Alfred Gislason steht immer wieder in der Kritik. Auch nach der überraschenden Niederlage der deutschen Nationalmannschaft gegen Serbien wurde der Bundestrainer von mehreren Seiten attackiert. Ex-Nationalspieler Christian Zeitz kann das überhaupt nicht nachvollziehen und stellt sich in einem emotionalen Schreiben nun vor den Isländer.
Handball-EM: Legende schießt gegen Gislason-Kritiker
Handball-Legende lässt Dampf ab
„Sofort werden ‚Bundestrainer raus!‘-Rufe laut und die gesamte Arbeit von Alfred Gislason sowie die Platzierungen der letzten Jahre werden radikal infrage gestellt“, wurde Zeitz in einem Post auf LinkedIn deutlich. „Es ist jedoch fachlich gewagt, die Leistung einer ganzen Ära an einem einzigen Vorrundenspiel festzumachen. Wer den Sport versteht, weiß, dass man ein Turnier erst zu Ende spielen sollte.“
Meinungsfreiheit sei ein hohes Gut, schrieb Zeitz weiter, „doch im Profisport klafft oft eine Lücke zwischen Meinung und Ahnung. Wer selbst nie bei einer EM oder WM auf der Platte stand, unterschätzt die psychologische Dynamik“. Der 45-Jährige absolvierte einst selbst 166 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft, wurde 2004 Europameister und 2007 Weltmeister.
Handball-EM: Deutschland zeigt richtige Reaktion
„Dass ein Spiel zwei gänzlich unterschiedliche Halbzeiten haben kann, ist kein Zeichen von Unvermögen, sondern eine Realität, die jeder Sportler – vom Amateur bis zum Profi – schon am eigenen Leib erfahren hat“, bezog sich Zeitz auf Deutschlands Vorrunden-Pleite gegen Serbien am vergangenen Samstag. Zur Pause führte das DHB-Team noch klar mit 17:13, verlor am Ende aber mit 27:30.
Zum Abschluss seines Rundumschlags nahm Zeitz auch die sozialen Medien und die „Influencer“ ins Visier. „Viele springen ohne tieferen Bezug zum Handball auf den Trendzug auf, nur um ihren Kanal zu bespielen“, betonte er. „Heute ist es Handball, morgen eine andere Sportart – Hauptsache, die Follower-Zahlen und Likes stimmen.“ An wen genau diese Sätze adressiert waren, teilte er nicht mit.
Zuvor hatte auch schon Handball-Legende Heiner Brand Gislason im SPORT1-Interview verteidigt.
Die deutsche Nationalmannschaft ließ sich von den Unruhen um Gislason derweil nicht aus der Ruhe bringen. Nach der Niederlage gegen Serbien folgte ein Sieg gegen Spanien und zum Auftakt der Hauptrunde der wichtige Erfolg gegen Portugal. Somit ist der Einzug ins Halbfinale nach wie vor in Reichweite.