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FC Bayern: Manuel Neuers Entschluss betrifft auch zwei andere Klubs

Das große Problem im Fall Neuer

Manuel Neuer ist erneut verletzt und wird den Bayern in den kommenden Wochen fehlen. Der Faserriss hat unter Umständen große Folgen – nicht nur für den 39-Jährigen.
Manuel Neuer muss in der Bundesliga-Partie gegen Borussia Mönchengladbach zur Halbzeit ausgewechselt werden. Nach dem Spiel spricht Bayern-Boss Max Eberl über den FCB-Keeper und dessen Zukunft beim Rekordmeister.
Manuel Neuer ist erneut verletzt und wird den Bayern in den kommenden Wochen fehlen. Der Faserriss hat unter Umständen große Folgen – nicht nur für den 39-Jährigen.

Als der FC Bayern am Samstag mit wenigen Zeilen mitteilte, dass sich Manuel Neuer erneut verletzt habe, war der Verein merklich darum bemüht, keine hohen Wellen schlagen zu lassen. Explizit war von einem „kleinen Faserriss“ in der linken Wade die Rede. Die Botschaft: Die Verletzung ist erneut nicht dramatisch.

Im Gesamtkontext ist die Blessur aber eben doch ein Problem – und zwar nicht nur für Neuer. Schließlich steht der 39-Jährige vor einer wichtigen Entscheidung: Macht er weiter oder ist im Sommer Schluss?

Als SPORT1 Anfang November in Paris den Keeper erstmals danach fragte, wovon er seine Zukunft abhängig mache, verwies er auf seine Gesundheit. Er müsse auf die Signale seines Körpers achten. Bei dieser Marschroute blieb er bislang eisern.

FC Bayern: Neuers Körper sendet eindeutige Zeichen

Doch ginge es rein danach, sendete sein Körper in den vier Monaten danach eindeutige Zeichen. Neuer fiel dreimal jeweils wegen eines Faserrisses aus – einmal im Oberschenkel, zweimal in der Wade. SPORT1-Informationen zufolge hielt und hält man beim FC Bayern keine der drei Verletzungen für ausreichend, um Neuer grundsätzlich ins Grübeln zu bringen – doch sieht das der bald 40-Jährige genauso?

Auch er dürfte wenig Gefallen daran haben, immer wieder auszufallen. Seit Februar 2022 verpasste er 82 Spiele und fehlte zusammengezählt satte 544 Tage.

„Das macht schon was mit dir und er merkt natürlich auch, dass er vom Körper her schon gewissermaßen angeschlagen ist“, gab der langjährige BVB-Keeper Roman Weidenfeller am Sonntag im SPORT1-Doppelpass zu bedenken.

Die Hoffnung der Bayern, die eigentlich verlängern wollen: Auch die aktuelle Phase wird Neuer wegstecken.

Eberl glaubt nicht an neue Neuer-Zweifel

„Diese große Entscheidung fällt er nicht nach so einer Geschichte. Es kann ab einem gewissen Alter und in diesem Profifußball und angesichts der großartigen Leistungen von Manuel für uns eben passieren. Ich glaube nicht, dass Manu solche Dinge ins Zweifeln bringen“, sagte Sportvorstand Max Eberl nach der Partie gegen Mönchengladbach am SPORT1-Mikrofon. Man müsse das große Bild betrachten – und zwar nach der Saison.

Eine Aussage, die durchaus aufhorchen lässt – schließlich war man bislang davon ausgegangen, dass sich Neuer bis zum 27. März, seinem 40. Geburtstag, entscheiden werde. Jetzt räumt ihm Eberl deutlich mehr Zeit ein.

Aus gutem Grund: Obwohl die Münchner ihre Kaderplanung zeitnah abschließen wollen, haben sie auf der Torhüterposition keinerlei Druck. Mit Jonas Urbig, Sven Ulreich und dem an den VfB Stuttgart ausgeliehenen Alexander Nübel ist die Ausgangslage des FCB sehr komfortabel.

Für andere Klubs ist das Warten auf Neuer ein Problem

Ein Problem ist das Warten auf Neuer derweil eher für andere Klubs. Die Stuttgarter haben Dennis Seimen an den SC Paderborn ausgeliehen und rechnen aktuell mit einem Abgang Nübels. Der wiederum wird wissen wollen, was ihn – im unwahrscheinlichen Falle einer Rückkehr nach München – an der Säbener Straße erwartet.

Ein Zweikampf mit Urbig ist durchaus denkbar, ein Dreikampf inklusive Neuer völlig illusorisch – auch weil das Verhältnis zwischen der lebenden Torwart-Legende und Nübel als belastet gilt.

Bei Urbig geht SPORT1-Experte Stefan Effenberg davon aus, dass der 22-Jährige von einer Neuer-Verlängerung ausschließlich profitieren könne. „Urbig würde es auch guttun, wenn er nochmal ein Jahr verlängert, ihn weiterhin begleitet, mit dem Hintergedanken, dass Urbig dann im nächsten Jahr mehr Spielzeit bekommt“, erklärte der Ex-Bayern-Profi im Doppelpass.

Weidenfeller: Urbig scharrt mit den Hufen

Weidenfeller warf jedoch ein, dass es zu einem intensiveren Konkurrenzkampf kommen könnte: „Wenn Manu es wieder schafft, sich zurückzukämpfen, wissen wir alle, wie stark er ist. Aber es ist doch klar, dass Jonas (Urbig; Anm. d. Red.) auch mit den Hufen scharrt.“

Drei Vereine und drei Profis hängen nun von Neuers Entscheidung ab. Alle warten, weil sie es müssen.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass trotz der eigenen entspannten Situation die bayerische Führungsriege der aktuellen Nummer 1 keinen Freifahrtschein ausstellen will.

Zur Erinnerung: Im exklusiven Interview mit SPORT1 hatte Eberl Mitte Februar klargemacht, dass auch der Klub genau hinsehe: „Er muss auf Top-Niveau leistungsfähig sein. Das müsste in der kommenden Saison auch der Fall sein“.

Mit Blick auf die vielen kleinen Verletzungen in den vergangenen Monaten darf das mittlerweile bezweifelt werden.