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Das Bayern-Juwel, das fast vergessen wurde

Die Wanner-Wende

Paul Wanner ist zurück auf der Erfolgsspur. Nach einem schwierigen Start bei PSV Eindhoven glänzt das ehemalige FCB-Talent in neuer Rolle.
Paul Wanner steht kurz vor einem Wechsel zur PSV Eindhoven. Bayerns Sportvorstand Max Eberl lässt Kritik am 19-Jährigen durchblicken.
Paul Wanner ist zurück auf der Erfolgsspur. Nach einem schwierigen Start bei PSV Eindhoven glänzt das ehemalige FCB-Talent in neuer Rolle.

Lange Zeit war er Stammgast auf der Bank, jetzt gelingt ihm der Durchbruch in den Niederlanden: Paul Wanner ist wieder da und kaum mehr wegzudenken.

Mit 16 Jahren und 15 Tagen debütierte Wanner im Januar 2022 für den FC Bayern München und wurde damit nicht nur zum jüngsten FCB-Profi der Geschichte, sondern untermauerte seinen Status als eine der größten Hoffnungen im deutschen Fußball.

Tauziehen um Wanner, Wechsel von Bayern nach Eindhoven

Über Leihstationen bei der SV Elversberg (sechs Tore, drei Vorlagen) und beim 1. FC Heidenheim (sechs Tore, vier Vorlagen) entwickelte sich Wanner in den folgenden Jahren stetig weiter und weckte große Begehrlichkeiten.

So soll im November 2024 ein „Tauziehen“ zwischen der österreichischen und deutschen Nationalmannschaft stattgefunden haben, in dessen Folge der Youngster sogar eine Nominierung von Bundestrainer Julian Nagelsmann ausgeschlagen habe.

Vom FC Bayern nach Eindhoven: Deutliche Eberl-Worte zu Wanner

Im vergangenen Sommer schlug Wanner jedoch ein neues Kapitel seiner Karriere auf und entschied sich trotz des dünn besetzten Bayern-Kaders gegen einen Verbleib in München. Für 15 Millionen Euro wechselte Wanner zu PSV Eindhoven, in die als Entwicklungsliga bekannte niederländische Eredivisie.

Sportvorstand Max Eberl setzte folglich zu einem kleinen Seitenhieb an und erklärte: „Wir wollen an Spieler glauben und mit Spielern arbeiten, die Bock darauf haben, Bayern München-Spieler zu werden. Und da gehören halt Schritte dazu. Und da gehört auch Mut dazu.“

Paul Wanner: Wie ein Ausnahmetalent beinahe vergessen wurde

Bei der PSV erlebte Wanner einen bitteren Einstand. Kurz vor seinem Wechsel zog sich Wanner eine Bänderverletzung im linken Sprunggelenk zu und verpasste durch eine wochenlange Zwangspause die Chance, sich in der Saisonvorbereitung zu beweisen.

Der erhoffte Durchbruch des inzwischen 20-Jährigen ließ anschließend lange auf sich warten. Bis Ende November sammelte Wanner nur einen Startelfeinsatz sowie drei Kurzeinsätze in der Liga und war auch in der Champions League meist außen vor.

Während sich jüngere Talente wie Said El Mala, Lennart Karl oder Assan Ouédraogo in den Fokus spielten, rückte die Personalie Wanner in den Hintergrund. Auch U21-Nationaltrainer Antonio Di Salvo verzichtete im November auf eine Nominierung von Wanner für die Spiele in der EM-Qualifikation.

PSV-Coach Peter Bosz war längst mit einem großen Problem konfrontiert. Die Karriere eines vielversprechenden Talents, für das man im Sommer viel Geld bezahlt hatte, war ins Stocken geraten. So musste der Niederländer im Gespräch mit dem Sender NOS feststellen: „Es läuft sicherlich langsamer, als er gehofft hatte.“

Dennoch lobte Bosz auch Wanners Willen, sich zu verbessern, und stellte heraus, dass man einem jungen Spieler nach einem Wechsel Zeit geben müsse. Ihm sei nur wichtig, dass alle Spieler „das Gefühl haben, dass sie die Aussicht haben, irgendwann in die Stammelf zu kommen.“

Trendwende bei PSV! Wanner wird zum Schlüsselspieler

Dieser Moment scheint für Wanner nun endlich gekommen zu sein. Nach monatelangem Ausharren auf der Bank rückte das Toptalent in den vergangenen Wochen zum Stammspieler auf und ist nun nicht mehr aus der Startformation wegzudenken.

Nach fünf Ligaspielen ohne Einsatz kehrte Wanner am 30. November gegen den FC Volendam in die Startelf zurück. Seither wurde der Youngster nur einmal nicht eingesetzt und stand in jedem anderen Spiel in der Startelf, darunter auch in der Champions League gegen Atlético Madrid.

Dabei glänzte Wanner in etwas zurückgezogener Rolle als zentraler Mittelfeldspieler und feierte am 16. Dezember seine Torprämiere im Pokalspiel gegen den Drittligisten GVVV Veenendaal. „Ich fühle mich wohl und merke, dass ich auf diesem Niveau ankomme“, sagte Wanner nach der Partie. Und es sollte tatsächlich nur ein erstes Ausrufezeichen sein, an das Wanner in den vergangenen Wochen anknüpfte.

Nach der Winterpause war Wanner unter Bosz weiter gesetzt und traf direkt im ersten Spiel gegen Excelsior Rotterdam. „Paul Wanner präsentierte sich bei PSV in hervorragender Form und entwickelte sich zusammen mit Joey Veerman zu einer der treibenden Kräfte des Teams“, schwärmte Eindhoven Dagblad, während das Magazin Voetbal International Wanner sogar zum Spieler des 18. Spieltags krönte.

Trainer Bosz lobte anschließend auch die Anpassungsfähigkeit von Wanner in seiner neuen Rolle und erklärte: „Als Sech­ser muss man abso­lute Sicher­heit aus­strah­len. Man darf dort so gut wie nie den Ball ver­lie­ren. Am besten nie. Er hat einen fan­ta­sti­schen Job gemacht.“

Wanner sogar „Star of the Match“

An diesem Samstag war Wanner abermals der entscheidende Mann und leitete durch sein Tor in der achten Minute den 2:1-Sieg gegen Fortuna Sittard ein. „PSV schießt dank eines Treffers von Paul Wanner erneut aus den Startlöchern“, vermeldete der niederländische Ableger von ESPN. Auch PSV schrieb via X: „Nur 20 Jahre alt, Paul Wanner“, nachdem er zum „Star of the Match“ ernannt wurde.

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Vom Megatalent beim FC Bayern, zum Bankdrücker bei PSV Eindhoven, zum Stammspieler in neuer Rolle. Die vergangenen Monate glichen bei Wanner einer Berg- und Talfahrt, die nun wieder einen Höhepunkt erreicht hat.

FC Bayern hat Rückkaufoption für Wanner

Sowohl bei PSV als auch beim FCB war man sich allerdings wohl bewusst, wie viel Potenzial in Wanner steckt. In Eindhoven steht der Youngster bis 2030 unter Vertrag, während sich der deutsche Rekordmeister eine Rückkaufoption in nicht bekannter Höhe gesichert hat.

Sollte Wanner in den nächsten Monaten weiter an seine bisherigen Leistungen anknüpfen, könnte also erneut Bewegung in die Personalie kommen und auch alte Kritiker wie Hermann Gerland endgültig verstummen.

Der ehemalige Trainer machte Wanner zwar als Ausnahmetalent aus, mahnte im Sommer aber: „Wenn ich Pauls Talent gehabt hätte, hätte ich mit 19 schon 100 Spiele für Bayern gemacht.“