klausel gestrichen, nach der es erst eine gewisse Anzahl von Einsätzen gebraucht hätte, damit Hummels auch in der nächsten Saison noch für den BVB auf dem Platz steht. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Die Erklärung ist einfach: In Dortmund wissen sie sehr genau, was sie an ihrem Abwehrchef haben. Und noch weiter haben werden. Hummels ist für sie mehr als nur ein Spieler, er ist Taktgeber, im Grunde eine Art Navigationsgerät für das schwarzgelbe Spiel. Er bestimmt Aktionen Tempo, führt die Kollegen.

Als „einzigen spielenden Co-Trainer der Liga“ hat ihn ein Angestellter des BVB, selbst viele Jahre als Spieler auf dem Platz, neulich bezeichnet. Und bekam Zustimmung im Kollegenkreis. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Rummenigge stichelt zum wiederholten Mal

Dass Mats Hummels, dessen BVB kurz vor Ende der Hinrunde als Tabellenzweiter voll auf Kurs Champions League steuert, an der sie seit Jahren regelmäßig teilnehmen, zuletzt, mal wieder, wild kritisiert wird, das hat er nicht verdient. (Kolumne: Basler kritisiert Hummels)

Und das hat vielerorts tatsächlich auch weniger mit Hummels‘ Qualitäten zu tun, als viel mehr mit doch sehr simpel zu durchblickenden Psychospielchen - oder persönlichen Enttäuschungen? (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Zum wiederholten Male war es am Samstag Ex-Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge, dieses Mal als Experte bei Bild TV, der Hummels‘ Laufgeschwindigkeit öffentlich kritisierte („Das ist dem Alter geschuldet“). Schon vor Wochen stichelte Rummenigge bei Sky, dass Hummels „mit der Geschwindigkeit Probleme hat.“

Gut, dass Hummels darüber schmunzeln kann. Er zählte nie zu den schnellsten Spielern, alle Daten zeigen das. Auch nicht, als der FC Bayern vor fünf Jahren 35 Millionen Euro Ablöse für ihn bezahlte.

Hummels übernimmt Verantwortung

Hummels‘ herausragende Qualitäten waren schon damals andere. 76 Länderspiele machte er bis heute, wurde Weltmeister und sechsmal Deutscher Meister - fast immer als gesetzter Führungsspieler.

Das ist er auch jetzt, mit 32, wieder. Im Gegensatz zu vielen anderen Dortmundern schob er die knappe Niederlage im Topspiel gegen Bayern nicht auf Schiedsrichter Felix Zwayer, machte auch keine zweideutigen Bemerkungen in Richtung des Unparteiischen - sondern übernahm Verantwortung.

Er habe „sehr unglücklich den Elfer zum 2:3 verursacht“, er „hätte der Mannschaft sehr gerne geholfen“, doch „das ist mir gestern leider nicht gelungen.“

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Und dann schob Hummels den vielleicht wichtigsten Satz nach, der eben auch viel über ihn und seine Haltung erkennen lässt: „Als Sportler definiert man sich vor allem darüber, wie man auf (solche) Misserfolge reagiert! Wir sprechen uns alle sehr bald wieder.“

Punkt, jede Zustimmung und weiter so, Mats Hummels!

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp als Kolumnist die wöchentliche „Bundesliga-Kolumne“.

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