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WM 2022: Van Gaal vor Auftakt der Niederlande angriffslustig: „Ich möchte Weltmeister werden"

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WM 2022: Van Gaal vor Auftakt der Niederlande angriffslustig: „Ich möchte Weltmeister werden"

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Van Gaal will schwarze Serie beenden

Van Gaal will schwarze Serie beenden

Nach der verpassten Weltmeisterschaft 2018 wollen die Niederländer in Katar wieder angreifen. Für Trainer Louis van Gaal ist es die nächste Abschiedstournee.
Viele Fußball-Fans in den Niederlanden gaben an, die WM in Katar gar nicht im Fernsehen verfolgen zu wollen. Bondscoach Louis van Gaal findet diese Form des Boykotts richtig.
Niklas Trettin
Niklas Trettin

Die Niederländer sind hungrig – und nehmen den WM-Titel ins Visier.

Nach dem Fiasko von 2018, als sich „Oranje“ für das Turnier in Russland völlig überraschend nicht qualifizieren konnte, ist die Sehnsucht nach einem erfolgreichen Abschneiden in Katar doppelt so groß. (DATEN: WM-Spielplan 2022)

Einmal mehr liegt die Verantwortung auf einem alten Bekannten: Louis van Gaal hat es erneut auf den Trainerposten der Elftal verschlagen. In den 15 Länderspielen seiner dritten Amtszeit als Bondscoach fuhr der 71-Jährige satte elf Siege ein und holte vier Unentschieden. Zwei Erfolge in der Nations League gegen die belgischen Nachbarn polieren die Bilanz zusätzlich auf.

Dass van Gaal, der im Frühjahr eine Krebserkrankung überstanden hat, über Comeback-Fähigkeiten verfügt, hat er bereits unter Beweis gestellt. 2012 kam der „Tulpengeneral“ nach einem bitteren EM-Aus ebenfalls zur niederländischen Nationalmannschaft zurück und führte das Team zwei Jahre später bei der WM in Brasilien auf einen beachtlichen dritten Platz.

Bei seinem neuerlichen Vorhaben hat van Gaal prominente Unterstützung an seiner Seite. Neben ihm werden mit Edgar Davids und Danny Blind zwei weitere Ikonen des niederländischen Fußballs auf der Trainerbank Platz nehmen. Und egal wie das Abenteuer in Katar endet, für van Gaal wird nach dem Turnier so oder so Schluss sein – mit Ex-Barca-Coach Ronald Koeman ist der Nachfolger schon gefunden.

De Ligt bei den Niederländern nur Ersatz?

In der Gruppe A ist die ambitionierte Elftal klar favorisiert. Gastgeber Katar, Ecuador und Senegal dürfen keine Stolpersteine sein, denn bis auf wenige Ausnahmen hat Oranje eine schlagkräftige Truppe beisammen.

Als Kapitän wird Virgil van Dijk die Niederländer auf den Rasen führen. Der Abwehrchef des FC Liverpool hat auch in der Nationalmannschaft das Sagen und ist als Mittelmann in der Dreier- respektive Fünferkette unantastbar. Van Gaal schätzt den 31-Jährigen vor allem wegen seines guten Spielaufbaus.

An der Seite von van Dijk werden Nathan Aké von Manchester City und Jurrien Timber von Ajax Amsterdam die besten Karten auf einen Stammplatz eingeräumt. Heißt auch: Für Bayern-Verteidiger Matthijs de Ligt bliebe zunächst nur die Rolle als Ersatzspieler übrig.

Denzel Dumfries (Inter Mailand) und Daley Blind (Ajax Amsterdam) sind im mittlerweile bewährten 3-4-3-System als Schienenspieler gesetzt. Bei der Europameisterschaft 2021 beeindruckte Dumfries mit einem unermüdlichen Offensivdrang, während das Hauptaugenmerk von Blind eher auf der Defensive liegt. (NEWS: Alles Wichtige zur WM)

Eine zentrale Position im Mittelfeld hat Frenkie de Jong inne. Gemeinsam mit Teun Koopmeiners von Atalanta Bergamo soll sich der Barca-Star um die Balance im niederländischen Spiel kümmern. Für Bayern-Neuzugang Ryan Gravenberch hat sich der WM-Traum dagegen zerschlagen. Er wurde nach seinen Anlaufproblemen in München von van Gaal nicht berücksichtigt.

Niederländer hoffen auf Gakpo

In der Offensive tummeln sich hochinteressante Akteure um die drei zu vergebenden Plätze.

Auf einen Shootingstar gilt es besonders zu achten: Cody Gakpo zerschießt bei der PSV Eindhoven aktuell die heimische Liga und verbucht nach 14 Spielen eine herausragende Quote von neun Treffern und zwölf Torvorlagen. Ob Schnelligkeit, Kopfballstärke, präzise Flanken oder flinke Dribblings – der 23-Jährige vereint alles.

Mit Steven Bergwijn von Ajax Amsterdam kann van Gaal auf einen weiteren pfeilschnellen Stürmer zurückgreifen, der nebenbei die nötige Torgefahr ausstrahlt. Auch der 25-Jährige erzielte in der Eredivisie bereits acht Saisontore. (DATEN: Gruppen und Tabellen der WM)

Zudem wird im Zentrum wohl der in den vergangenen Wochen verletzte Memphis Depay (FC Barcelona) gesetzt sein.

Van Gaals Geheimnis um den Elfmeter-Killer

Die größte Baustelle beklagen die Niederländer auf der Torwartposition.

Es fehlt schlichtweg ein Keeper mit Weltklasseformat. Der 39-Jährige Remko Pasveer (Ajax Amsterdam) dürfte bei der WM den Stammplatz zwischen den Pfosten einnehmen, weil er auch bei den wichtigsten Nations-League-Spielen gespielt hat.

Einen echten Tiefschlag musste demgegenüber Mark Flekken verkraften. Den Schlussmann des FC Freiburg sahen einige Experten sogar in der Startelf, letztlich blieb er aber wie Jasper Cillessen (NEC Nijmegen) ohne WM-Ticket zu Hause. Stattdessen stehen Justin Bijlow (Feyenoord Rotterdam) und Andries Noppert (SC Heerenveen) im Aufgebot – aus einem durchaus kuriosen Grund.

Van Gaal legt einen großen Wert auf mögliche Elfmeterschießen in der K.o.-Phase. Im Sommer holte der 71-Jährige mit Peter Murphy eigens für dieses Thema den ehemaligen Trainer der niederländischen Volleyballer an Bord.

„Diese Situation müssen wir jetzt trainieren, denn bis zur WM wird es wenig Vorbereitungszeit geben. Das ist ein sehr wichtiges Detail, die Elfmeter sind in großen Wettkämpfen oft entscheidend und darauf müssen wir mehr achten“, erklärte der „Tulpengeneral“ damals.

Vor dem Turnierstart in Katar wurde es geheimnisvoll. Einer der nominierten Torhüter Pasveer, Bijlow und Noppert hat sich im Spezialtraining tatsächlich als Elfmeter-Killer entpuppt. Um wen es sich dabei handelt, wollte van Gaal im Gespräch mit Voetbal International aber nicht verraten und verdeutlichte: „Die Chancen des Gegners sind größer, wenn sie wissen, wer es von den Dreien ist.“

Wie jedoch niederländische Medien übereinstimmend berichten, soll Noppert am Montag gegen Senegal zwischen den Pfosten stehen. Der Hüne, der mit einer Größe von 2,03m der größte Spieler dieser WM ist, würde dann sein Debüt für Oranje feiern.

Ob das WM-Auftakt-Spiel dafür der geeignete Zeitpunkt ist, zweifeln viele an., schließlich hat der 28-Jährige in seiner Karriere lediglich 51 Pflichtspiele bestritten. Noch haarsträubender ist der Fakt, dass lediglich bei zwei Spielen mehr als 30.000 Zuschauer anwesend waren.

Auch wenn das Al-Thumama Stadion, in dem die Begegnung am Montag stattfinden wird, mit einem Fassungsvermögen von 40.000 zu den kleineren Stadien gehört, würde die Menge an Fans für Noppert etwas völlig Neues sein, falls er tatsächlich spielen sollte. Zieht man dann noch in Betracht, dass es sein Debüt für die Elftal wäre, kann man sich wohl seine Aufregung wohl kaum vorstellen.

„Die Holländer schätze ich sehr stark ein“

Was gibt der Elftal Hoffnung? Das Torhüterproblem existiert im Prinzip schon länger. Maarten Stekelenburg hütete bei der WM 2010 den niederländischen Kasten, Cilessen war 2014 an der Reihe. Und trotzdem gelang in beiden Fällen der Einzug ins Halbfinale.

Deswegen zählt die Mannschaft von van Gaal auch dieses Jahr zum Favoritenkreis. „Frankreich, Brasilien und Argentinien müssen hier genannt werden. Und auch die Holländer schätze ich sehr stark ein“, sagte Andreas Brehme, der deutsche WM-Finaltorschütze von 1990, im SPORT1-Interview. (Exklusiv: Andreas Brehme spricht über die WM in Katar)

Zwar verfügt „Oranje“ nicht über die ganz große individuelle Qualität wie Brasilien oder Frankreich, dennoch könnte es für das Team weit gehen, wenn das Kollektiv stimmt.

Die Einstellung in der Mannschaft und im ganzen Land ist jedenfalls unmissverständlich. „Die Spieler wollen Weltmeister werden“, betonte van Gaal vor Kurzem und ergänzte: „Also setzen wir alles daran, dieses Ziel zu erreichen.“

Denn: Eine schwarze Serie soll endlich gebrochen werden. 1974, 1978 und 2010 standen die Niederländer bereits in einem WM-Endspiel – für den großen Triumph reichte es aber noch nie.