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Olympia 2026: Was ist denn mit Deutschland los?

Was ist denn mit Deutschland los?

Die Missgeschicke beim deutschen Olympia-Team halten an. Wo könnte Deutschland ohne Pleiten, Pech und Pannen im Medaillenspiegel stehen?
Die deutschen Kombinierer Johannes Rydzek und Vinzenz Geiger liegen auf Kurs, die letzte Medaillenchance der Männer zu nutzen. Doch ein Doppel-Sturz von Geiger macht alles zunichte - am Ende bleibt Platz 5.
Die Missgeschicke beim deutschen Olympia-Team halten an. Wo könnte Deutschland ohne Pleiten, Pech und Pannen im Medaillenspiegel stehen?

Die Frage kommt beim Frühstück auf, noch vor dem ersten Kaffee. „Was ist denn mit Deutschland los?“, fragen die österreichischen Journalisten am Tisch nebenan. Es klingt mitleidig und wirkt deshalb umso mehr nach als beißender Spott.

Das Frotzeln am frühen Morgen ist seit Beginn der Olympischen Spiele so etwas wie der Schuss Milch in den Kaffee. Ein kleines Ritual, bei aller gebotenen beruflichen Distanz. Diesmal wittern die Kollegen aus dem Ausland Oberwasser – zu Recht.

Sie spielen auf den Mittwoch an. Lena Dürr, gescheitert am ersten Tor im zweiten Slalomlauf an Position zwei. Die Biathlon-Staffel der Frauen, Vierte nach erneuten Patzern von Franziska Preuß.

Meine Antwort fällt so lau aus wie eine Tasse Tee, die an diesem Tag zu lange im Neuschnee gestanden hat. Wo Deutschland im Medaillenspiegel stehen könnte ohne all die Missgeschicke und knappen Entscheidungen, argumentiere ich.

Am härtesten trifft es die Biathleten

Emma Aicher, zweimal Zweite, einmal mit vier (Abfahrt), einmal mit fünf Hundertstel (Team-Kombination) Rückstand. Das hätte auch Doppelgold sein können. Auch Deutschlands Skispringer hätten ohne den Abbruch nach Philipp Raimunds Top-Sprung noch eine Medaillenchance gehabt. Im Mixed-Team gab es ebenfalls Blech.

Dreimal Platz vier im Biathlon. Laura Nolte, die im Monobob im letzten Lauf Gold wegwirft. Annika Morgan, die beim Snowboard Slopestyle Vierte wird.

Beim Teamwettbewerb mit Johannes Rydzek am Donnerstag stürzt der Nordische Kombinierer Vinzenz Geiger kurz vor Schluss zweimal. Die nächste Medaille futsch.

Deutschland, die Blechkönige

Eine Top-Leistung, für die es trotzdem keine Medaille gibt. Wer wüsste das besser als das Team D bei den Winterspielen von Mailand und Cortina? So ein von Pleiten, Pech und Pannen bereinigter Medaillenspiegel sähe schon viel freundlicher aus.

Und tatsächlich: Keine Nation hat bisher mehr vierte Plätze zu verzeichnen als Deutschland. Der Focus schreibt von den „Blechkönigen“.

Elfmal sind deutsche Athletinnen oder Athleten in den 95 Entscheidungen bis zum späten Donnerstagabend haarscharf am Podest vorbeigeschrammt - Vierter geht’s nicht. Es folgen Norwegen (neun), Gastgeber Italien und die Schweiz (jeweils acht).

Pleiten, Pech und Pannen bei Olympia: „Das kann doch nicht wahr sein“

Den Nackenschlag der Kombinierer erlebe ich an der deutschen Fanzone oberhalb des tief verschneiten Cortina. Kollegen und Mitarbeiter der Fanzone, die das Missgeschick mitverfolgen, stöhnen auf.

Es folgen Äußerungen wie „Das gibt es doch gar nicht“ oder „Das kann doch nicht wahr sein“. Wie bei gebeutelten Anhängern eines Fußballklubs spüre ich eine Form von Selbstmitleid. Und das ist noch trauriger als das Mitleid der österreichischen Kollegen. Die deutsche Pechsträhne hat einen neuen Tiefpunkt erreicht.