„Eine Fußball-WM ist ein Turnier, bei dem viele Nationalmannschaften teilnehmen, am Ende aber hauptsächlich die Europäer vertreten sind.“
WM: Europa dominiert! Späte Genugtuung für Kramer?
Späte Genugtuung für Kramer?
So oder so ähnlich könnte man Gary Linekers mittlerweile aus der Mode gekommenes Bonmot über die Deutschen, die immer gewinnen, auch auf die derzeit laufende WM übertragen.
Denn sechs von ursprünglich 16 gestarteten Teams aus dem UEFA-Verband sind im Viertelfinale dabei – und damit die absolute Mehrheit. Neben Frankreich, Spanien, Belgien, England, Norwegen und der Schweiz sind nur noch zwei weitere Nationalteams aus anderen Kontinental-Verbänden in den entscheidenden K.o.-Runden vertreten: Marokko aus Afrika und Argentinien aus Südamerika.
Von den Asiaten ist von neun gestarteten Teams kein einziges mehr dabei, und auch Teams aus Nord- und Mittelamerika sucht man im Feld der letzten Acht vergebens. Mit den drei Co-Gastgebern USA, Mexiko und Kanada schieden im Achtelfinale auch die letzten der ursprünglich gestarteten sechs Teams aus.
WM: Europäer dominieren Viertelfinale
Europa, das wurde spätestens in der K.o.-Phase wieder einmal deutlich, stellt im Vergleich doch die erfolgreichsten Mannschaften, auch wenn der Kontinentalverband von der Aufstockung von 32 auf 48 Teams für die XXL-WM proportional am wenigsten profitiert hat.
Insofern könnte man Christoph Kramer schon zustimmen, als er bereits im vergangenen Herbst feststellte: „Ich finde es krass, dass wir in Europa nur 16 Teilnehmer haben. Jetzt ist Italien vielleicht nicht dabei und Kap Verde ist dabei, oder was?“
Eine Aussage, die ihm während der WM prompt von seinem ZDF-Expertenkollegen Per Mertesacker um die Ohren gehauen wurde. Im Sechzehntelfinale hatte sich Kap Verde gerade ein denkwürdiges Duell mit Argentinien geliefert und war erst nach Verlängerung mit 2:3 ausgeschieden, als Mertesacker Kramer an dessen Aussage vom vergangenen Herbst erinnerte.
„Wann entschuldigst du dich bei Kap Verde?“, fragte der eine den anderen Weltmeister von 2014 und hinterließ zunächst einen verdutzten Kollegen. Dieser sah sich zu einer Relativierung genötigt und schränkte ein: „Ich habe nicht gesagt, dass ich sie nicht so gerne dabei gehabt hätte. Ich habe gesagt, dass ich Italien gerne dabei gehabt hätte. Das hätte ich auch weiter gerne.“
Sieht man sich das Tableau der Viertelfinalisten an, ist jedenfalls unbestritten, dass Europa der mit Abstand stärkste Kontinentalverband bei dieser WM ist.
Europäische Teams kommen langsam, aber sicher in Schwung
Diese Dominanz erarbeiteten sich die Mannschaften vom „alten Kontinent“ allerdings erst im Laufe des Turniers. Wie die BBC errechnete, haben sieben der ersten zehn europäischen Teams, die bei der WM zum Einsatz kamen, ihre Spiele nicht gewinnen können. Gegen Ende der Gruppenphase verbesserte sich die Bilanz in Spielen gegen nicht-europäische Teams dann schon auf 17 Siege, zwölf Unentschieden und sieben Niederlagen.
In der ersten K.o.-Phase scheiterten lediglich Deutschland und die Niederlande an Mannschaften, die nicht aus Europa kommen. Im Achtelfinale hieß die Bilanz in diesen Duellen dann aber 5:0 für Europa.
Ob man daraus ableiten muss, dass die UEFA-Teams automatisch mehr als nur ein Drittel aller Teilnehmer stellen sollten, sei dahingestellt. Vielleicht aber könnte sich Mertesacker jetzt bei Kramer entschuldigen.