Die süße Rache des Belächelten

Die süße Rache des Belächelten

Giannis Antetokounmpo feiert den größten Triumph seiner Karriere. Mit seinem Erfolg und der grenzenlosen Loyalität gegenüber den Bucks wandert der „Greek Freak“ auf Dirk Nowitzkis Spuren.
Giannis Antetokounmpo hat auf James Hardens Provoaktion auf seine Art geantwortet
Giannis Antetokounmpo hat auf James Hardens Provoaktion auf seine Art geantwortet
© SPORT1-Grafik/Imago
Alexandra Müller
von A. Müller
am 21. Juli

Giannis Antetokounmpo steht zu seinem Wort!

Zumindest verhält es sich so mit einem Versprechen, dass der frisch gebackene NBA-Champion bereits vor vielen Jahren gegeben hat. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur NBA)

„Ich werde das Team und die Stadt Milwaukee nicht verlassen, bis wir das Team zu einem Meisterschaftsteam aufgebaut haben.“ Diese Zeilen schrieb der „Greek Freak“ im Sommer 2014 – und ließ seinen Worten Taten folgen.

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Antetokounmpo führt Bucks zum NBA-Titel

Beinahe exakt sieben Jahre später ist es vollbracht: Die Milwaukee Bucks um ihren Superstar Antetokounmpo haben sich nach 50 Jahren wieder die NBA-Krone aufgesetzt, nachdem Kareem Abdul-Jabbar und Oscar Robertson die Franchise aus Wisconsin 1971 erstmals zur Meisterschaft geführt hatten.

Antetokounmpo machte den Meilenstein möglich. Der 26-Jährige zauberte in Spiel sechs gegen die Phoenix Suns mit 50 Punkten, 14 Rebounds und fünf Blocks eine Monster-Performance aufs Parkett. Logischerweise wurde er zum wertvollsten Spieler der Finals ausgezeichnet. Es war das dritte Spiel in dieser Serie mit mindestens 40 Punkten und zehn Rebounds für Antetokounmpo.

Seine Elite-Kollegen aus der NBA gratulierten via Twitter. „Du hast den Scheiß absolut verdient“, schrieb LeBron James von den Los Angels Lakers. Kevin Durant (Brooklyn Nets) hatte „nichts als Respekt“ vor dem neuen Champion. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der NBA)

Giannis bleibt sich selbst treu

Rudy Gobert schrieb: „So froh für Giannis und Milwaukee Mann... erstaunlich zu sehen, was passiert, wenn man sein Herz und seine Seele in etwas setzt und authentisch und sich selbst treu bleibt. Inspirierend.“

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Mit seinen Worten traf der Center der Utah Jazz den Nagel auf den Kopf. Der Junge aus Athen, aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen, ist angekommen. Und trotzdem bodenständig geblieben.

„Meine Familie ist meine Basis. Sie motiviert mich jeden einzelnen Tag. Aber am Ende des Tages werde ich nie vergessen, was mich überhaupt zu diesem Punkt gebracht hat: harte Arbeit“, sagte der Finals-MVP zuletzt.

Auch seine Reaktion nach dem Gewinn der Meisterschaft sprach Bände: Nach dem Buzzer machte sich Antetokounmpo sofort auf den Weg zu seiner Familie.

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Nachdem die Fans in den ersten Reihen auf das Spielfeld gestürmt waren, suchte Antetokounmpo nicht die Aufmerksamkeit der Menge, sondern einen freien Platz auf der Tribüne und setzte sich erst einmal hin. Er kämpfte sichtlich mit den Tränen und genoss für einen kurzen Augenblick für sich allein den größten Erfolg seiner Karriere.

Giannis bleibt den Milwaukee Bucks treu

„Vor achteinhalb Jahren hatte ich keine Ahnung, wo die nächste Mahlzeit herkommen würde, meine Mutter verkaufte Zeug auf der Straße - und jetzt sitze ich hier, ganz oben“, sagte der griechische Star nach dem Spiel.

Giannis ist zweifelsohne ganz oben angekommen, hat sich bei den großen Stars der besten Basketball-Liga der Welt wie LeBron, Durant und sogar Legende Kareem Abdul-Jabbar eingereiht. (DATEN: Alle Tabellen der NBA)

Doch eine Eigenschaft unterscheidet den Champion von vielen anderen Titelträgern: Antetokounmpo ist kein Selbstdarsteller. Und er ist seinem Team treu geblieben, musste sich die Meisterschaft nicht per Trade bei einem anderen Team holen.

Harden lästert über „Greek Freak“

Ganz im Gegenteil: Bevor er mit den Bucks Historisches feiern konnte, musste der griechische „Freak“ durch so einige Tiefen. In der Saison 2013/14 gewannen die Bucks gerade einmal 15 Spiele - die schlechteste Ausbeute in der Franchise-Geschichte. 2019 setzte es im Halbfinale gegen die Toronto Raptors eine üble Niederlage - trotz 2:0-Führung.

Darüber hinaus musste sich Antetokounmpo auch noch Lästereien seiner Rivalen gefallen lassen.

James Harden stichelte Anfang des Jahres 2020 bei ESPN: „Wenn ich 7 Fuß (2,14 Meter) groß wäre, könnte ich auch einfach rennen und dunken. Dafür bräuchte ich überhaupt nichts zu können.“

„Mein Spiel besteht mit Sicherheit nicht nur aus Power. Als ich mit 18 Jahren hier ankam, wog ich 81 Kilo - da war es schwer, sich gegen die großen Jungs durchzupowern“, konterte Giannis. Heute Nacht lieferte er nachträglich noch auf dem Spielfeld die passende Antwort. Seine 50 Punkte waren mehr, als Harden jemals in einem Playoff-Spiel geschafft hat.

Antetokounmpo wie Nowitzki

Seine Geschichte erinnert an die des größten deutschen NBA-Stars jemals: Dirk Nowitzki. Nie zuvor war ein Basketball-Profi einem Team so lange treu wie der Würzburger den Dallas Mavericks (21 Jahre!).

Antetokounmpo wandelt auf Nowitzkis Spuren: Beim Griechen sind es mittlerweile immerhin schon acht Jahre - mit gerade einmal 26 Jahren.

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„Giannis hat kein Limit, genau wie Dirk“, schwärmte Bucks-Coach Jason Kidd, früher Nowitzkis Teamkollege, einst: „In Dallas hat uns Dirk mit auf eine Reise genommen, von der niemand wusste, wo sie endet. Giannis ist aus dem gleichen Holz. Er ist so variabel. Und er hat wie Dirk den unbedingten Willen zu gewinnen.“

Antetokounmpo wählt den harten Weg

Antetokounmpo reagierte verlegen: „Oh Mann, Dirk Nowitzki ist für mich der beste Europäer, den es jemals gab. Was Dirk für die NBA und die Dallas Mavericks geleistet hat, ist unglaublich.“

Ähnlich Unglaubliches leistete Antetokounmpo nun auch für Milwaukee und belohnte sich für seine Loyalität mit dem größten Triumph.

Die Milwaukee Bucks feiern den ersten Titel in der NBA seit 1971. Giannis Antetokounmpo sorgt für eine Monster-Leistung und führt sein Team zum Sieg. Der Grieche lässt Erinnerungen an Nowitzki hochkommen.
05:13
Antetokounmpo: "Der Nowitzki der Bucks!"

„Ich hätte zu einem Superteam wechseln können, aber das ist der leichte Weg“, sagte Giannis einmal: „Das hier ist der harte Weg, ich wollte es genau so.“