Nach dem bitteren Sturz von Florian Lipowitz und dem damit verbundenen Aus bei der Tour de France hat der deutsche Hoffnungsträger prominenten Zuspruch erhalten. Anders als Ralph Denk, Teammanager von Red Bull-Bora-hansgrohe, sieht Lance Armstrong die Schuld am folgenschweren Unfall weniger bei Lipowitz selbst.
Tour de France: Armstrong nimmt Lipowitz nach Sturz-Drama in Schutz
Armstrong nimmt Lipowitz in Schutz
„Wenn man genau hinschaut: Diese Straße hat an der Stelle gewisse Wellen. Ich glaube, es waren diese Unebenheiten an dieser bestimmten Kurve, die zu seinem Wegrutschen geführt haben“, erklärte der frühere Tour-Rekordsieger in seinem Podcast „The Move“.
Podcast-Partner Bradley Wiggins pflichtete Armstrong bei: „Das war wahrscheinlich der Grund für den Sturz von Lipowitz. Soweit wir wissen, gab es einige Bodenwellen.“
Tour de France: Experten nehmen Lipowitz-Team in die Pflicht
Lipowitz war am Dienstag auf der 16. Etappe beim Einzelzeitfahren in einer Kurve zu Fall gekommen und hart gegen den Bordstein geprallt. An eine Fortsetzung seiner Frankreich-Rundfahrt war nicht zu denken, er wurde bereits operiert.
Denk sprach in der Folge von einem Fahrfehler des Deutschen: „In der Kurve war er viel zu schnell. Leider Gottes war es zu optimistisch von Florian und ich sehe da keinen anderen in der Schuld.“
Die Protagonisten in Armstrongs Podcast sehen jedoch vielmehr das Team in der Pflicht, einen solchen Unfall zu vermeiden. „Die Verantwortung liegt gleichzeitig bei den Teamdirektoren“, betonte Armstrongs früherer Kollege George Hincapie. „Sie haben ein Begleitfahrzeug. Es ist ihre Aufgabe, sich Notizen zu dieser Kurve zu machen. Sie müssen ihre Fahrer ständig darauf hinweisen.“
Armstrong, dessen sieben Tour-Siege ihm nach dem Einsturz seines Dopingsystems aberkannt worden waren, stimmte zu. „So hätten wir es gemacht“, meinte der 54-Jährige: „Wenn der Erste durch diese Kurve fährt, müssen sie (das Team, Anm. d. Red.) die anderen sofort und ständig daran erinnern: ‚Hey Florian, du bist noch 500 Meter von der Kurve entfernt.‘“
Streckenbesichtigung mit Hindernissen
Wiggins wies zudem darauf hin, dass man die Strecke vorher nur zu einer bestimmten Tageszeit und in einem anderen Zustand besichtigen könne.
„Die Kurve, in der Lipowitz gestürzt ist, führte auf die andere Seite einer Mittelinsel, weshalb sie so stark gepolstert war“, erklärte der Tour-Sieger von 2012: „Solche Dinge kann man, egal wie oft man sich die Strecke vorher ansieht – wenn man sie auf einer offenen Straße begutachtet –, nicht vorhersehen, da man nicht weiß, wie sie die Strecke präparieren werden.“
Auch Topstar Tadej Pogacar war am Dienstag beinahe in jener Kurve zu Fall gekommen. Der Gesamtführende beklagte hinterher: „Bei der Streckenbesichtigung waren einige Autos der Organisatoren im Weg und so konnte ich die Kurve gar nicht richtig einsehen.“
Derweil bezeichnete Armstrong Lipowitz‘ Tour-Aus als „große Sache“ für dessen Teamkollegen Remco Evenepoel, der das Zeitfahren am Dienstag gewann. „Die interne Bedrohung – und es gab sie – ist nun beseitigt“, betonte er.
Lipowitz und Evenepoel waren als Doppelspitze von Red Bull-Bora-Hansgrohe in die Tour gestartet. Um die teaminterne Konstellation hatte es wiederholt Diskussionen gegeben.