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Die erstaunliche Renaissance einer Eintracht-Legende

Trapps erstaunliches Comeback

Das Dasein als Ersatzmann währte nur kurz. Kevin Trapp ist wieder die Nummer eins - und spielt eine Rolle, die in Frankfurt schmerzlich vermisst wird.
Der ehemalige Frankfurt-Torhüter und jetzige Paris-Keeper Kevin Trapp und seine Verlobte Izabel Goulart senden ihren Fans höchst anspruchsvolle Weihnachtsgrüße vom Strand.
Das Dasein als Ersatzmann währte nur kurz. Kevin Trapp ist wieder die Nummer eins - und spielt eine Rolle, die in Frankfurt schmerzlich vermisst wird.

„Ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe, aber noch lange nicht bereit aufzuhören“, erklärte Kevin Trapp vor etwas mehr als einer Woche im Interview mit Telefoot TF1. Und dafür hat der inzwischen 35-Jahre alte Torhüter aktuell auch gar keinen Grund, denn bei seinem neuen Klub Paris FC ist Trapp seit einigen Wochen die Nummer eins zwischen den Pfosten. Dabei schien er im Sommer einen ganz anderen Plan zu verfolgen.

Viele Fans waren überrascht, als die Meldung vor dem Saisonstart offiziell wurde, dass Trapp Eintracht Frankfurt in Richtung des Pariser Aufsteigers verlassen werde. Nach 383 Pflichtspielen für die SGE war der Torhüter längst zum Publikumsliebling geworden und hatte Frankfurt mit seinen Leistungen gerade erst in die Champions League geführt.

Zum Abschied des Torhüters präsentierten die Verantwortlichen noch einmal stolz den Europa-League-Pokal, den man 2022 gemeinsam gewinnen konnte. Doch für Trapp ging die Reise weiter in eine Stadt, mit der er eng verbunden ist.

Trapp sollte sich hinten anstellen

Bereits zwischen 2015 und 2018 lief der neunmalige Nationalspieler in der französischen Hauptstadt auf - damals jedoch noch für den dominanten Stadtrivalen Paris Saint-Germain. Auch seine heutige Verlobte, das Supermodel Izabel Goulart, lernte Trapp in Paris kennen.

Während bei Frankfurt mit Kaua Santos ein talentierter Nachwuchskeeper hinter Trapp ins Rampenlicht drängte, herrschte eine sehr ähnliche Situation aber auch bei Paris FC vor. Der 22-jährige Obed Nkambadio war seit dem 30. September 2023 Stammkeeper und schaffte innerhalb weniger Monate den Sprung aus der eigenen Akademie zum dritten Torhüter und wurde schließlich zum Aufstiegshelden der vergangenen Saison. In 34 Spielen war er 15-mal ohne Gegentor geblieben.

„Die Hierarchie ist klar definiert, Obed ist die Nummer eins“, legte Trainer Stéphane Gilli vor der Saison fest und sorgte nach der Verpflichtung von Trapp schnell für Klarheit.

Auch wenn dieser nach seinem Wechsel im Interview mit L‘Équipe ankündigte: „Ich werde noch härter trainieren, um Druck auf die anderen auszuüben“, war auch ihm bewusst, dass er sich hinten anstellen musste.

„Die Situation war vorher relativ klar, ich hatte mit dem Trainer einen guten Austausch. Der Verein hat mit Obed Nkambadio einen guten Torwart - und zusätzlich jemanden gesucht, der Erfahrung mitbringt die Liga kennt und im Zweifel sofort spielen kann“, blickte Trapp noch im November beim kicker zurück.

So lief die Trapp-Rückkehr ins Tor ab

Die neue Realität hieß also Ersatzbank. Und so wurde der langjährige Bundesliga-Keeper mit Dingen in Verbindung gebracht, die nicht mehr viel mit Fußball zu tun haben.

Womöglich zieht es ihn in eine andere Branche, wurde spekuliert. Ein modebewusster Typ, mit einem Supermodel als Partnerin, in der Stadt der großen Laufstege und schließlich auch bei einem Klub, dessen Mehrheitseigner die Besitzer des Luxuskonzerns LVMH mit Marken wie Louis Vuitton sind. Die Vermutung, dass Trapp eine Modelkarriere anstreben könnte, drängte sich geradezu auf.

Doch dieser Karriereweg muss nun erst einmal hinten anstehen, so er denn tatsächlich geplant war.

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Bis zu seinem ersten Einsatz in Paris sollte es ohnehin nicht lange dauern. Trapp war gerade einmal seit zwei Spieltagen bei der Mannschaft, da stand er gegen den FC Metz erstmals zwischen den Pfosten. Nkambadio war verletzt.

In den folgenden zwei Monaten blieb Trapp ohne Spiel, ehe es zu einem schrittweisen Umdenken bei Trainer Gilli kam. Der Franzose setzte plötzlich auf Rotation und stellte Trapp am elften und dreizehnten Spieltag ins Tor. Wenig später rief er den offenen Konkurrenzkampf aus. Nkambadio hatte in der Saison vermehrt kleine Unsicherheiten gezeigt, die bei jungen Torhütern zwar oft an der Tagesordnung stehen, die ein Aufsteiger im Abstiegskampf allerdings nicht gebrauchen kann.

Ruhe und Erfahrung: Trapp als Schlüsselfigur im Abstiegskampf?

„Vielleicht bringt Kevin in dieser Phase mit seiner Erfahrung und seinem Werdegang mehr Reife und Ruhe“, hatte Gilli schon vor dem Spiel gegen Auxerre angemerkt und somit eine Entscheidung angedeutet, die sich ab der folgenden Woche bemerkbar machte.

Seit Dezember ist Trapp die neue Nummer eins und absolvierte vier Ligaspiele in Serie für Paris. Nur im Pokal kehrte Nkambadio zurück ins Tor, so auch beim überraschenden 1:0-Sieg gegen Paris Saint-Germain. Ein erneuter Wechsel in der Liga schien daher nicht ausgeschlossen. „Ich bin zufrieden mit Obeds Spiel, er hat so reagiert, wie ich es erwartet habe, er hat nicht aufgegeben“, lobte Gilli den Youngster, erklärte aber auch: „Im Moment wird Kevin weitermachen.“

Trapp soll in Paris ein Anführer sein. Laut dem kicker spricht der Routinier fünf Sprachen, fungiert als Übersetzer für den Brasilianer Otávio und soll nach der kürzlich erfolgten Umstellung von einer Dreier- auf eine Fünferkette den Abwehrverbund anleiten.

Er füllt also genau die Rolle aus, die in Frankfurt gerade schmerzhaft vermisst wird. Sein Nachfolger Kaua Santos lieferte in Hessen nach langer Verletzungspause zuletzt einige wacklige Vorstellungen ab. Hinter einer nicht minder wackligen Abwehr.

Paris FC: Fußball zwischen Luxuskonzernen, einem Königreich und Red Bull

Aktuell steht Paris mit 19 Punkten auf Rang 13 der Ligue 1 und liegt damit sieben Zähler vor der Abstiegszone. „Wir haben in dieser ersten Saisonhälfte viel gelernt und haben sicherlich in einigen Spielen ein paar Dinge zu bereuen“, analysierte Trapp jüngst bei Telefoot TF1.

„Wir kämpfen um den Klassenerhalt und haben nicht die Ergebnisse erzielt, die wir uns gewünscht haben. Aber es ist eine Mannschaft, die zusammenhält – die Spieler kämpfen füreinander. Ich bin sehr zuversichtlich für den weiteren Verlauf“, führte Trapp, der in sieben Spielen bislang zweimal ohne Gegentor blieb, weiter aus.

Unter Vertrag steht Trapp in Paris sogar noch bis 2028. Bis dahin verfolgt der Klub große Ziele. Durch Eigner mit Minderheitsanteilen wie das Königreich Bahrain oder den Red-Bull-Konzern soll künftig ein Angriff auf die Spitze erfolgen. Welche Rolle Trapp dabei spielt, wird sich zeigen - in seiner Zeit bei PSG brachte er immerhin 13 Titel in die französische Hauptstadt.

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