Die goldenen Zeiten im deutschen Damentennis sind endgültig vorbei. Wer letztes Jahr im November dachte, der Abstieg im Billie Jean King Cup in die Regionalgruppe Europa/Afrika I sei der Tiefpunkt gewesen, der hat sich gewaltig geirrt.
Deutsche Tennis-Damen am Abgrund: Die goldenen Zeiten sind vorbei
Die goldenen Zeiten sind vorbei
Nach der kaum für möglich gehaltenen Niederlage gegen Tennis-Entwicklungsland Litauen (1:2) und dem neuerlichen Abstieg steht fest: Deutschlands Tennisfrauen müssen künftig erstmals in der Regionalgruppe II antreten – der Super-GAU.
Tennis: Deutschland schlecht wie nie
Eine Tennisnation mit Ikonen des Sports, Grand-Slam-Siegerinnen wie Steffi Graf, Angelique Kerber und Cilly Aussem, ist endgültig am Scheideweg angekommen.
Weiter runter ging es für Deutschland bislang noch nie. Es warten Duelle mit Tenniszwergen wie beispielsweise Zypern, Südafrika oder Georgien. Kulissen, noch spärlicher, als es in den vergangenen Tagen im portugiesischen Oeiras der Fall war. Alles zurück auf Null.
Fraglich ist auch, wer sich von Deutschlands Tennis-Damen zukünftig in Anbetracht der enormen Reisestrapazen und des ohnehin vollgepackten Terminkalenders noch zur Verfügung stellt, um vor Minuskulisse und womöglich bescheidenden Bedingungen anzutreten.
Eva Lys & Co. werden schmerzlich vermisst
Mit Eva Lys (musste abermals verletzungsbedingt passen) sowie den Spätzünderinnen Tatjana Maria und Laura Siegemund (beides Entscheidungen von Teamchef Torben Beltz) fehlten diese Woche gleich drei Top-100-Spielerinnen. Mehr denn je.
Beltz setzte stattdessen auf die nächste Generation – ohne Erfolg. Der Anspruch des Teams um die Nachwuchshoffnungen um Ella Seidel (Nr. 85 der Welt) und Noma Noha Akugue (192) war es dennoch, sich für die Aufstiegsrunde im November zu qualifizieren. An den erneuten Abstieg dachte keiner, zumal das Losglück eine vermeintlich einfache Gruppe beschert hatte.
„Natürlich ist es unser Ziel, die Gruppe zu gewinnen. (…) Das hat das Team auch drauf“, hatte Beltz im Vorfeld noch gesagt. Eine Fehleinschätzung. Es kam alles ganz anders.
Schon gegen Portugal und Schweden setzte es zum Auftakt empfindliche Niederlagen, die das deutsche Team überhaupt erst in diese missliche Lage brachten. Immerhin gegen die Däninnen war man nach zwei gewonnen Einzeln siegreich.
Doppel wird zum Verhängnis: Ex-Bundestrainerin wird deutlich
Besonders auffällig waren in Oeiras jedoch die drei Doppelniederlagen im entsprechenden Entscheidungsspiel. Wurde auf das Doppel zu wenig Wert gelegt? Oder hat der Trainer falsche Entscheidungen getroffen? Das gilt es nun dringend aufzuarbeiten.
Fest steht in jedem Fall: Das Doppel wurde Deutschland gleich dreimal zum Verhängnis. Eine absolute Spitzenspielerin in dieser Kategorie, wie Siegemund eine ist (ein Grand-Slam-Titel im Damendoppel und zwei Major-Titel im Mixed), wurde sehnlichst vermisst. Sie hätte das Fiasko bestimmt verhindern können.
Nicht umsonst schrieb die frühere Bundestrainerin Claudia Kohde-Kilsch auf Facebook: „Es tut mir richtig weh, das zu sehen. (…) Ein guter Volley oder Smash? Leider auch Fehlanzeige.“
Alles schwarzmalen sollte man aber nicht. Mit Seidel (21 Jahre), Noha Akugue (22 Jahre), Nastasja Schunk (22 Jahre), Tessa Brockmann (20 Jahre), Eva Bennemann (18 Jahre) und Co. gibt es Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Doch die Entwicklung einiger Spielerinnen schreitet nicht so schnell voran, wie man erhofft oder auch erwartet hatte.
Die Fehler liegen in der Vergangenheit
Der Kampfgeist und der Wille waren definitiv vorhanden. Doch gerade die eigene Verunsicherung scheint bei einigen Spielerinnen ein riesiges Problem zu sein, das ihren Tennis-Fähigkeiten im Weg steht.
Fakt ist: Der ersehnte Neuaufbau schlug erst einmal fehl. Das machte sich spätestens am Samstagnachmittag gegen Litauen eindeutig bemerkbar.
In der Graf-Ära hatte Deutschland den prestigeträchtigen Team-Wettbewerb zweimal gewonnen (1987 und 1992). Davon ist man aktuell jedoch meilenweit entfernt. Um überhaupt konkurrieren zu dürfen, bedarf es erst einmal zweier Wiederaufstiege. Zunächst gilt es allerdings das sportliche Desaster aus Portugal zu verarbeiten.
Sieht man es positiv, kann es von hier an eigentlich nur noch bergauf gehen. Das Potenzial dazu ist in jedem Fall vorhanden.