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"Das ist DIE Geschichte dieser Olympischen Spiele"

Das Olympia-Märchen schlechthin

Es ist eine filmreife Comeback-Geschichte, wie man sie besser nicht hätte schreiben können. Zehn Monate nach einer verheerenden Verletzung thront Italiens Ski-Gigantin Federica Brignone in ihrer Heimat zum zweiten Mal auf dem Olymp. Trotzdem schlägt sie dabei nachdenkliche Töne an.
Federica Brignone krönt ihr Olympia-Märchen mit einem triumphalen Sieg im Riesenslalom. Für die deutschen Läuferinnen Lena Dürr und Emma Aicher bleibt es dagegen bei einer Enttäuschung. Auch US-Star Mikaela Shiffrin muss weiter auf Edelmetall warten.
Es ist eine filmreife Comeback-Geschichte, wie man sie besser nicht hätte schreiben können. Zehn Monate nach einer verheerenden Verletzung thront Italiens Ski-Gigantin Federica Brignone in ihrer Heimat zum zweiten Mal auf dem Olymp. Trotzdem schlägt sie dabei nachdenkliche Töne an.

Dass sich Federica Brignone bei den Olympischen Winterspielen in ihrer Heimat nicht nur einmal, sondern gleich zweimal über Gold freuen darf, hätte sich für die Italienerin selbst vor noch gar nicht allzu langer Zeit wohl wie ein schlechter Traum angefühlt.

Bereits ihr formuliertes Ziel, überhaupt an den Start gehen zu wollen, erschien lange unrealistisch für die zweimalige Weltmeisterin und Gesamtweltcupsiegerin, die mit 35 Jahren vor heimischer Kulisse ihr letztes großes Highlight setzen wollte. Nun jedoch hat sie - speziell aus Sicht des Gastgeberlandes - das Heldenmärchen schlechthin geschrieben.

Brignones unwirklicher Olympia-Traum

Zur Erinnerung: Am 3. April 2025 war Brignone als schon feststehende Gewinnerin der großen Kristallkugel zum Saisonabschluss bei den italienischen Meisterschaften in Val di Fassa eingefädelt und schwer gestürzt. Mit dem Helikopter wurde sie in die Klinik nach Trient gebracht. Die Diagnose: Riss des vorderen Kreuzbandes sowie mehrfache Brüche des Schien- und Wadenbeinkopfes. Ein Horror-Szenario – insbesondere zehn Monate vor den Olympischen Winterspielen vor der eigenen Haustür.

„Ich habe im Sommer Bilder von ihr auf Krücken gesehen, wo sie schon wieder leichtes Training probiert hat. Mit all diesen Schmerzen. Da habe ich gedacht: Vielleicht kann sie dann mal ein bisschen Skifahren, wenn im Februar Heim-Olympia für sie ansteht“, erinnerte sich der ehemalige Skirennfahrer und heutige TV-Experte Marco Büchel im ZDF.

„Das ist DIE Geschichte dieser Olympischen Spiele“

Brignone fuhr jedoch nicht „nur ein bisschen Ski“, sondern raste im Riesenslalom sowie im Super-G zu ihrer ersten olympischen Goldmedaille. Zuvor hatte sie Mitte Januar ihr Weltcup-Comeback gegeben. „Das ist magisch. Das ist für mich DIE Geschichte dieser Olympischen Spiele“, zeigte sich Büchel beeindruckt von der besonderen Comeback-Story der zweimaligen Gesamtweltcupsiegerin. Auch Brignone selbst schlug auf der Pressekonferenz nach ihrem zweiten Olympia-Coup in dieselbe Kerbe.

„Es ist ein Wunder, hier zu sein“, sagte die gebürtige Mailänderin über ihre schwer zu glaubende Comeback-Story. Letztlich sei der Perspektivenwechsel für sie auch der Schlüssel zum großen Triumph geworden: „Ich hatte keinen Druck, weil es schon unglaublich war, überhaupt hier zu sein. Ich habe einfach versucht, jeden einzelnen Moment zu genießen. Ich habe keinen Druck gespürt - und das macht mir Angst. Ich meine: Es sind die Olympischen Spiele. Im eigenen Land.“

Sie sei „einfach nur glücklich, wieder eine Athletin zu sein“, hob die Italienerin hervor. Dazu passt, dass sie sich laut eigener Aussage nicht einmal eine Medaille als Ziel vorgenommen habe. „Wenn ich mit dem Ziel gekommen wäre, Goldmedaillen zu holen, würde ich jetzt mit null Medaillen nach Hause fahren“, war sich Brignone sicher, über deren Erfolg sich auch die deutsche Skirennfahrerin Emma Aicher gefreut hatte.

Ski-Star Brignone: „Es ist ein Wunder, hier zu sein“

Die Goldmedaille an sich sei dennoch nur zweitrangig, betonte Brignone: „Es ist ein Wunder, hier zu sein, die Flagge zu tragen – das war eines der größten Dinge, die mir in meiner Karriere gefehlt haben. Nicht die Goldmedaille, die war mir egal“, erläuterte Brignone und führte aus: „Ich hatte Medaillen, ich hatte Weltcups, ich hatte alles, was ich mir in meinem Leben gewünscht habe, und noch mehr. Ich bin nur hier, um es zu genießen, mein Bestes zu geben und es zu genießen. Deshalb glaube ich, dass ich gewonnen habe.“

Weniger optimistisch zeigte sich die Italienerin allerdings, als es um den Zustand ihres linken Knies ging. „Es ist unmöglich, dass es wieder so wird wie vorher, ich habe mein Bein und mein Knie komplett ruiniert ... jeder Tag ist ein Kampf und es braucht noch Zeit“, sagte die 35-Jährige.

Wegen Horror-Sturz: „Ich würde meine Medaillen eintauschen“

Über den genaueren Zustand schwieg sie in der Vergangenheit bewusst. „Ich habe nicht gesagt, wie schlimm es war. Ich wollte es nicht. Wenn die Leute denken, dass man so starke Schmerzen hat, muss man beweisen, dass man nicht zurückkommen kann. Also habe ich gesagt: Okay, ich komme zurück“, erklärte die nun zweifache Olympiasiegerin.

In der Öffentlichkeit habe sie sich in der Vergangenheit bezüglich der schweren Verletzung mit Absicht optimistischer gezeigt, als es die Situation eigentlich hergegeben hätte. „Zwei Monate lang konnte ich mein Bein nicht einmal beugen, es war verrückt“, erinnerte sie sich.

Wenn sie sich zwischen ihrer eigenen Gesundheit und den jüngsten beiden Erfolgen entscheiden müsste, würde ihr das allerdings zu keiner Sekunde schwerfallen: „Ich würde meine beiden Medaillen gegen das Ausbleiben dieser Verletzung eintauschen, da bin ich mir sicher.“