Wagner: Schweiz "ist keine Flucht"

Wagner: Schweiz "ist keine Flucht"

David Wagner beginnt ein neues Kapitel in der Schweiz. Bei SPORT1 spricht der 49-Jährige über die Bundesliga, Adi Hütter und seine Verbindung zu André Breitenreiter.
null
David Wagner arbeitete in der vergangenen Saison beim FC Schalke 04
© Imago
Reinhard Franke
von R. Franke
am 16. Juni

Neun Monate ist es jetzt her, da wurde David Wagner beim FC Schalke beurlaubt. Seit vergangener Woche hat er wieder einen Job.

Jetzt spricht Wagner erstmals über seinen neuen Job.

"In den zurückliegenden neun Monaten gab es für mich einige Optionen, aber für mich war klar, dass ich frühestens zur neuen Saison wieder etwas machen will. Und ich wollte etwas machen, bei dem ich das Gefühl habe, dass ich auf Leute treffe, die gute Arbeit geleistet haben und die verlässlich sind", sagt er im Gespräch mit SPORT1.

"Es waren überzeugende Gespräche. Am Ende habe ich zugesagt mit der Aussicht, dort Titel zu gewinnen und in Europa zu spielen und an einem wunderbaren Ort zu leben." Der Klub wurde in er vergangenen Saison zum vierten Mal in Folge Schweizer Meister und nimmt an der Qualifikation zur Champions League teil.  

Wagner: "Deshalb wollte ich das unbedingt machen"

Es war "die ganze Kombination", die für ihn gepasst habe. "Der Klub ist stabil, da ist etwas zusammengewachsen, seitdem Christoph Spycher (Sportdirektor Young Boys, d. Red.) da ist. Und deshalb wollte ich das unbedingt machen."

Als die Idee Bern entwickelt wurde, wollte er "sofort mit den Leuten reden".

Ist es nach dem Intermezzo mit Schalke nicht auch eine Flucht aus Deutschland? "Das ist es nicht", betont Wagner.

Wagner: Keine Flucht aus Deutschland

"Ich habe zum Glück die Freiheit, das zu machen, von dem ich denke, dass es gut werden kann. Es war nicht mein Ziel, ein neues Land kennenzulernen nach England und Deutschland. Aber ich denke anders darüber, wenn ich merke, dass die Konstellation so ist, dass das Spaß machen und erfolgreich sein kann."

Und weiter: "Dann scheue ich mich auch nicht davor, etwas ganz Neues zu machen. Es ist eine extrem spannende Herausforderung. Ich habe ein sehr gutes Gefühl."

Angst vor den großen Fußstapfen seiner Vorgänger hat Wagner nicht. "Gerardo Seoane und Adi Hütter waren in Bern erfolgreich, haben herausragend gute Arbeit geleistet. Aber gerade das macht den Reiz aus, dabei mitzuhelfen, dass das fortgeführt wird. Wir wollen uns verbessern."

Fußball-Bundesligist Bayer Leverkusen hat den Schweizer Gerardo Seoane als Cheftrainer für die neue Saison verpflichtet.
01:39
Das erwartet die Leverkusen von Seoane

Zwei Ex-Schalker in der Schweiz

In Andre Breitenreiter übernimmt übrigens ein weiterer ehemaliger Schalke-Trainer in der Schweiz. Der 47-Jährige, der in der Saison 2015/2016 die Königsblauen trainierte, wird ab dem 1. Juli Cheftrainer vom FC Zürich.

"Ich kenne André ein wenig, er hat mich mal in Huddersfield auf einen Kaffee besucht, da war er ohne Job. Aber wir wussten nicht, dass der andere in der Schweiz beginnt. Wie es die Zufälle so wollen", meint Wagner.

Was will er anders machen als auf Schalke? "Es gibt nicht den einen Punkt, der anders laufen muss. Ich lerne jeden Tag dazu, kann mich anpassen und am Ende geht es darum, dafür zu sorgen, dass die Young Boys so erfolgreich abschneiden wie in der Vergangenheit. Das wird schwer genug."

Wagner kehrt der Bundesliga wieder den Rücken

Bevor Wagner zu S04 kam, war sein großer Wunsch, Bundesligatrainer zu werden. Nun versucht er wieder im Ausland sein Glück. Damit hat er kein Problem.

Fußball sei für ihn schließlich "international". Bevor er nach England ging, hatte er die zweitklassige Championship "gar nicht auf dem Schirm", verrät er. "Das sollte kein Hinderungsgrund sein, wenn du die Überzeugung hast, dass es ein Klub ist, bei dem du arbeiten willst und du dich wohlfühlen kannst."

Wagner schaut mit großer Vorfreude auf seine neue Aufgabe, denn er wisse, "dass die nächste Saison super interessant sein wird, weil alle Traditionsvereine in dieser Liga spielen werden".

Eine Bundesliga-Rückkehr ist nicht seine Intention. Er mache den Job nicht, um irgendwann wieder in der Bundesliga arbeiten zu können.

"Wenn ich viele Jahre in Bern bleiben kann und erfolgreich bin, wir alle Spaß haben, dann bin ich ein zufriedener Mensch. Meine Zufriedenheit steht und fällt nicht mehr damit, ob ich noch mal Bundesligatrainer sein werde oder nicht."