Es brodelt bei Werder Bremen! Nach zehn sieglosen Partien und dem Abrutschen auf Platz 15 in der Bundesligatabelle wurde Trainer Horst Steffen am Sonntagmorgen freigestellt. Die Vereinslegende Ivan Klasnic geht im Gespräch mit SPORT1 hart mit der Mannschaft ins Gericht.
Werder-Legende bietet sich und Ailton an! "Ich meine das ernst"
Werder-Legende bietet sich an
Der 46-Jährige war einerseits überrascht, dass sich Werder von Steffen nach dem 1:1 im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach getrennt hatte, aber „wenn man zehn Spiele in Folge nicht gewinnt, ist es schwierig, an einem Trainer festzuhalten“.
Horst Steffen? „Vielleicht war er zu unerfahren“
Er sei zwar ein Mensch, der anderen Personen gerne weitere Chancen gebe, dennoch war er der Meinung, dass nach dieser Negativserie „die Reißleine gezogen werden“ musste.
Mit den Gründen, weshalb Steffen an der Weser gescheitert ist, tat sich Klasnic schwer: „Vielleicht war er für die Bundesliga zu unerfahren. Er hat in der 2. Liga sehr gute Arbeit geleistet, davor muss man den Hut ziehen. Warum es jetzt nicht geklappt hat, ist schwierig zu sagen. Vielleicht hatte er nicht die Spielertypen, die für sein Spielsystem notwendig sind.“
Klasnic kritisiert die Werder-Profis
Die Werder-Legende Klasnic beobachtete vor allem große Probleme innerhalb des Teams. „Ich finde, dass es in der Mannschaft nicht stimmt. Es fehlt der Spaß am Fußball und es fehlt an Gemeinschaft. Durch die Misserfolge kommen immer wieder neue Misserfolge, sodass die Mannschaft nicht intakt ist“, wurde der Deutsche Meister 2004 deutlich.
Er könne es zwar nur von außen beobachten, aber er verfolge die Resultate sowie das Auftreten der Mannschaft. „Ich vergleiche es immer mit unserer alten Werder-Mannschaft: Wir waren eine homogene Mannschaft, die viel Spaß hatte. Wir hatten Elan und die Lust, Fußball zu spielen und die Lust, den Fans zu zeigen, dass wir der Herr im Haus und geil auf Tore sind“, sagte Klasnic.
„Wenn es mit gewissen Spielern nicht läuft, dann musst du was ändern“
Seiner Meinung nach haben die Werderaner in der laufenden Saison Spiele verloren bzw. Punkte liegen gelassen, in denen sie es eigentlich nicht hätten dürfen. Als Beispiel nannte er das Remis gegen Eintracht Frankfurt, bei dem Bremen in der Nachspielzeit das entscheidende 3:3 kassierte.
„Dort wurde in den letzten Minuten nicht so verteidigt, dass man kein Gegentor mehr bekommt. Ich sage immer, wenn es mit gewissen Spielern nicht läuft, dann musst du was ändern“, meinte die Werder-Legende.
Werder-Legende bringt sich und Ailton ins Spiel
Um das seiner Meinung nach schlechte Klima innerhalb des Teams zu verbessern, schlug Klasnic vor, dass die Mannschaft mal für ein paar Tage wegfährt und sich zusammenrauft: „Nicht nur immer Fußball spielen, sondern auch andere Aktivitäten miteinander machen, damit man das Lächeln wieder in die Mannschaft bekommt und die Stimmung besser wird.“
Zudem brachte er sich selbst und seinen ehemaligen kongenialen Sturmpartner Ailton bei Werder ins Spiel: „Die müssen mich und Toni in die Mannschaft hereinbringen, damit da wieder Stimmung ist und dann werden sie auch wieder Tore schießen.“
Der 46-Jährige betonte: „Wir wären bereit, zu helfen. Ich meine das ernst, schließlich ist Werder unser Verein und natürlich werden wir alles machen, um zu helfen. Ich bin kein Trainer, aber ich könnte gute Stimmung hereinbringen, das Lächeln bei den Spielern zurückbringen und wenn es gewünscht ist, auch den Stürmern zeigen, wo das Tor steht.“
Leihspieler-Panne: „Das darf nicht passieren“
Bei den Fans steht vor allem der Sportchef Clemens Fritz stark in der Kritik. Bereits vor dem Gladbach-Spiel wurde eine Petition gestartet mit dem Titel „Genug ist genug“. Sie verfolgt das Ziel, genügend Unterschriften zu sammeln, damit laut Vereinssatzung eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen werden kann.
Der Unmut der Anhänger bezieht sich auf die Personalentscheidungen, die Fritz getroffen hat. Zudem wussten er und Sportdirektor Peter Niemeyer nicht, dass sie mehr als sechs Leihspieler im Kader haben dürfen. Darauf machte das Portal Transfermarkt.de die Bremer aufmerksam. „Natürlich war das blöd, dass man die Leihspieler-Reglung nicht kannte. Jeder macht Fehler in seinem Leben, aber das darf eigentlich nicht passieren“, meinte Klasnic dazu.
Bezüglich der Nachfolgersuche von Horst Steffen rief er Bremens Bosse dazu auf, sich die nötige Zeit zu nehmen, um die beste Entscheidung zu treffen: „Ich denke, man sollte nicht schnell entscheiden, sondern sich alle Optionen genau anschauen.“