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Handball-EM 2024: "Das ist kein Handball" - Experten-Kritik am DHB-Team

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Handball-EM 2024: "Das ist kein Handball" - Experten-Kritik am DHB-Team

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Was ist mit dem deutschen Angriff los?

Fehlende Bewegung, fehlender Mut, fehlendes Tempo: Deutschlands Angriffsleistung gegen Österreich gibt auch den Experten Rätsel auf.
Das deutsche Team um Julian Köster ließ Spielfluss im Angriff vermissen
Das deutsche Team um Julian Köster ließ Spielfluss im Angriff vermissen
© IMAGO/Sven Simon
Robin Wigger
Robin Wigger

22 Tore gegen Österreich: Die deutsche Handball-Nationalmannschaft biss sich am Samstagabend an der ÖHB-Abwehr die Zähne aus. Sie scheiterte dabei aber auch - da waren sich Experten, Spieler und Trainer einig - an sich selbst.

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„Was war denn mit unserem Angriff heute los?“, fragte Legende Stefan Kretzschmar nach dem Remis im zweiten Hauptrundenspiel gegen das EM-Überraschungsteam im Podcast Harzblut: „Haben wir irgendeine Lösung gegen die aggressive Abwehr der Österreicher gefunden? Es war in weiten Teilen ohne Sinn und Verstand.“

Schon in der Pause hatte Heiner Brand in der ARD moniert: „Was wir im Angriff zeigen, geht eigentlich gar nicht, das war sowas von schlecht.“ Auch nach dem Seitenwechsel wurde es nicht wirklich besser, sodass die Trainer-Ikone in seiner Kolumne für das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) nachlegte: „Was wir gegen Österreich gezeigt haben, das war erschreckend. Ich war überrascht und enttäuscht.“

„Unglaublich schlecht“: Angriffsleistung schockt Golla

„Wir machen das schlechteste Spiel, wenn es um Angriffseffektivität geht“, sagte DHB-Kapitän Johannes Golla in der ARD: „Das war unglaublich schlecht von uns.“

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Und Bundestrainer Alfred Gislason, in dessen enormer Mängelliste auch die ein oder andere pikante Aussage steckte, meinte: „Die Abwehr stand zwar die ganze Zeit über gut, es lag an unserem Angriff.“

23 Fehlwürfe und elf technische Fehler „ist einfach zu viel. Grausam eigentlich.“ Viel zu oft scheiterte das DHB-Team am überragenden Österreich-Keeper Constantin Möstl. Ex-Spielmacher Mimi Kraus erkannte bei Harzblut: „Der Angriff ist unser Problem.“

Hens erkennt „Angsthasenhandball“

Neben fehlender Konzentration, die Gislason monierte, bzw. fehlender Konsequenz im Abschluss (Golla), war eine große Problemstelle, dass das deutsche Angriffsspiel zu statisch und ausrechenbar war und häufig der Mut zu fehlen schien.

„Das zentrale Problem ist unsere grundsätzliche Ausrichtung im Angriff: keine Dynamik, keine schnellen Pässe, keine Bewegung ohne Ball“, meinte Brand: „Das sind Dinge, die automatisiert sein müssten.“ Schon im ersten Hauptrundenspiel gegen Island (26:24) hatte sich das DHB-Team schwergetan.

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„Ich glaube, dass wir ein bisschen Angsthasenhandball spielen“, sagte der ehemalige Nationalspieler Pascal Hens, der vermutete, dass er mit dieser Aussage „wieder eine Riesenschlagzeile“ provoziere – nachdem zuletzt die Experten-Kritik an Juri Knorr aus dem Podcast für Aufsehen gesorgt hatte.

Was Hens damit meinte? „Wir trauen uns nicht, richtig Tempo hinten raus zu machen. Auch wenn wir die Jungs dafür haben. Wir nehmen zu oft das Tempo raus. Das reicht einfach nicht. Wir brauchen einfache Tore.“ Der ehemalige Rückraumspieler nannte dabei unter anderem Julian Köster, der das Zeug dazu habe, mehr Tempo zu machen.

Nach dem glücklichen Remis der deutschen Handball-Nationalmannschaft gegen Österreich geht DHB-Trainer Alfred Gislason mit seinem Team hart ins Gericht.
01:04
Klare Gislason-Kritik! "Müssen uns alle zusammenreißen" | Handball-EM

Experten-Kritik an DHB-Team: „Das ist kein Handball“

Die zahlreichen Paraden von Andreas Wolff müsse das deutsche Team besser nutzen, um schnellere Abschlüsse zu erzielen.

Kretzschmar, der grundsätzlich ein „konfuses Angriffsspiel“ erkannte, stimmte ihm zu: „Wir haben nicht das Selbstvertrauen und den Mut und die Muße, Tempo spielen zu wollen. Es gibt offensichtlich gerade kein großes Zutrauen.“

Hens vermutete: „Es ist häufig so: Man hat das Gefühl, es wird nach Schema F gespielt. Es gibt vielleicht irgendwelche Sachen, die angesagt werden. Und dann verharrst du aber auf deiner Position. Das ist kein Handball.“

Mit der Leistung wird‘s auch gegen Ungarn schwer

Und Gislason meinte: „Wir haben oft Schwierigkeiten, uns nach vorne zu arbeiten, weil sich niemand richtig anbietet.“ Wolff fehlte es nach Paraden immer wieder an Anspielstationen, um den schnellen Gegenangriff einzuleiten.

Spielmacher Knorr, bisher in jeder Partie Deutschlands bester Werfer und gegen Österreich trotz Erkältung mit guter Leistung, sah zwar ein, „dass wir besser spielen können“. Aber Knorr befand auch: „Wir wissen aber auch, dass wir gut gespielt haben.“

Der Plan für das nächste Endspiel gegen Ungarn am Montag (ab 20.30 Uhr im LIVETICKER)? „Etwas mehr Tore werfen als 22″, sagte Wolff. Doch Gislason warnte: „Wenn wir im Angriff so weiterspielen, werden wir gegen Ungarn nicht gewinnen.“

Damit dürfte Gislason sowas von recht haben.