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Explodiert das Pulverfass?

Explodiert das Pulverfass Werder?

Bei Werder Bremen wird es immer ungemütlicher. Neben der sportlichen Misere steht nun auch Horst Steffen in der Kritik. Doch der Trainer bleibt gelassen.
Die Stimmung beim SV Werder Bremen ist angespannt und auch Trainer Horst Steffen muss sich so langsam den kritischen und unangenehmen Fragen stellen.
Bei Werder Bremen wird es immer ungemütlicher. Neben der sportlichen Misere steht nun auch Horst Steffen in der Kritik. Doch der Trainer bleibt gelassen.

In Bremen sorgten zuletzt Sturm Elli und Tief Gunda für ein Wetterchaos - und auch Werder bläst derzeit ein rauer Wind entgegen, der sich zeitig zu einem Orkan entwickeln könnte: Der Negativtrend der vergangenen Wochen zehrt an den Nerven, die sportliche Leitung steht nach dem peinlichen „Missverständnis“ bei Leihspielern in der Kritik, und nun nehmen auch die Diskussionen um Trainer Horst Steffen zu.

Vor dem Heimspiel am Freitag gegen Eintracht Frankfurt (20.30 Uhr im LIVETICKER) musste sich der 56-Jährige nach sechs sieglosen Bundesliga-Spielen in Folge unbequemen Fragen stellen, nachdem das Portal Deichstube am Mittwoch berichtet hatte, dass in Bremen der „Kabinen-Segen gewaltig schiefhängen“ soll, da „einzelne Spieler schon seit Längerem mit ihrer persönlichen Rolle unzufrieden“ seien. Wie zu hören sei, würde sich „die Anzahl jener Stimmen, die die Arbeit von Chefcoach Horst Steffen kritisch hinterfragen, mehren“.

Kabine verloren? Werder-Trainer Steffen wiegelt ab

Darauf angesprochen, erklärte Steffen, dass er weiter das Vertrauen des Teams in die gemeinsame Arbeit spüre. „Da bin ich voller Überzeugung“, sagte der frühere Erfolgstrainer der SV Elversberg.

Darüber hinaus widersprach er Berichten über eine angeblich zunehmend schlechte Stimmung in der Kabine. „Ich sehe die Mannschaft jeden Tag, da ist eine Stimmung in der Kabine und auf dem Trainingsplatz, die gut ist“, betonte Steffen. „Ich tausche mich aus mit den Jungs. Wir gehen zusammen da durch. Das ist die Botschaft, die hier rausgehen darf.“

Seit dem 7. November, als man mit 2:1 gegen den VfL Wolfsburg gewann, wartet der Tabellen-13. inzwischen auf einen Sieg. Seitdem folgten zwei Unentschieden und vier Niederlagen, zuletzt am Dienstag das 0:3 bei Borussia Dortmund, als Werder über weite Strecken ein gutes Auswärtsspiel ablieferte.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass zum dritten Mal in Folge kein eigener Treffer erzielt wurde. „Ich glaube, es wäre verrückt, wenn wir jetzt eine Stimmung hätten, die lustig ist, die locker ist“, räumte Steffen ein. Aber es herrsche auch die Zuversicht, „dass wir das gegen Frankfurt umdrehen können“.

Schießt sich Werder gegen Frankfurt aus der Krise?

Wenn nicht gegen die drittschlechteste Defensive der Liga, wann dann? Denn die Aufgaben in den kommenden Wochen werden nicht leichter. Im Anschluss warten Bayer Leverkusen und die TSG Hoffenheim, und nach dem Duell mit Borussia Mönchengladbach folgen der SC Freiburg sowie der FC Bayern.

Nicht auszuschließen, dass sich Werder dann Mitte Februar auf einem Abstiegsplatz wiederfinden könnte. Kein leichtes Los für Steffen, der momentan aber auch wegen fragwürdiger Personal- und Positionsentscheidungen kritisch beäugt wird.

Die Ausbootung von Leonardo Bittencourt für die Partie in Dortmund wurde im Nachgang heiß diskutiert und sorgte für großen Zündstoff. Sportlich spielt der 32-Jährige, der Bremen am Saisonende verlassen wird, zwar keine große Rolle mehr, erfreut sich in der Mannschaft als Stimmungsmacher aber größter Beliebtheit.

„Er war nicht happy“, bestätigte Steffen nach der Partie und ließ offen, ob Bittencourt gegen Frankfurt in den Kader zurückkehren wird: „Ich werde da vor dem Spieltag nicht großartig etwas dazu sagen. Das werde ich dann bekanntgeben, wenn es so weit ist.“

Wann zündet Mbangula?

Einen weiteren Brandherd schuf Steffen bei Kapitän Marco Friedl und Romano Schmid, die er zwischenzeitlich auf ungeliebten Positionen einsetzte.

Innenverteidiger Friedl musste als Linksverteidiger ran und teilte seinen Unmut auch in Interviews mit. Schmid, der sich als Achter oder Zehner sieht, kam als Rechtsaußen und im Sturm zum Einsatz. Keke Topp und Zehn-Millionen-Euro-Einkauf Samuel Mbangula, der zweitteuerste Neuzugang der Vereinsgeschichte, sollen wiederum ihre geringen Einsatzzeiten beklagen.

Von Mbangula, der im Sommer von Juventus Turin an den Osterdeich gewechselt war und nach einem guten Saisonstart zuletzt immer mehr ins Hintertreffen geriet, erwartet sich Steffen vor allem mehr Entschlossenheit.

„Was für Fähigkeiten er hat, haben wir schon ansatzweise gesehen, aber ich will es dauerhaft sehen. Das muss er konstant abrufen. Das ist der Auftrag an ihn“, betonte Steffen, der von seinem Neuzugang auch in der Rückwärtsbewegung mehr sehen will: „In der Defensive darf er auch mitarbeiten, das gilt aber für alle Offensiven.“

Transfer-Irrtum sorgt für Schlagzeilen

Apropos Neuzugänge, ein weiteres leidiges Thema dieser Tage in Bremen. Unlängst wurde bekannt, dass Werder in Sachen Leihspieler einem Irrtum aufgesessen war.

Sportchef Clemens Fritz räumte am Dienstag ein, dass die Hanseaten fälschlicherweise geglaubt hatten, keinen weiteren Spieler ausleihen zu dürfen, nachdem man im Sommer sechs Spieler auf Leihbasis verpflichtet hatte. „Es gab in diesem Punkt bei uns zuvor ein internes, kommunikatives Missverständnis, über das wir gestolpert sind“, sagte der frühere deutsche Nationalspieler der Deichstube.

Dazu bestätigte Fritz: „Es stimmt, dass wir durch einen externen Hinweis darauf aufmerksam gemacht wurden, dass weitere Ausleihen möglich sind.“ Dieser Hinweis kam von transfermarkt.de.

Zur genauen Erklärung: Die Obergrenze liegt nach den aktuellen DFL-Statuten nicht generell bei sechs Leihgeschäften, sondern nur bei nationalen Transfers. Da sich Werder jedoch in Deutschland nur bei Bayer Leverkusen bedient und Victor Boniface auf Leihbasis verpflichtet hatte, darf der viermalige deutsche Meister weitere Leihtransfers tätigen – wie am Montag geschehen, als Fritz den serbischen Stürmer Jovan Milosevic vom VfB Stuttgart auslieh.

„Ich übernehme die Verantwortung dafür. Der Vorfall ärgert uns sehr, denn das hätte so nicht passieren dürfen“, sagte der 45-Jährige über die Angelegenheit, die sich jedoch einfügt in eine Reihe von Transferpannen in der jüngeren Vergangenheit. Mit großen Erwartungen an den Osterdeich gelockt, erwiesen sich der bereits erwähnte Boniface sowie auch Naby Keita als namhafte Flops.

Transferflops Keita und Boniface

Der frühere Leipziger Keita war im Sommer 2023 vom FC Liverpool an die Weser gewechselt, fasste jedoch auch aufgrund einiger Verletzungen nie Fuß und sorgte im April 2024 für einen Eklat, als er die Fahrt zum Spiel in Leverkusen verweigerte.

Nachdem der Mittelfeldspieler im vergangenen Jahr bereits auf Leihbasis bei Ferencváros Budapest gespielt hatte, ist dieses unrühmliche Kapitel seit Mittwoch mit seinem festen Wechsel nach Ungarn und nach gerade mal 107 Bundesliga-Minuten nun endgültig beendet.

Boniface wiederum, der nach zwei Kreuzbandrissen seit Jahren mit Knieproblemen zu kämpfen hat, wird nach einer Operation wegen eines Knorpelschadens auch nicht mehr für Werder auflaufen. Nachdem die AC Mailand im vergangenen Sommer aufgrund der körperlichen Verfassung des Stürmers auf einen Transfer verzichtet hatte, ging Werder das Risiko mit dem Nigerianer ein und scheiterte krachend.

„Wir haben das als Chance gesehen, aber bei einer Chance ist natürlich auch ein gewisses Risiko dabei“, erklärte unlängst Peter Niemeyer, Leiter Profifußball bei Werder. „Am Ende muss man natürlich sagen: Wir haben uns alle mehr erhofft von dieser Leihe, das ist leider nicht so aufgegangen, wie wir uns das vorgestellt haben.“

Nach turbulenten Tagen gilt es für Werder nun, wieder das Sportliche in den Fokus zu rücken und die Abschlussschwäche in den Griff zu bekommen. „Du musst auch mal ein Tor machen, sonst wird es schwierig“, forderte Fritz nach dem Dortmund-Spiel.

Denn sollte auch gegen Frankfurt kein Erfolgserlebnis gelingen, dürfte sich der Wind an der Weser weiter auffrischen und Steffen vor ungemütlichen Zeiten stehen.