Finalheld für zwei Nationen

Finalheld für zwei Nationen

Lukas Nmecha schießt die deutsche U21 mit seinem Tor gegen Portugal zum EM-Titel. Der 22-Jährige erlebt damit ein kurioses Déjà-Vu.
Europameister-Party bei der deutschen U21: So wild feiern Baku, Nmecha und Co. den EM-Titel.
Europameister-Party! So wild eskaliert die U21
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Maximilian Lotz
von Maximilian Lotz
am 7. Juni

So richtig realisieren konnte Lukas Nmecha den Triumph bei der U21-EM unmittelbar nach dem Finale noch gar nicht.

"Ich glaub's immer noch nicht, aber wir haben es geschafft!", sagte der Siegtorschütze. "Kann sein, dass das Tor das schönste und wichtigste in meiner Karriere war." Aber auf jeden Fall war es nicht sein erstes entscheidendes in einem Endspiel. (EINZELKRITIK: Dorsch macht den Schweinsteiger)

Nmecha erlebte beim 1:0-Sieg gegen Portugal am Sonntagabend in Ljubljana ein kurioses Déjà-Vu.

Erst England, jetzt Deutschland: Nmecha wird erneut Finalheld

Bei der U19-EM 2017 schoss der Stürmer schon einmal sein Team zum Titel, ebenfalls gegen Portugal, ebenfalls gegen Torhüter Diogo Costa. Damals siegte seine Mannschaft durch sein Tor in der 68. Minute mit 2:1, am Sonntag gelang ihm in der 49. Minute das goldene Tor. Allerdings stand von seinen damaligen Teamkollegen am Sonntag kein einziger auf dem Feld - schließlich führte Nmecha damals nicht Deutschland, sondern England zum Titelgewinn.

Noch bis 2018 lief der gebürtige Hamburger für die Nachwuchsteams der Three Lions auf, dann überzeugte U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz Nmecha von einem Verbandswechsel. Im Moment des Sieges am Sonntag erinnerte sich Kuntz bei ProSieben an die Gespräche mit Nmechas Familie.

Kuntz erinnert an richtungsweisendes Rühreiessen

Er habe nach dem Abpfiff zu Nmecha gesagt: "Weißt du noch, wie ich bei dir daheim war und Rühreier von deinem Vater gegessen habe, um dich zu überzeugen, dass es schön ist, für Deutschland zu spielen?"

Nmecha schwärmte indes von Kuntz: "Er schafft es einfach super, die Jungs zu motivieren. Wir haben einfach Bock zu spielen. Wir sind alles sehr gute Freunde." (STIMMEN: Dorsch dankt Oma für Motivation)

Die deutsche U21-Nationalmannschaft ist Europameister. Lukas Nmecha erzielt das entscheidende Tor und äußert sich anschließend zur Teamleistung.
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Nmecha töntnach EM-Triumph: "Wir waren die Besten!"

Im März 2019 tauchte Nmechas Name erstmals überraschend im Aufgebot der deutschen U21 auf, sein Debüt feierte er ausgerechnet gegen seine zweite Heimat.

2007 wanderte Nmecha mit seinen Eltern und seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Felix nach England aus. Dort kickte er zunächst bei dem kleinen Amateurklub Wythenshawe südlich von Manchester. Nur zwei Jahre später wurden Scouts von Manchester City auf Nmecha aufmerksam.

Nmecha feiert Premier-League-Debüt unter Guardiola

Unter Pep Guardiola feierte der bullige, aber zugleich dribbelstarke Mittelstürmer, der sowohl mit rechts als auch mit links über einen starken Abschluss verfügt, am 29. April 2018 sein Premier-League-Debüt.

"Er sagte einfach: 'Zeig deine Qualität, spiele einfach und versuche, dich in der Statistik einzutragen'", offenbarte Nmecha hinterher die Worte, die ihm Guardiola mit auf den Weg gab.

Doch mehr als drei Kurzeinsätze für die Citizens sprangen bis heute nicht für ihn heraus. Stattdessen wurde Nmecha regelmäßig verliehen, etwa an die englischen Zweitligisten Preston North End und FC Middlesbrough, sowie 2019/20 auch an den VfL Wolfsburg. Nach einer torlosen Halbserie endete dieses Intermezzo in der Bundesliga jedoch vorzeitig.

Nmecha träumt von A-Nationalmannschaft

In der abgelaufenen Saison gelang ihm beim RSC Anderlecht eine starke Runde, in 41 Spielen erzielte er 21 Treffer. Trotz Vertrags bei ManCity bis 2022 ist seine Zukunft offen. Und der ein oder andere Klub dürfte bei der EM-Endrunde genau hingeschaut haben.

Mit vier Treffern wurde Nmecha Torschützenkönig des Turniers und betrieb damit erfolgreich Eigenwerbung. Schon in der Qualifikation war Nmecha mit acht Toren der beste Schütze der DFB-Junioren. (SPORT1-Kommentar: Ein Titel, der viele Probleme überdeckt)

Auch für die A-Mannschaft könnte Nmecha nach der EM unter dem neuen Bundestrainer Hansi Flick ein Thema werden. Schließlich ist er ein Spielertyp, der seit dem Rücktritt von Miroslav Klose vermisst wird.

Nmecha selbst träumt schon davon: "Hoffentlich treffen ein paar von uns bei der A-Nationalmannschaft wieder aufeinander." Und mit entscheidenden Treffern im Finale kennt sich Nmecha eh bestens aus.

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