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Handball-EM 2024: "Hat sich ins Loch eingegraben" - Dilemma um Juri Knorr

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Handball-EM 2024: "Hat sich ins Loch eingegraben" - Dilemma um Juri Knorr

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Das Knorr-Dilemma

Juri Knorr spielt ein gutes Turnier für die deutsche Handball-Nationalmannschaft. Doch sein eigener Anspruch und Druck von außen machen ihm zu schaffen.
Nachdem DHB-Star Juri Knorr sich nach dem verlorenen EM-Halbfinale selbstkritisch äußerte, nimmt ihn Bundestrainer Alfred Gislason in Schutz.
Robin Wigger
Robin Wigger

Mit der erhofften Medaille wurde es zwar nichts, eine persönliche Auszeichnung erhielt Juri Knorr aber zumindest – vor dem Spiel. Der deutsche Spielmacher wurde ins All-Star-Team der EM gewählt.

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„Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich mich nicht über so eine Auszeichnung freue. Aber die Freude wäre größer, wenn ich nicht so einen Schokotaler, oder was auch immer das ist, in der Hand halten würde, sondern eine Medaille“, sagte Knorr in der Mixed Zone nach dem 31:34 im Bronze-Match gegen Schweden.

Der 23-Jährige spielte ein gutes Turnier für Deutschland, war meist bester Werfer, erlebte aber wechselhafte Final-Tage mit bisweilen rätselhaften Auftritten auf und neben dem Feld. „So eine Auszeichnung ist gut, aber ich habe ja trotzdem im Halbfinale und Finale nicht gezeigt, dass ich gut genug bin über 60 Minuten“, erklärte Knorr selbstkritisch.

Bronze-Spiel: Knorr „wollte zu viel, zu schnell“

Er wolle sich „ja gar nicht zu sehr unter Druck setzten, will mich gar nicht so sehr sportlich kritisieren, sondern eher von meiner Einstellung her. Ich will diese Momente genießen, locker bleiben und dann einfach gut Handball spielen. Ich möchte einfach mehr Spaß haben auf der Platte und dann auch diese großen Spiele gewinnen.“

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Knorr schloss: „Das habe ich einfach nicht ganz geschafft und da hilft mir so eine Auszeichnung auch wenig.“

Im Spiel um Platz 3 hatte Knorr vor der Pause große Probleme, verwarf jeden seiner vier Versuche, leistete sich ungewöhnliche Fehler und wirkte nicht wie er selbst. Nach dem Seitenwechsel zeigte sich Knorr wieder von einer deutlichen besseren Seite und war mitentscheidend für die Aufholjagd, die das DHB-Team von sechs Toren Rückstand auf bis -1 zurückbrachte.

„Aus meiner Sicht wollte Juri zu viel zu schnell. In der ersten Halbzeit kam er dann nicht ins Spiel, hat sich selbst ein bisschen ins Loch eingegraben“, sagte Alfred Gislason auf SPORT1-Nachfrage.

Knorrs übertriebene Selbstkritik

Der Bundestrainer betonte anschließend, dass nach der Pause und Philipp Webers guter erster Hälfte „Juri auch kommen musste, ehrlich gesagt. Gegen Schweden brauchte ich auch dringend jemanden, der auf 5 decken kann und das kann Philipp Weber nicht, und Lichtlein auch nicht.“

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Daher habe Gislason gehofft, „dass Juri dann besser reinkommt und auch gut in der Abwehr steht. Die zweite Welle nach vorne läuft. Das hat er auch alles gut gemacht und eine insgesamt gute zweite Halbzeit gespielt.“

Im Halbfinale gegen Dänemark war es andersrum, als Knorr nach einer „überragenden“ (Gislason) ersten Hälfte nach der Pause etwas hinter den Erwartungen zurückblieb.

Der insgesamt ordentliche Auftritt rechtfertigte kaum die Selbstkritik, die Knorr sowohl nach dem Spiel in der Mixed Zone als auch am Folgetag bei einem Medientermin über sich ergoss – und die auch bei ARD-Kommentator Florian Naß („Er soll bitte nicht übertreiben“) für etwas Verwunderung sorgte.

Knorr: „Ich mache mir selbst Vorwürfe“

Er wolle in einem der „größten Spiele“ seiner Karriere „nicht so verlieren, dass ich nach dem Spiel das Gefühl habe, nicht alles, alles rausgehauen zu haben“, hatte Knorr in der ARD nach dem Halbfinale erklärt.

Der Mittelmann der Rhein-Neckar Löwen, das betonte er, bezog sich dabei nur auf sich. Auch vor den Reportern in der Mixed Zone klagte sich Knorr an: Er fühle sich „einfach gerade extrem leer“, berichtete er: „Ich mache mir selbst Vorwürfe.“

Nach der deutschen Halbfinal-Niederlage bei der Handball-EM gegen Dänemark zeigt sich Juri Knorr am Boden zerstört - und erklärt, warum er sich selbst große Vorwürfe macht.
02:14
Juri Knorr nach EM-Halbfinale am Boden zerstört! "Mache mir selbst Vorwürfe"

Einen Tag später betonte er: „Ich habe mich ein bisschen von der Angst vor der Größe des Moments lähmen lassen. Das will ich nicht nochmal, das ist es nicht wert.“ Er wolle „nicht so ein Sportler sein“, ergänzte er, „der zufrieden ist, wenn er das Halbfinale erreicht.“

Geht Knorr zu hart mit sich ins Gericht, schadet gar sich selbst?

Knorr froh, kein Fußballer bei Bayern zu sein

„Es ist natürlich seit zwei Jahren so, dass er unwahrscheinlich viel im Rampenlicht ist und natürlich ziemlich viel Druck von der Öffentlichkeit bekommt“, sagte Gislason: „Wenn er dann nicht ganz so gut spielt, dann kritisiert er sich selbst.“

Der junge Ausnahmespieler war bei der Heim-EM noch stärker als bislang persönlich in den Fokus gerückt. Er bekam den Druck des Großereignisses zu spüren, auch durch zeitweise geäußerte Kritik von Szenegrößen wie Stefan Kretzschmar und Heiner Brand - der Weltmeister-Trainer hatte Knorr unter anderem attestiert, dass sein Spiel mannschaftsdienlicher sein könnte.

Knorr zeigte sich getroffen, auch von medialer Kritik. Als nachdenklich und selbstkritisch schon zuvor bekannt, nun zeigte sich noch deutlicher, dass die zahlreichen Eindrücke nicht spurlos an ihm vorüber gegangen sind.

„Es war schon extrem viel und nochmal eine neue, heftige Erfahrung“, gestand der Spielmacher. Er zog einen Vergleich zum Fußball: „Ich bin schon dankbar, dass ich kein Fußballspieler vom FC Bayern München bin, der das tagtäglich das ganze Jahr hat.“

Knorr? „Retter der Nation - das ist er nicht“

Gislason hatte mit Knorr nach dem Dänemark-Spiel ein Gespräch geführt: „Ich habe ihm gesagt, dass ich das nicht so schlimm wie er gesehen habe, weil er auch Fehler machen darf. Er will natürlich wirklich was erreichen mit uns oder für uns.“

Knorr müsse sich „eingestehen, dass er auch schlechte Tage haben kann und er wie Köster und Steinert und Golla unglaublich viel gespielt hat die ganze Zeit“.

Gislason berichtete: „Juri kam zu mir und wollte sich entschuldigen. Er wird dieses Jahr erst 24, aber alle sehen ihn schon als Retter der Nation. Das ist er nicht.“

Knorr sei „ein super Spieler, der immer besser und besser wird, aber er macht sich selber zu viel Druck. Das kommt auch von außen, und er will dann zu schnell zu viel. Juri weiß, was ich von ihm halte.“

Knorrs simpel klingendes Rezept, um mehr Spaß zu haben und die Momente zu genießen? „Besser werden! Einfach besser werden.“