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Formel 1: Das private Drama einer Ikone

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Formel 1: Das private Drama einer Ikone

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Das private Drama einer F1-Ikone

Jackie Stewart, der älteste noch lebende Formel-1-Weltmeister mit großen Verdiensten als Vorkämpfer für Sicherheit, wird 85 Jahre alt. Ein persönlicher Schicksalsschlag hat ihm eine neue Lebensaufgabe beschert.
Jackie Stewarts Frau Helen (hier ein Bild aus aktiven Zeiten 1970) leidet an Demenz
Jackie Stewarts Frau Helen (hier ein Bild aus aktiven Zeiten 1970) leidet an Demenz
© Imago
von Andreas Reiners, Martin Hoffmann
Jackie Stewart, der älteste noch lebende Formel-1-Weltmeister mit großen Verdiensten als Vorkämpfer für Sicherheit, wird 85 Jahre alt. Ein persönlicher Schicksalsschlag hat ihm eine neue Lebensaufgabe beschert.

Seine Ehrlichkeit ist beeindruckend. Ungewöhnlich. Vor allem ist sie entwaffnend. Aber so ist Jackie Stewart immer gewesen.

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„Ich wäre ein beliebterer Weltmeister gewesen, hätte ich immer gesagt, was die Leute hören wollen. Ich wäre dann vielleicht tot, aber mit Sicherheit beliebter“, sagte Jackie Stewart einmal. Seit 2001 „Sir“ Jackie Stewart. Denn der Schotte, der heute 85 Jahre alt wird, war nicht nur einer der besten Rennfahrer der 60er und 70er Jahre. Er war auch ein unbequemer Kämpfer und Vorreiter für mehr Sicherheit in der Formel 1. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Formel 1)

„Ich habe Morddrohungen dafür bekommen, aber es war meine größte Leistung“, blickte Stewart vor einigen Jahren im Interview mit The Times auf sein bewegtes Leben zurück - das seit einigen Jahren von einem persönlichen Schicksalsschlag geprägt ist.

Jackie Stewart: Der Tod fuhr immer mit

Stewart wurde in einer Zeit der Königsklasse groß, in denen das Sterben in den Autos noch zum Alltag gehörte.

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Er hatte vor Jahren mal nachgerechnet: 59 tödliche Unfälle von Kollegen und Freunden musste er miterleben. Er selbst erlebte die damaligen Schattenseiten am eigenen Leib, überlebte, wollte aber nichts mehr dem Zufall überlassen und setzte sich fortan vehement für die Sicherheit ein.

Stewart ist nach dem Tod von John Surtees 2017 der älteste noch lebende Formel-1-Weltmeister und bis heute eine beeindruckende Persönlichkeit. Früher fiel Stewart auf mit seinen Koteletten und modischen Experimenten. Ein Playboy wie der früh verstorbene James Hunt und andere Stars aus seiner Generation war er aber nie.

Dreimal Weltmeister in der Formel 1

„Sir Jackie“ ist privat bodenständig, seine Frau Helen heiratete er bereits 1962 - eine Sandkastenliebe. Sein privater Fuhrpark? Im Mittelklassebereich angesiedelt. Seine Bescheidenheit wird auch in der eigenen Garage zur Schau gestellt.

Jackie und Frau Helen Stewart im Jahr 1973
Jackie und Frau Helen Stewart im Jahr 1973

Zum Motorsport kam Stewart, der es als Jungspund im Tontaubenschießen fast zu den Olympischen Spielen 1960 geschafft hätte, zum Großteil auch durch Ken Tyrrell. Der Ex-Rennfahrer brachte den jungen Stewart in der Formel 3 unter, wo er durchstartete und im Rekordtempo das Interesse der halben Formel 1 auf sich zog.

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1965 feierte er sein Debüt, acht Jahre später war er nach 99 Rennen und 27 Siegen für B.R.M., Matra, March und Tyrrell dreimaliger Weltmeister (1969, 1971 und 1973), ehe er aufhörte. Er hatte genug vom Tod.

Legasthenie hilft

1973 gewann er zwar den Deutschland-Grand-Prix auf der Nordschleife, er sei sich aber „nie sicher gewesen, ob er nach Hause zurückkehre“, sagte Stewart später. Seinen Freund Jochen Rindt hatte er bereits zu Grabe getragen, und als dann auch noch Francois Cevert sein Leben ließ, zog Stewart das Karriereende vor. Zwar nur ein Rennen vor dem geplanten Schlusspunkt, womit er aber auf seinen 100. Lauf verzichtete.

Kurios: Erst mit 42 Jahren wurde bei ihm Legasthenie diagnostiziert. Ihm hat die Lernschwäche stets geholfen. Denn: "Wenn man als Legastheniker etwas findet, worin man gut ist, dann bemüht man sich mehr als jeder andere. Man kann nicht so denken wie die cleveren Leute, also denkt man immer etwas unkonventionell und geht Wege, die niemand geht."

Comeback als Teambesitzer

1997 feierte Stewart ein Comeback als Teambesitzer. Zusammen mit Sohn Paul trat er mit Stewart Grand Prix drei Jahre lang in der Königsklasse an, dank Johnny Herbert gewann das Team ein Rennen. Der weitere Werdegang: Übernahme durch Ford, danach als Jaguar-Racing am Start, später wiederum als Red Bull Racing.

Was seine Formel-1-Karriere betrifft, kennt Stewart allerdings keine Bescheidenheit. Die ist für ihn stets zum Greifen nah. "Ken Tyrrell hat mir den 003 geschenkt, mit dem ich 1971 Weltmeister geworden bin", sagte er. Den Tyrrell 006 von 1973 habe er gekauft. "Und ich habe sechs der Stewart-Grand-Prix-Autos. Der Matra von 1969 gehört einem sehr netten, reichen französischen Herrn, der ihn mir nicht verkaufen will. Aber ich kann ihn haben, wann immer ich ihn brauche."

Aber wie es so oft ist im Leben: Man kann nicht alles haben.

Kampf gegen Demenz ist jetzt Stewarts Lebensthema

Seit 2016 beschäftigt Stewart ein privates Drama - ein zweites, nach dem Tod seines lange alkoholkranken Bruders Jimmy 2008: Bei seiner Frau Helen wurde 2014 Demenz diagnostiziert, ihr Mann hat den Einsatz für eine bessere Erforschung der Krankheit zum neuen Thema seines Lebens gemacht, gründete die Stiftung „Race Against Dementia“.

Jackie und Helen Stewart beim England-GP im Jahr 2016
Jackie und Helen Stewart beim England-GP im Jahr 2016

„Das ist mein größter Kampf“, betonte Stewart, der mit seiner Frau in der Schweiz lebt - und im vergangenen Jahr selbst einen Schlaganfall überstand. Eine Klinik ist direkt um die Ecke, seine Frau bekommt die bestmögliche Betreuung. Eine Heilung bleibt aber utopisch.

„In den vergangenen 30 Jahren sind wir einer Antwort nicht wirklich nähergekommen“, sagte Stewart, der hofft, Anstöße aus seiner alten Profession geben zu können, die das ändern: „In den modernen Zeiten haben vier Leute den Sport tatsächlich verändert: Gordon Murray, Ross Brawn, John Barnard und Adrian Newey. Es hat nur vier Leute gebraucht, um das zu schaffen. Im Geschäftsleben waren es Bill Gates oder Steve Jobs. Man braucht nur andere Ideen, einen anderen Ansatz. Beim Wettlauf gegen Demenz ist es nicht anders.“