Drake Maye nahm seine Beine in die Hand und lief auf dem Weg in Richtung linker Außenlinie um sein Leben - oder besser gesagt: um den Super Bowl. Knapp zwei Minuten vor dem Ende des AFC Championship Games bei den Denver Broncos sprintete der Quarterback in der NFL zu den benötigten sechs Yards und trug sein Team durch einen 10:7-Sieg ins NFL-Endspiel.
Ist er wirklich schon ein wahrer Superstar?
Wirklich schon ein wahrer Superstar?
Doch vor dem größten Spiel seiner Laufbahn gegen die Seattle Seahawaks scheiden sich an Maye noch die Geister. Ist er schon ein wahrer Superstar oder einfach nur der Nutznießer glücklicher Umstände?
NFL: Vor dem Super Bowl gibt es Zweifel an Maye
Denn Statistiken wie aus der Partie gegen die Broncos lassen auf den ersten Blick durchaus Fragen offen. Der Spielmacher kam nur auf eigentlich miserable 81 Pass-Yards, steuerte aber auch 65 Yards durch Läufe bei und kam so zu einem Touchdown.
Eigentlich nicht die Werte eines Superstars, eines Franchise-Quarterbacks, der sein Team ins größte Spiel der Saison geführt hat. Es sind Zahlen, für die so manch anderer Quarterback von den Experten zerrissen werden würde. Dass Maye das nicht passierte, lag vor allem am Blizzard in Denver, bei dem Football kaum mehr möglich war. Aber grundsätzliche Zweifel verfolgen ihn schon die ganze Saison.
Denn Maye wird vor allem von den Fans seiner eigenen Franchise schon als Superstar gesehen und mit Gesängen als MVP gefeiert. Immerhin leitete der Passgeber in seiner erst zweiten Saison in der Liga die Auferstehung des Giganten an.
Maye beerbt Legende Brady bei New England Patriots
Nach dem Abschied von Tom Brady im Jahr 2020 fand man keinen Quarterback-Nachfolger mit der nötigen Qualität. Der Champion von 2001, 2003, 2004, 2014, 2016 und 2018 war seit 2021 nicht mehr in den Playoffs. Zwischen 2022 und 2024 steht eine Bilanz von 16:35 zu Buche.
Doch dann wendete sich das Blatt dank Maye. In der Offensive führte der Quarterback zu Beginn ganz unspektakulär sein Team an. In seiner zweiten Spielzeit stieg er dennoch zahlentechnisch zu den Superstars auf und überzeugte mit 4.394 Yards, 31 Touchdowns und nur acht Interceptions.
Das große Spektakel wie Patrick Mahomes oder Aaron Rodgers bietet Maye dabei nicht, obwohl auch er präzise tiefe Pässe im Repertoire hat. Und kaum ein Spielmacher leistete sich auch so wenig Fehler wie Maye.
Brady: „Ich liebe Drake Maye“
Deshalb ist er sogar ein ernsthafter Kandidat für die Wahl zum MVP der Liga. „Ich sage aber, es wird Matthew Stafford”, sagte ausgerechnet Vorgänger und Legende Tom Brady zuletzt bei Fox.
Der größte Quarterback aller Zeiten fügte aber an: „Ich liebe Drake Maye. Er hat jede Chance genutzt, die sich ihm bot. Die Zusammenarbeit mit Offensive Coordinator Josh McDaniels war großartig, und McDaniels hat Drakes Potenzial hervorragend erkannt.“
Warum die Zweifel an Maye trotzdem so groß sind
Zur Wahrheit gehört aber auch: Die Patriots hatten einen der leichtesten Spielpläne. Die Gegner hatten in der vergangenen Saison eine Bilanz von 124:165 zu Buche stehen. Nur zwei Mannschaften erwischten auf dem Papier einen noch besseren Plan. Von den Topteams ging es nur zwei Mal gegen die Buffalo Bills. Mit den Pittsburgh Steelers und den Carolina Panthers erreichten nur zwei weitere Gegner die Playoffs.
Und zwei der insgesamt nur drei Niederlagen in der regulären Saison gab es eben gegen die Bills und Steelers. Auch die Siege in den Playoffs gegen die schwachen Chargers und die offensiv überforderten Texans ließen Fragen offen. Auch gegen die Broncos konnte Maye aufgrund der Witterungen nicht glänzen.
Trotzdem hat er auch alle begünstigenden Umstände eiskalt ausgenutzt, während viele andere Teams und Stars gute Ausgangslagen vergaben. So ist Maye der zweitjüngster Starting-Quarterback jemals in einem Super Bowl. Im Gegensatz zu Brady hat er sogar nun ein Playoff-Spiel in Denver gewonnen - das schaffte New England in seiner Franchise-Geschichte noch nie.
Parallelen zu Brady sind da
Ohnehin werden längst Parallelen zu Brady gesucht - und gefunden zu. Auch der legendäre Quarterback schaffte in seinem zweiten Jahr damals den Sprung in den Super Bowl, spielte recht emotionslos, nutzte jede Chance und wurde dann Meister. Bei Brady folgten sechs weitere Ringe.
Das dürfte Maye wohl kaum schaffen. Aber eine Ära trauen ihm viele dennoch zu. Nun gab es kurz einen Schock für alle Patriots-Fans. Einen Tag vor dem Start der Trainingswoche meldeten die New England Patriots ihren Quarterback auf dem obligatorischen, lediglich formellen Injury Report, als „limited“ aufgrund einer lädierten rechten Schulter.
In seiner wöchentlichen Radioshow auf WEEI stellte Maye dennoch klar: „Mir geht’s gut. Ich gönne mir einfach etwas Extra-Ruhe.“ Der Krönung steht also nichts im Weg.