Der Aufwärtstrend von Werder Bremen fand ohne Ole Werner ein rasches Ende. Dass der Übergang zu Bundesliga-Neuling Horst Steffen nicht ganz ruckelfrei verlaufen würde, war nicht ganz überraschend. Dass der Verein im Winter 2026 aber wie ein Häufchen Fußball-Elend dastehen würde und als Kandidat auf den Abstieg gilt, dagegen schon.
In der Branche schütteln viele den Kopf | Ein Kommentar
Die Lachnummer der Bundesliga
Das Gute: Bremen kann nur noch gewinnen. Die Stimmung war im Keller, mit dem neuen Trainer Daniel Thioune keimt, wie immer, wenn irgendwo jemand Neues übernimmt, Hoffnung auf. Zumindest mal kurzzeitig. Vor Thioune hatte den Bremern Bo Svensson abgesagt, das wurde öffentlich, bevor sie dann mit Thioune konkreter wurden. Svensson schätzte die Chancen, mit Werder nach oben zu klettern, als zu gering ein.
Die Probleme im Werder-Kader
Werder hat sich, trotz der Fan-Anleihe, die im letzten Jahr 25 Millionen Euro in die Kassen spülte, stark herabgewirtschaftet. Es gab in den vergangenen Monaten viele Probleme und Fehleinschätzungen, die den Verein teuer zu stehen kommen. Fast fünf Millionen Euro investierte der Verein im Sommer 2024 in die Ablöse von Skelly Alvero, der nie zur Stammkraft und jetzt per Leihe nach Amiens (2. Liga Frankreich) abgegeben wurde.
Die Personalie Victor Boniface war nicht sehr teuer, aber ebenfalls ein einziger Reinfall. Samuel Mbangula kam für zehn Millionen Euro von Juventus Turin, sein Können blitzt ab und zu auf, aber die hohe Ausgabe, für Bremer Verhältnisse wie Harry Kane für Bayern, ist noch nicht zu erklären. Andere Neue wie Maximilian Wöber oder Cameron Puertas, die als Stammspieler eingeplant waren, sind dauerverletzt oder im Leistungsloch.
Dazu kam heraus, dass im Arbeitsvertrag von Horst Steffen, den Bremen über drei Jahre fixierte, keine branchenübliche Regelung oder Klausel zum Thema Abfindung verankert wurde. Über 28 Monate hat Horst Steffen jetzt noch Anspruch auf seine vollen Bezüge. In der Branche schütteln viele den Kopf.
Schon das Transfermarkt-Gate, als Werders Chefs von den Machern des Onlineportals in Sachen Leih-Regularien aufgeklärt wurden, sorgte bei anderen Vereinen und in Beraterkreisen für jede Menge Gesprächsstoff und Unverständnis. Hinter vorgehaltener Hand ist die Arbeit der Werder-Verantwortlichen ein Lieblingsthema. Bremen, das ist die harte Realität, ist so etwas wie die Liga-Lachnummer.
Enormer Druck auf Sportchef Clemens Fritz
Nun übernimmt Daniel Thioune, ebenfalls ohne Bundesliga-Erfahrung, auch nicht als Spieler. Als Mensch und Trainer-Typ passt er ganz sicher nach Bremen. Doch was zählt, sind nur die Punkte. Ein einziges Tor fehlte Horst Steffen am letzten Samstag gegen Mönchengladbach (1:1), sonst wäre er noch Werder-Trainer. Es gab Pfostenschüsse, Druckphasen und einige Chancen, doch abgerechnet wurde nach dem Ergebnis. Die branchentypischen Reflexe gelten längst auch an der Weser.
Der Fokus liegt jetzt klar auf Sportchef Clemens Fritz. Die Kritik am langjährigen Werder-Kapitän und der von ihm zusammengestellten Führungsriege ist groß. Mit der Trennung von Horst Steffen, von dem er im Sommer fast grenzenlos überzeugt war, hat er sich selbst noch einmal Luft verschafft. Doch sollte der Weg mit Thioune nicht nach oben führen, und auch das ist schon Thema in Bremen, wird Fritz dessen Nachfolger kaum noch bestimmen.