Bei der EM 2024 begeisterte Nico Williams gemeinsam mit Lamine Yamal und Spanien die Massen und sorgte insbesondere auch beim FC Bayern in Form von Transferinteresse für Aufsehen. Seitdem wurde der 23-Jährige aber immer wieder ausgebremst. Bei der WM ist der Spanier nun wieder im Kader und sprach im Marca-Interview ausführlich über seine Leidenszeit.
"Das wünsche ich nicht mal meinem schlimmsten Feind"
„Hatte ein beschissenes Jahr“
„Ich freue mich riesig, bin dankbar, hier zu sein, und bin sehr glücklich, weiter trainieren und wieder in Form kommen zu können“, antwortete der Spanier auf die Frage nach seinem Befinden. Dass er bei der Weltmeisterschaft 2026 dabei ist, war nicht immer sicher.
Verletzungen: Nico Williams über „beschissenes Jahr“
Grund waren wiederholte Verletzungen, die den Offensivkünstler immer wieder zurückwarfen. „Ich habe eine sehr schwere Zeit durchgemacht. Es waren sehr harte Monate, ein beschissenes Jahr“, machte er deutlich.
Wie schwer dieses Jahr für ihn persönlich war, unterstrich er mit der Antwort auf die Frage, ob er in dieser Zeit auch einmal geweint hätte: „Wenn es doch nur einmal gewesen wäre! Das wünsche ich nicht einmal meinem schlimmsten Feind.“
Vor zwei Jahren war noch alles anders
Spätestens bei der EM 2024 in Deutschland hatte Williams auch auf internationaler Bühne auf sich aufmerksam gemacht. Gemeinsam mit Wunderkind Yamal bildete er ein kongeniales Duo, das schließlich bis zum Titel stürmte.
Damals stand er in sechs von sieben Spielen in der Startelf, wurde lediglich im sportlich irrelevanten letzten Gruppenspiel geschont. Im Finale gegen England ebnete er mit dem zwischenzeitlichen 1:0 den Weg zum vierten EM-Pokal der Spanier.
Logisch, dass danach die Telefone sowohl bei seinem Berater als auch bei seinem Arbeitgeber Athletic Bilbao glühten. Allen voran der FC Barcelona galt lange als gewillt, die 60-Millionen-Ausstiegsklausel zu aktivieren. Aber nicht nur die Katalanen buhlten um den Spanier, an der Säbener Straße wurde der Name Nico Williams als möglicher Transfer des FC Bayern diskutiert. Die finanziellen Rahmenbedingungen konnte man schließlich jedoch nicht erfüllen.
Passiert ist seitdem diesbezüglich nichts. Der 31-malige Nationalspieler spielt nach wie vor bei seinem Jugendklub in Bilbao, gemeinsam mit seinem älteren Bruder Inaki Williams, der bei der WM für Ghana aufläuft. Beide stammen aus dem spanischen Baskenland und stehen exemplarisch für die Vereinsphilosophie der Nordspanier, nur baskische Spieler einzusetzen.
Der Zwölfte der abgelaufenen LaLiga-Saison, der künftig von Edin Terzic trainiert wird, hätte schon mehrfach die Gelegenheit gehabt, sein Aushängeschild zu barer Münze zu machen. Stattdessen, mitten in die Avancen des FC Bayern hinein, verlängerte Williams seinen Vertrag sogar bis 2035. Ein Ausrufezeichen.
Erst der Megavertrag, dann die Leidenszeit
In der abgelaufenen Saison hatte Nico Williams immer wieder mit hartnäckigen Leistenproblemen zu tun. Im Mai kam kurz vor WM-Start auch noch eine Muskelverletzung hinzu. Im Hinblick auf die zweite Weltmeisterschaft des Youngsters glich 2026 also einem permanenten Wettlauf mit der Zeit.
In LaLiga kam er zwar insgesamt auf 25 Einsätze, allerdings nur dreimal über die vollen 90 Minuten. Sechs Treffer zeugen von den Schwierigkeiten des Dribblers, der eigentlich als steter Unruheherd in der Offensive bekannt ist.
Spanien: Mit Papa Rodri und DJ Yamal zum WM-Titel?
Trotz des verkorksten Auftakts gegen Kap Verde zählt Spanien zu den heißesten Titelfavoriten bei der WM. Das 0:0, bei dem Williams in den letzten Minuten mitmischte, will er nicht zu hoch hängen.
„Es ist besser, dass es jetzt passiert und nicht erst später. Wir wissen ganz genau, was wir sind, und haben bewiesen, dass wir eine großartige Mannschaft sind. Jetzt müssen wir das auf dem Platz erneut unter Beweis stellen, und ich habe keinen Zweifel daran, dass wir das schaffen werden“, betonte er.
„La Furia Roja“ gleicht laut Williams einer Familie mit interessanter Rollenverteilung: „Rodri ist der Vater. Er ist immer da, ist eher ernst und übernimmt diese Rolle. Als kleine Brüder würde ich Gavi, Yeremy (Yeremy Pino, Anm. d. Red.) oder Lamine (Yamal) nennen. Die Mutter wäre Mikel Oyarzabal: Wenn er streng sein muss, ist er es, aber er weiß auch, wie man Zuneigung zeigt, wenn es nötig ist.“
Für die richtige Stimmung sorgt übrigens Kabinen-DJ Yamal. Die soll auch bei Williams bei diesem Turnier steigen, um die harte Zeit hinter sich zu lassen.