Sven Hannawald nimmt bekanntlich kein Blatt vor den Mund, wenn es um Regelverstöße beim Skispringen geht. Der Tournee-Sieger von 2002 ging in der Talk-Sendung Riverboat im MDR erneut hart mit all jenen ins Gericht, die es mit der Fairness nicht so genau nehmen.
Skispringen: Hannawald wettert gegen Betrüger - "Gibt zwei, drei ganz Schlaue"
Hannawald: „Schmeiß sie raus“
„Am Ende leidet der Sport, den ich geliebt habe. Und ich hasse es, wenn es dann darum geht, das sei alles Beschiss, das sei Doping, das sei wie im Radsport. Da könnte ich im Strahl kotzen“, redete der Ex-Skisprung-Star Tacheles.
Hannawald ist der Meinung, dass hart durchgegriffen werden müsse und schon die kleinsten Regelverstöße geahndet gehören. „Du musst strikt sein. Jeder Millimeter zählt, auch wenn es um Stoff geht. Schmeiß sie raus!“, so sein klarer Appell an die verantwortlichen Kontrolleure der FIS.
Hannawald kritisiert Unbelehrbare: „Meinen, den Kasper spielen zu können“
Die deutsche Skisprung-Ikone ist zwar der Meinung, dass sich unter dem neuen Chefkontrolleur Matthias Hafele vieles zum Besseren gewandt habe, jedoch habe noch nicht jeder verstanden, dass die Stunde geschlagen hat.
„Es gibt noch zwei, drei ganz Schlaue, die meinen, den Kasper spielen zu können“ wetterte er. „Aber die haben sie jetzt auch rausgeschmissen, Timi Zajc ist ein aktuelles Beispiel. Der hat zwei Wettbewerbe bei der Tournee gar nicht gesehen. Es gibt endlich einen Kontrolleur, der durchzieht, auch wenn gewisse Dinge weiter schwierig sind“, lobte er die konsequente Herangehensweise.
Zajc war beim Tournee-Auftakt in Oberstdorf disqualifiziert worden, weil sein Anzug um drei Millimeter vom erlaubten Maß abgewichen war. Der Slowene kündigte darauf frech an, seinen Anzug vor dem nächsten Wettkampf ein wenig stretchen zu wollen, damit beim nächsten Wettkampf alles in Ordnung sei. War es allerdings nicht. Zajc wurde auch beim Neujahresspringen von Garmisch-Partenkirchen disqualifiziert.
„Da habe ich zwei Worte für: respektlos und dumm! Das beschreibt genau das, was dieser Typ ist. Ich weiß gar nicht, wie er denkt oder wie er aufgewachsen ist“, hatte Hannawald den Slowenen bei SPORT1 hart kritisiert.
Hannawald erinnert sich an Manipulationen mit Plastik in der Unterhose
Die Betrugsdebatte im Skispringen ist vor allem seit der Anzugmanipulation der Norweger bei der WM 2025 am Kochen. Hannawald merkte jedoch an, dass bei der Messung des Schrittmaßes schon „seit zehn Jahren“ manipuliert werde. „Mit Plastik in der Unterhose beispielsweise. Das war das Problem, dass es Möglichkeiten gab, das Schrittmaß zu verändern“, führte der 51-Jährige aus.
Hannawald war in der Vorsaison einer der ersten, der Auffälligkeiten beim Material mancher Springer bemerkt und in seiner Experten-Funktion in der ARD zur Sprache gebracht hat. „Ich hatte bereits so einen Hals und habe intern alle genervt“, schilderte Hannawald in Bezug auf die norwegischen Springer.
Wie er nun verriet, haben seine Ausführungen auch bei einigen Trainern Zustimmung gefunden. „Die haben gesagt: ‚Es ist offensichtlich, dass da etwas ist, aber wir wissen es nicht genau‘“, verriet er.
Zu diesem Zeitpunkt sei aber generell einfach noch nicht scharf genug durchgegriffen worden, obwohl es die Regularien hergegeben hätten. „Die Anzüge jetzt sind die gleichen wie vor zwei Jahren. Damals hat man aber noch eine lange Leine gelassen. Ich weiß nicht, warum, aber es war so“, erklärte Hannawald.
Der Knall bei der Nordischen Ski-WM brachte die Wende.