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Dillon Brooks ohne Zukunft bei den Grizzlies: Wie sich ein NBA-Star selbst zerstört

Ein NBA-Star zerstört sich selbst

In den NBA Playoffs sorgt Dillon Brooks immer wieder für Kopfschütteln und Unverständnis. Der Grizzlies-Star selbst sieht sich nun als Bösewicht der NBA, woran aber nicht er die Schuld trage.
Die LA Lakers stehen nach ihrem Sieg in Spiel vier gegen die Memphis Grizzlies vor dem Weiterkommen. Superstar LeBron James berichtet nach dem Spiel von einem emotionalem Gespräch mit einem jungen Mitspieler.
Manuel Habermeier
In den NBA Playoffs sorgt Dillon Brooks immer wieder für Kopfschütteln und Unverständnis. Der Grizzlies-Star selbst sieht sich nun als Bösewicht der NBA, woran aber nicht er die Schuld trage.

Wie fährt man eine NBA-Karriere in kürzester Zeit an die Wand?

Die perfekte Blaupause dafür scheint nun Dillon Brooks geliefert zu haben. Laut The Athletic sollen die Memphis Grizzlies ihrem Forward am 1. Mai mitgeteilt haben, dass die Franchise den auslaufenden Vertrag des 27-Jährigen nicht verlängern werde.

Auf den ersten Blick verwundert diese Entscheidung, hat er im Schnitt doch die viertmeisten Punkte für die Grizzlies in der Regular Season erzielt. Mit seinen 14,3 Zählern pro Spiel musste er sich nur hinter Ja Morant (26,2), Desmond Bane (21,5) und Jaren Jackson (18,6) einreihen. Auch seine 1047 Punkte insgesamt in der Regular Season bedeuten teamintern Rang vier.

Schaut man jedoch nur auf die Playoff-Serie gegen die Los Angeles Lakers, die das Team aus Memphis mit 2:4 verlor, erscheint die Entscheidung nicht nur nachvollziehbar, sondern fast schon zwingend geboten.

Dillon Brooks Weg der Selbstzerstörung

Den Auftakt zu seinem 21-tägigen Weg der Selbstzerstörung machte Brooks, der im Draft 2017 in Runde zwei von den Houston Rockets ausgewählt und dann sofort per Trade nach Memphis weitergeschickt wurde, am 11. April.

Die Grizzlies, als zweitbestes Team der Western Conference für die Playoffs gesetzt, warteten auf ihren Erstrundengegner. Dieser wurde im Play-in-Tournament zwischen den Los Angeles Lakers und Minnesota Timberwolves ermittelt. Schon damals konnte sich Brooks einen ersten Giftpfeil in Richtung der Lakers nicht verkneifen. Öffentlich tat er kund, dass er gegen den Rekordmeister spielen und diesen eliminieren wolle.

Nach einem unauffälligen ersten Spiel - die Lakers gingen in der Serie mit 1:0 in Führung - ging Brooks in Spiel zwei gegen Lakers-Superstar LeBron James in die Offensive. Bereits im dritten Viertel kam es nach einem Foulspiel von Brooks zu einem saftigen Wortwechsel zwischen dem Grizzlies-Akteur und James.

Nach dem Sieg legte Brooks sogar noch nach: „Es ist mir egal, dass er (LeBron James, Anm. d. Red.) alt ist. Wisst ihr, was ich meine?“, erklärte er vor US-Reportern. „Ich habe darauf gewartet. Ich habe erwartet, dass er das in Spiel vier oder fünf macht. Er wollte etwas sagen, als ich mein viertes Foul bekam. Er hätte das schon früher sagen sollen. Ich respektiere niemanden, bis sie kommen und mir 40 Punkte geben.“

Brooks gibt Medien und Fans die Schuld

In Spiel drei, erneut im dritten Viertel, musste Brooks nach einem Schlag in James‘ Unterleib dann vorzeitig unter die Dusche. Zu der Situation äußern wollte sich der Forward nach dem Spiel nicht. Mit einem Tag Abstand trat er jedoch vor die Kameras - und verblüffte mit einer Anklage gegen Medien und Fans.

„Die Medien machen mich zu einem Bösewicht, die Fans machen mich zu einem Bösewicht und das schafft einfach eine ganz andere Persönlichkeit für mich“, beschwerte er sich und fügte hinzu: „Jetzt denkt man also, ich wollte LeBron James in die Eier schlagen. Ich spiele Basketball. Ich bin Basketballspieler. Wenn man denkt, dass ich das getan habe, bedeutet das, dass ich für sie diese Art von Person bin.“

In den Spielen vier bis sechs hielt sich Brooks auf dem Feld zurück - zum Leidwesen der Grizzlies auch sportlich. Zudem weigerte er sich nach den Spielen, mit den Medien zu reden, was ihm ebenfalls zum Verhängnis werden sollte. Die NBA bestrafte ihn mit 25.000 Dollar, weil er die Ligaregeln bezüglich der Medienarbeit verletzt hat.

Laut dem Bericht von The Athletic war das aber nur noch ein Tropfen auf den heißen Stein. Das Aus bei den Grizzlies soll demnach schon nach Spiel zwei diskutiert worden sein, als er LeBron James öffentlich als alt abstempelte.

Draymond Green nennt Brooks einen „Clown“

Ironischerweise könnte sich damit nun auch eine Prophezeiung von Draymond Green bewahrheiten. Brooks, der mit 18 technischen Fouls in dieser Spielzeit nur knapp hinter Green (19 technische Fouls) liegt, hatte den Forward der Golden State Warriors während der Saison öffentlich angegriffen.

Green reagierte darauf mit einer verbalen Ohrfeige. „Er sagt, sein Spiel ist cool. Ehrlich gesagt zeigt das nur, wie wenig er über Basketball weiß. Und trotzdem läuft er herum und redet von einer Dynastie? Die Dynastie beginnt nach dir, nicht mit dir.“

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Zudem glaube er nicht einmal, dass seine Mitspieler ihn mögen würden. Sie würden es lieben, mit ihm zu spielen, wenn er sie zum Sieg führen könnte. „Aber das ist aktuell nicht der Fall, Champ“, knallte er Brooks entgegen, um dann noch einen draufzusetzen: „Du bist kein Champ. Du bist ein Clown.“

Geht es nach Green, könnte die Dynastie in Memphis, wo eine durchaus talentierte, junge Truppe versammelt ist, nach dessen Abgang nun starten.

Zukunft? Shaquille O‘Neal malt schwarz

Weniger erfolgreich scheint jedoch die Zukunft für den nun wohl Ex-Grizzly auszusehen - zumindest, wenn man Shaquille O‘Neal glauben darf. Die NBA-Legende sieht dessen grundsätzliche Zukunft in der Liga gefährdet. „Er hat nicht gut genug gespielt, um sich so zu verhalten. Jetzt wird er aus der Liga rausfliegen oder er muss sich selbst überprüfen, bevor er sich selbst ruiniert“, sagte der viermalige Meister und stellte die alles entscheidende Frage: „Wer wird ihn schon unter Vertrag nehmen?“

Diese Frage wird sich nun auch der Übeltäter selbst stellen. Mehrere Angebote für eine Vertragsverlängerung seitens der Grizzlies hatte der Kanadier während der Regular Season abgelehnt. in seinem auslaufenden Kontrakt bekam er in drei Jahren 35 Millionen Dollar in Memphis. Eine Summe, die er nach diesen ereignisreichen 21 Tagen wohl nicht mehr angeboten bekommt. Falls überhaupt ein neues Angebot eintrudelt.

Am gleichen Tag, als die Medien von seinem Aus in Memphis berichteten, zeigte Brooks wenig Einsicht. „So bin ich“, begründete er da immer noch sein Verhalten gegen LeBron James und die Lakers. „Ich werde einfach weiter ich selbst sein und besser werden in dem, was ich tue.“

Klingt nicht so, als wenn er in Zukunft an seinem Verhalten etwas ändern wolle.