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Warum Miz aus der WWE-Kabine flog

Warum Miz aus der WWE-Kabine flog

The Miz ist wieder WWE-Champ - ein unvermuteter später Höhepunkt einer sehr kurvenreichen Karriere. Nicht jeder findet, dass er der Rolle gewachsen ist.
Nicht nur der Titelgewinn von The Miz bei WWE No Escape sorgt für Gesprächsstoff: Auch seine Feindschaft mit Rapstar Bad Bunny und Newcomer Damien Priest köchelt weiter.
Martin Hoffmann
Martin Hoffmann
von Martin Hoffmann

Der Champion übersteht ein kraftraubendes Match. Der Money-in-the-Bank-Sieger stürzt sich wie ein Aasgeier auf ihn und nimmt ihm den Titel auf billige Weise ab.

An sich ist das ein Szenario, das WWE seit der Premiere mit Edge und John Cena 2006 x-mal durchgezogen hat und daher nicht mehr den Schockeffekt von damals hat.

Der 40 Jahre alte Miz - der bei WWE eine kurvenreiche Karriere hinter sich hat - galt in der Rolle als MITB-Sieger eigentlich als Notlösung, der den "Cash-In" mutmaßlich vergeigen würde. Zu lange galt der Mann, dessen erste und bisher einzige Titelregentschaft auf dem Niveau zehn Jahre her ist und ein Flop war, als nicht main-event-tauglich abgeschrieben.

Und die Frage, ob zu Recht oder zu Unrecht, beschäftigt die WWE-Fans nach dem unvermuteten Titel-Coup im Vorfeld der Megashow WrestleMania 37 jetzt umso mehr.

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The Miz entstand bei "The Real World" auf MTV

Mike Gregory Mizanin, wie Miz eigentlich heißt, hat in der Szene einen zwiespältigen Ruf: Einerseits genießt er viel Anerkennung dafür, wie er sich mit seinem besonderen Hintergrund als skeptisch beäugtes Reality-TV-Sternchen in der knallharten Branche durchgebissen hat. Andererseits gelten seine Fähigkeiten im Ring als nicht über alle Zweifel erhaben - was einer noch größeren Karriere im Weg stand.

Mizanin hatte sich im Jahr 2004 in der Casting-Show Tough Enough bei WWE beworben, nachdem er zuvor in den USA bereits eine gewisse Bekanntheit erlangt hatte: Er war Teilnehmer der MTV der MTV-Realityserie "The Real World" und hatte dort auch schon seinen Miz-Charakter präsentiert - als arrogantes und hitzköpfiges Gegenstück zu seinem in Wahrheit sehr ruhigem und freundlichen Wesen.

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Mit einer Grundausbildung bei der kalifornischen Liga UPW - aus der auch der Superstar und spätere Rivale Cena hervorgegangen war - arbeitete der College-Abgänger aus Ohio seit 2003 daran, seinen Charakter als Wrestling-Star groß herauszubringen.

WWE sah das Potenzial und nahm Miz unter Vertrag, obwohl er die Tough-Enough-Show nicht gewinnen durfte (es siegte der längst vergessene Daniel Puder). Als Miz bei WWE aufschlug, war er jedoch in jeglicher Hinsicht unfertig - und sein Branchenwechsel ging erstmal nach hinten los.

Chris Benoit warf Miz aus der WWE-Kabine

Die ersten Matches - Gegner beim Debüt war 2006 Neunziger-Legende Tatanka - und auch die ersten Auftritte am WWE-Mikrofon bekamen von Fans vernichtende Kritiken, durch Fehltritte hinter den Kulissen erzürnte er auch Kollegen: Berühmt wurde die Anekdote, dass Ex-Champion Chris Benoit ihn wegen schlechtem Benehmen aus der Umkleide rauswarf.

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Nach Angaben des langjährigen WWE-Kommentators Jim Ross war der Anlass für den Eklat, dass Miz die Tasche eines Ringrichters vollgekrümelt hatte, als er einen Hühnchen-Snack aß.

John Morrison als wichtiger Karriere-Helfer

Miz hatte einen so schlechten Stand, dass an diesem Punkt viele andere Talente hingeworfen hätten. Miz' Leidenschaft fürs Wrestling, war allerdings so groß, dass er sich mit viel harter Arbeit an sich den Respekt der Kollegen und Fans schließlich doch verdiente.

An der Seite des ebenfalls über Tough Enough zu WWE gestoßenem John Morrison (seit dessen Comeback 2020 wieder sein Partner) erzielte er ab 2007 erste Erfolge als Tag-Team-Wrestler. Der im Ring stärkere und spektakulärer kämpfende Morrison und der rhetorisch stärkere Miz ergänzten sich in ihren Stärken und glichen die Schwächen des jeweils anderen aus.

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Es war dann Miz, der seine Rolle als Nervensäge, der die Fans zur Weißglut trieb, so perfektionierte, dass er WWE überzeugte, ihn für größere Aufgaben aufzubauen und als Herausforderer für den damaligen Topstar Cena zu formen.

Untergegangen zwischen John Cena und The Rock

Mit dem ersten Money-in-the-Bank-Sieg 2010 und dem erfolgreichen Cash-In gegen Randy Orton vollendete WWE den Plan. Zusammen mit Sidekick Alex Riley (der damals als vielversprechendes Talent galt, ehe er sich John Cena zum realen Feind machte) war Miz zum Top-Bösewicht aufgestiegen.

Bei WrestleMania 2011 durfte Miz dann tatsächlich sogar Cena besiegen - wobei der unsaubere Triumph schon im Schatten der aufziehenden Blockbuster-Fehde Cenas gegen den aus Hollywood zurückkehrenden Dwayne "The Rock" Johnson stand.

Miz verlor den Titel schließlich an Cena und wurde darauf hin wieder vom Main-Event-Geschehen ferngehalten: Er überzeugte auf dem Niveau letztlich nicht ausreichend, vor allem im Ring konnte ein gewisses Level nicht überschreiten.

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Der ewige Gegenspieler Daniel Bryan - der bei WWE einst als Miz' unfreiwilliger Schützling auftrat, obwohl er wrestlerisch schon immer wesentlich stärker war - brachte das Problem einmal in einem vieldiskutierten Verbal-Schlagabtausch in der ungeskripteten Talkshow "Talking Smack" auf den Punkt: Er hielt Miz vor, "wie ein Feigling" zu kämpfen, im Ring zu wenig zu riskieren. Eine harte Diagnose, die aus Sicht von Kritikern aber einen wahren Kern hat: Miz geht ein gewisses handwerkliches Geschick ab, zwischen den Seilen so in die Vollen zu gehen wie Bryan und andere Komplettpakete.

Privates Glück mit Ex-Kollegin Maryse

Auf etwas niedrigerem Niveau legte Miz aber auch nach dem Absturz von der Spitze eine ordentlicher Karriere hin: Als zuverlässiger Midcard-Bösewicht war er immer wieder für Intercontinental-, US- und Tag-Team-Titelregentschaften und für unterhaltsame Momente gut.

Als Highlight blieb unter anderem seine Neuerfindung als "A-Lister" in Erinnerung, in der er sich wegen seiner Filmauftritte in der B-Filmreihe "The Marine" als Hollywood-Megastar inszenierte – mit Damien Sandow ("Mizdow") als Stunt-Double, das herrlich sinnlos all seine Bewegungen nachahmte.

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Nicht nur wegen seiner Film- und Serienausflüge (2016 hatte er eine Gastrolle in "Supernatural") führt Miz ein erfülltes Leben auch abseits des Rings: Mit seiner Frau, Ex-Playmate und -Divenchampion Maryse Ouellet, die er bei WWE kennen und lieben lernte, hat er zwei Kinder und eine eigene Reality-Show namens Miz and Mrs.

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Zusammen mit Maryse gab es 2017 auch eine Neuauflage der Fehde mit Erzrivale Cena. Ein Mixed-Match gegen Cena und dessen damalige Lebensgefährtin Nikki Bella bereitete Cenas Heiratsantrag für Bella die Bühne (dem dann aber stattdessen die Trennung folgte).

The Miz bei WrestleMania 37: Bad Bunny statt Titelmatch?

Miz' Wiederaufstieg zum Champion kommt unvermutet und wirkt eher aus der Not geboren: Schwergewicht Otis, der eigentliche Money-in-the-Bank-Sieger 2020, hat sich als Fehlschlag erwiesen, den die WWE-Oberen doch noch nicht reif für Höheres sehen - er bekam zuletzt Wrestling-Nachhilfestunden verordnet und ist wieder in den Tag-Team-Bereich mit Chad Gable degradiert worden.

Dass Miz nach Otis nun auch McIntyre ablösen durfte, scheint auch eher ein Übergangs-Szenario zu sein: Die Art und Weise der Inszenierung riecht eher danach, dass Miz vor oder bei WrestleMania zum Steigbügelhalter einer McIntyre-Lashley-Fehde wird - während sich für Miz eher eine WrestleMania-Story mit Rapper Bad Bunny und/oder Newcomer Damien Priest andeutet, mit denen er bei No Escape einmal mehr ins Gehege kam.

Kurioses Gastspiel beim WWE Royal Rumble: Die Wrestling-Bösewichte The Miz und John Morrison provozieren Rapper Bad Bunny - das geht nach hinten los.
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Hier mischt ein Rapstar den WWE Royal Rumble auf

Ist Miz' zweite Titel-Regentschaft da nun eine unsinnige Überraschung um der Überraschung willen, die den Titel abwertet? Oder ein verdienter Karriere-Bonus? Oder beides in einem? Die diskussionsfreudige WWE-Fangemeinde hat da wieder ein Streitthema.