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Die Selbstzerstörung eines NFL-Superstars

Die Selbstzerstörung eines NFL-Superstars

Le‘Veon Bell stand einst an der Spitze der Running-Back-Hackordnung. Spätestens nach seiner erneuten Entlassung hat die Karriere des ehemaligen Superstars seinen Tiefpunkt erreicht.
Ein 6-Jähriger Running Back sorgte mit einem spektakulären Touchdown-Lauf für Aufsehen. Sein unglaublicher Lauf erinnert an NFL- Star Derrick Henry.
Felix Kunkel
Felix Kunkel
von Felix Kunkel

Im Februar 2018 war Le‘Veon Bell ganz oben. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur NFL)

Der Running Back hatte mit den Pittsburgh Steelers gerade knapp das AFC-Finale verpasst, seinen dritten Pro Bowl in vier Jahren erreicht, mit knapp 2.000 Yards in nur 15 Spielen beeindruckt und dabei mit 85 Catches einen Steelers-Rekord aufgestellt. Mit Antonio Brown bildete er ein Star-Duo der Extraklasse.

Mehr als dreieinhalb Jahre später wurde er von den Baltimore Ravens entlassen und muss sich einmal mehr ein neues Team suchen. Es ist der nächste Tiefschlag in der Karriere des einstigen Superstars. Mehr noch: Insgesamt erlebte der 29-Jährige einen der schwersten Abstürze in der jüngeren NFL-Geschichte. (DATEN: Alle Tabellen der NFL)

Aber alles der Reihe nach: Bells Abstieg begann mit seinem unrühmlichen Ende bei den Steelers.

Bells Streik bei Pittsburgh Steelers als Anfang vom Ende

2016 bot ihm die Franchise eine Vertragsverlängerung über 60 Millionen Dollar an, doch der ehemalige Pro Bowler lehnte ab. Die Fronten verhärteten sich immer weiter, nachdem Bell Anfang 2018 zum zweiten Mal in Folge mit dem Franchise Tag - eine einjährige Teamoption, die sehr lukrativ bezahlt wird - belegt wurde.

Da der NFL-Profi jedoch ohne einen großen Vertrag keine langfristige Sicherheit garantiert hatte, entschied er sich für einen harten Schritt: Bell bestreikte die gesamte Saison 2018 und zerstörte damit die Grundlage für eine weitere erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Steelers. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der NFL)

Seine erfolgreichste Zeit erlebte Le'Veon Bell mit den Pittsburgh Steelers
Seine erfolgreichste Zeit erlebte Le'Veon Bell mit den Pittsburgh Steelers

Letztendlich gab die Franchise am Ende nach und ließ seinen Topstar im Frühjahr 2019 zum Nulltarif gehen. Bell hatte seinen Willen zwar durchgesetzt, doch einiges an Ansehen eingebüßt.

Jets-Wechsel von Beginn an zum Scheitern verurteilt

In der Folge erhielt er aufgrund seiner einjährigen Football-Abstinenz nicht die Angebote, die er sich erhofft hatte. Stattdessen nahm Bell das wahrscheinlich beste Angebot an, ohne wirklich darüber nachzudenken, ob es passte. So lockten ihn 52 Millionen Dollar für vier Jahre - weniger als er 2016 hätte haben können - zu den New York Jets.

Dort herrschte von Anfang an ein negatives Spannungsfeld zwischen Head Coach Adam Gase und der teuren Neuverpflichtung. Der Cheftrainer soll sich vehement gegen den hochdotierten Vertrag von Bell ausgesprochen haben. Gase hätte wohl lieber eine billigere Option auf dem Free-Agent-Markt verpflichtet.

Bell wiederum widersprach einigen Entscheidungen und Aussagen seines Coaches öffentlich auf Twitter. Im Dezember 2019 wurde er aufgrund einer Grippe für ein Spiel gesperrt. In diesem Zusammenhang sorgte er für Schlagzeilen, da er während seiner Erholungszeit auf einer Bowlingbahn gesichtet wurde. Auch bei Gase stieß diese Aktion selbstverständlich negativ auf.

Enttäuschungen, leere Versprechungen und der Kleinkrieg zwischen den beiden Akteuren führten schließlich zu Bells Entlassung bei den Jets am 13. Oktober 2020.

Bell nicht mehr Topform

Doch auch sportlich hatte der NFL-Profi auf ganzer Linie enttäuscht: In 17 Spielen schaffte er 873 Rush-Yards und drei Touchdowns (zusätzlich einen per Pass) - nur 3,3 Yards pro Lauf standen zu Buche. Dazu schaffte es Gase nicht, den ehemals besten Passfänger aller Running Backs gewinnbringend einzusetzen.

Bells Zeit bei den Jets erscheint im Rückblick wie ein Debakel mit Ansage. Trotzdem fand er nicht lange danach - am 17. Oktober 2020 - ein neues Zuhause bei den Kansas City Chiefs. Mit der erfolgreichen Franchise einigte sich Bell auf einen Einjahresvertrag.

Gleichwohl schaffte es Bell auch bei den Chiefs nicht, sich in den Vordergrund zu spielen und an seine Glanzzeit bei den Pittsburgh Steelers anzuknüpfen. Sein letztes Match für Kansas City am 17. Januar spricht Bände: Gegen die Browns hatte Bell nur zwei Carries für insgesamt sechs Yards.

Nach insgesamt neun mageren Einsätzen, kam er den Rest der Postseason nicht mehr zum Einsatz. Den Super Bowl LV verlor das Team um Patrick Mahomes ohne Bell.

Bei den Kansas City Chiefs spielte Bell zunehmend keine wichtige Rolle
Bei den Kansas City Chiefs spielte Bell zunehmend keine wichtige Rolle

Bell tritt gegen Chiefs-Coach nach

Wer danach dachte, das Chiefs-Kapitel sei für Bell final abgeschlossen, der irrte sich gewaltig. Im Juni dieses Jahres sorgte der Free Agent mal wieder für Schlagzeilen.

„Ich werde nie wieder für Andy Reid spielen. Da würde ich eher in Rente gehen“, twitterte Bell höchstpersönlich. Seine negativen Emotionen gegenüber Reid, der auch heute noch die Chiefs als Head Coach anführt, seien aufgrund seines „persönlichen Problems“ mit dem 63-Jährigen entstanden, führte der Running Back aus.

So katapultierte sich Bell einmal mehr mit kritischen Aussagen ins Abseits. Im Falle von Reid waren seine Worte umso schwerwiegender, da der Coach in der gesamten Liga extrem hoch angesehen wird.

Nächste Entlassung bei Baltimore Ravens

Dieses Mal dauerte es auch etwas länger, bis Bell nach monatelangem Warten mit den Ravens im September ein neues Team fand. Zunächst unterschrieb er dort für das Practice Squad. Im Oktober wurde er in den aktiven Kader von Baltimore berufen und kam auch wieder in der NFL zum Einsatz.

Letztlich ereilte ihn bei den Ravens das gleiche Schicksal, wie bei seinen zwei vorherigen Stationen, den Jets und Chiefs: Sportlich konnte Bell nicht mehr an alte Höchstleistungen anknüpfen. Jüngst erfolgte die Quittung: Nach nur fünf Einsätzen ist Bells Zeit in Balitmore schon wieder beendet. „Es tut weh, aber es war ein Segen, hier zu sein“, schrieb er auf Twitter.

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Der einstige Superstar hat in den vergangenen Jahren mit seinen Aktionen auf und neben dem Feld bewiesen, dass er immer noch eine Stufe tiefer fallen kann. Seine Reputation hat er so über die Jahre völlig zerstört.

Andere NFL-Teams werden es sich gut überlegen, den 29-Jährigen und sein Ego unter Vertrag zu nehmen.

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