Genau zur richtigen Zeit ist Deutschland-Star Juri Knorr endlich bei der Handball-EM angekommen. Der 25-Jährige war der überragende Mann beim 38:34-Sieg im Gruppenfinale gegen Frankreich.
Handball-EM: Ein Detail begeistert bei der Knorr-Gala besonders
Knorr mit begeisternder Gala
Mit starken zehn Treffern war Knorr der entscheidende Spieler für den Einzug ins Halbfinale und wurde folgerichtig auch nach dem Spiel zum Man of the Match gewählt.
„Juri macht das beste Spiel des Turniers - und das genau im richtigen Moment“, lobte auch Handball-Legende und Dyn-Experte Stefan Kretzschmar.
„Ich habe gehofft, dass es noch in diesem Turnier klappt und bin glücklich, dass es geklappt hat“, zeigte sich Knorr, der zuvor eher ein Turnier zum Vergessen erlebt hatte, nach dem Spiel im ZDF erleichtert.
Handball-EM: Knorr spielt lange perfekt
Speziell bis kurz nach der Pause agierte Knorr perfekt. Seine ersten zehn Würfe verwandelte er alle im Tor.
Von Torhüter Andreas Wolff bekam er deshalb ein Sonderlob: „Juri hat heute genau das Spiel gezeigt, was wir uns alle erhofft haben, dass er es zeigen würde. Er hat fantastisch gespielt, ich glaube, er hatte bei seinen ersten zehn Würfen zehnmal Erfolg und hat das Spiel geleitet.“
„Wir wussten, dass er noch kommt. Er ist Weltklasse. Er hat uns heute zum Sieg getragen und war unglaublich”, lobte ihn auch der zweite deutsche Torhüter David Späth: „Das zeigt, was für ein Leader er ist. Egal, was von außen einprasselt, wir wissen, was wir an ihm haben. Er ist ein überragender Spieler.“
Für Begeisterung sorgte die Leistung auch beim ehemaligen Nationalspieler und Dyn-Experten Mimi Kraus, der nach dem Spiel ein kleines Ständchen zu Ehren des Spielmachers sang: „Ich habe ein Lied geschrieben! Wenn wir dich gebraucht haben, wenn wir einsam waren. Juri, du warst immer für uns da.“
Mutige Knorr-Entscheidung bringt den Sieg
Seine Fabelleistung konnte der Spielmacher nicht ganz bis ans Ende halten. Bis zur 35. Minute traf er alles, danach dann aber keinen seiner vier weiteren Würfe.
Knapp zehn Minuten vor dem Ende zog Knorr dann selbst die Reißleine: Er zeigte zur Bank an, dass er mit den Kräften am Ende sei und ausgewechselt werden müsse.
„Ich bin müde geworden. Wir haben so ein super Team”, erklärte Knorr seine Selbstauswechslung nach dem Spiel: „Mir sind einfach ein bisschen die Körner ausgegangen.“
Die selbstlose Entscheidung, nicht zu überdrehen und für den Teamerfolg auf Einsatzzeit zu verzichten, zahlte sich voll aus.
Knorr-Verhalten sorgt für Begeisterung
Dieses Verhalten lobte nach dem Spiel auch ZDF-Experte Sven-Sören Christophersen: „Die Art und Weise, wie er am Ende signalisiert: ‘Ich vertraue meinen Mannschaftskameraden: Ich drücke mich gar nicht um die Verantwortung. Aber ich habe gerade das Gefühl, dass derjenige richtig an Ort und Stelle ist.‘ Das spricht für die sehr, sehr gute Gruppe.“
Es war nicht das erste Mal im Turnier, dass Knorr als Teamplayer auffiel. Nach dem Sieg gegen Norwegen hatte er betont, dass sein Ersatzmann Nils Lichtlein mehr Einsatzminuten verdient gehabt hätte.
Knorr erlebte bisher Turnier zum Vergessen
Vor dem Hauptrundenfinale gegen Frankreich hatte Knorr nur 17 Tore bei 38 Abschlüssen erzielt. Zusätzlich wirkte er auch als Spielmacher nicht immer glücklich, leistete sich immer wieder technische Fehler und verunglückte Zuspiele.
Das habe ihn auch selbst sehr beschäftigt, gab Knorr nach dem Spiel gegen Frankreich zu: „Die letzten Tage waren schon nicht so einfach, das war schon schwer. Ich habe viel gegrübelt.“
„Im Endeffekt ist es Sport. Auch heute: Die Aktionen, die Würfe, die ich am Anfang nehme, sind vielleicht nicht viel besser als die letzten Spiele – und dann gehen sie auf einmal rein", sagte Knorr weiter: „Dann kommst du in deinen Rhythmus. Dann muss man dranbleiben. So ist es im Sport, so ist es im Leben. Man muss einfach weitermachen, alles geht auch wieder vorbei – egal, ob es im Erfolg ist oder in der Niederlage."
Gislason stellte sich schützend vor Knorr
Bundestrainer Alfred Gislason hatte sich auch wegen der teils harschen Kritik schon vor dem Frankreich-Spiel vor seinen Star gestellt. „Er ist ein Teil von diesem Team und hat auch super Leistungen gebracht in den letzten Jahren“, sagte Gislason und kritisierte anschließend: „Die Presse war immer hinter ihm her und hat ihn unter Druck gesetzt.“
Nach der Knorr-Gala fand er erneut lobende Worte für seinen Spielmacher: „Er hat nicht nur gut gespielt, er hat ein großartiges Spiel gespielt und die Mannschaft eine Weile getragen. Da freue ich mich riesig für ihn, weil er immer ein bisschen Wurfpech hatte, gerade gegen Dänemark.“
„Das heutige Spiel war wirklich phänomenal von ihm. Ich glaube, er hat die ersten neun alle untergebracht. Die Franzosen hatten riesige Probleme mit ihm, seiner Schnelligkeit und seinen großartigen Würfen“, sagte Gislason weiter.
Mit Knorr in dieser Form darf Deutschland sogar von der Goldmedaille träumen.