Der FC Bayern geht als Zweiter in der Champions League in die K.o.-Runde. Einen großen Anteil am 2:1-Erfolg bei der PSV Eindhoven hatte auch Torhüter Jonas Urbig.
Kahn gerät bei Urbig ins Schwärmen: "Hält überragende Bälle“
Neuer-Erbe? Kahn legt sich fest
Im letzten Gruppenspiel bekam Urbig erneut das Vertrauen von Trainer Vincent Kompany ausgesprochen und vertrat Manuel Neuer mehr als würdig. Mit einigen spektakulären Paraden hielt er sein Team in Halbzeit eins im Spiel und wurde verdient zum Man of the Match gewählt.
Der 22-Jährige gilt als designierter Nachfolger von Manuel Neuer. Eine Rolle, die ihm einer seiner Vorgänger, Oliver Kahn, klar zutraut. „Ja, absolut“, sagte der ehemalige Bayern-Torhüter in der Sky-Sendung „Triple - der Fußballtalk“.
Urbig-Patzer gegen Augsburg? Kahn widerspricht
Wichtig sei dabei, dass Urbig bei Bayern einen Trainer habe, der ihm das volle Vertrauen schenkt: „Das ist ganz entscheidend. So war es auch bei mir mit Winnie Schäfer: Dass der Trainer sagt, er ist die Nummer eins und er kann bei mir Fehler machen, der spielt. Dann hast du die Chance – und dann musst du sie nutzen."
Eben diesen Fürsprecher scheint Urbig mit Kompany bei Bayern zu haben. Der Belgier machte deutlich, dass er seinen Torhüter in Eindhoven bewusst wieder ins Tor stellte, damit dieser seinen Patzer aus dem Spiel gegen den FC Augsburg wiedergutmachen könne.
Der 22-Jährige zahlte dieses Vertrauen zurück. Das imponierte auch Kahn sehr: „Wenn du jung bist, machst du Fehler – wie jetzt gegen Augsburg – und spielst danach, als wäre nichts gewesen. Im Gegenteil, er macht noch ein sehr gutes Spiel. Das zeigt einfach, dass er die innere Stabilität hat, auf diesem Niveau Fußball zu spielen."
Geht es nach dem mehrmaligen Welttorhüter, sei die Diskussion rund um Urbig nach dem Augsburg-Spiel ohnehin völlig falsch gewesen.
„Was mir auffällt: Schau dir doch mal die Torhüter an – viele bevorzugen es, auf der Linie zu bleiben. Warum? Du kannst wirklich auf der Linie bleiben. Ich glaube, in Augsburg beim 1:0 für Bayern köpft einer den Ball aus einem Meter ins Tor und keiner sagt was. Da sagt keiner was, weil der Torwart da auf der Linie klebt", merkte Kahn an.
Viel besser sei, wenn man sich wie Urbig verhalte, auch wenn mal ein Fehler passiert. „Jetzt kommt der Torwart raus, was immer gut ist und was die Trainer verlangen, weil das mutig ist und der Torwart damit auch Ausstrahlung zeigt, sich Respekt verschafft – und dann kriegt er den Ball nicht und wird brutal kritisiert", sagte Kahn weiter: „Das finde ich komisch. Deswegen war das für mich too much.“
Kahn spricht Torhüter-Warnung aus
Die Situation könne und sei jedem Torhüter der Welt schon passiert: „Da stimmt halt mal das Timing nicht, er hätte fausten müssen. Das sind alles so Erfahrungssachen, das kommt mit der Zeit.“
„Nur eins ist bei dem Jungen schon auffällig: In den Spielen, die er macht, hält er hier und da auch überragende Bälle, die ich so im Kopf habe“, lobte Kahn den jungen Bayern-Torhüter.
Trotz der starken Anlagen sei aber noch alles andere als sicher, dass Urbig auch wirklich den Durchbruch bei den Bayern schafft - speziell, weil die Fußstapfen von Manuel Neuer eben so groß sind.
„Die Vergangenheit zeigt allerdings – das muss man schon ansprechen –, dass egal wer nach so einer großen Ära gekommen ist, es eigentlich nie sofort geschafft hat", sagte Kahn: „Das waren immer Übergangssituationen, bis dann zwei, drei Jahre später wieder so eine neue Figur gekommen ist. Statistisch gesehen hat er es sehr schwer, aber von seinem Können her hat er es drauf.“