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WWE: "Die Leute waren so enttäuscht, dass es wehtut - was will man mehr?"

WWE-Topstar spricht exklusiv

Der österreichische Wrestler Gunther ist bei WWE zum Topstar aufgestiegen - und hat mit seinem vieldiskutierten Sieg im Abschiedsmatch von Megastar John Cena das nächste Level erreicht. Vor der aktuellen Deutschland-Tour spricht er im exklusiven SPORT1-Interview.
Gunther zählt mittlerweile zu den größten Stars bei WWE
Gunther zählt mittlerweile zu den größten Stars bei WWE
© WWE
Der österreichische Wrestler Gunther ist bei WWE zum Topstar aufgestiegen - und hat mit seinem vieldiskutierten Sieg im Abschiedsmatch von Megastar John Cena das nächste Level erreicht. Vor der aktuellen Deutschland-Tour spricht er im exklusiven SPORT1-Interview.

Beim Wrestling-Imperium WWE stehen deutsche Festtage an - und er spielt dabei eine zentrale Rolle.

Der österreichische Ausnahmewrestler Gunther hat sich mittlerweile zu einem der absoluten Topstars bei der globalen Showkampf-Liga entwickelt: Erst vor wenigen Wochen durfte er in seinem bislang größten und meistbeachteten Match Megastar John Cena in dessen letztem Kampf nicht nur besiegen, sondern auch zur Aufgabe zwingen.

Auf dem Weg zum Traditionsevent Royal Rumble am 31. Januar steht für den „Ringgeneral“ aus Wien nun das nächste Highlight an: Im Rahmen der am Donnerstag in Leipzig beginnenden Deutschland-Tournee gastiert die TV-Show Friday Night SmackDown am Freitag in Berlin, Monday Night RAW am Montag in Düsseldorf - Gunther trifft dort auf Cenas alten Rivalen AJ Styles, eine weitere lebende Legende auf den letzten Karriere-Metern.

Im exklusiven SPORT1-Interview spricht Gunther (bürgerlich: Walter Hahn) über seine steile WWE-Karriere, die große Fanwut über das Ende des Cena-Matches - und darüber, warum er mit 38 noch immer rund zehn gute Jahre im Ring vor sich sieht.

WWE-Star Gunther: „Wie der Typ, der den Waldbrand ausgelöst hat“

SPORT1: Ihr WWE-Jahr 2025 endete mit einem der inzwischen wohl meistdiskutierten Momente der WWE-Geschichte. Wie haben Sie die enorme Welle der Emotionen und auch Kritik am Ende Ihres Matches mit John Cena erlebt?

Gunther: Ich fühle mich so ein bisschen wie der Typ, der den Waldbrand ausgelöst hat - und jetzt sitze ich auf dem Hügel und gucke mir das Chaos an. Es macht auf jeden Fall Spaß, das zu erleben. Das ist das Größte, was ich bisher in meiner Karriere gemacht habe. Ich hatte nie mehr Aufmerksamkeit und Wirbel. Darüber bin ich sehr zufrieden.

SPORT1: Waren Sie überrascht, wie krass die Reaktionen waren? John Cena hatte ja nicht zum ersten Mal ein großes Match verloren - und es ist ja eigentlich üblich, dass der scheidende Star die Fackel weiterreicht. Wie erklären Sie sich das Ausmaß der Emotionen?

Gunther: Das ist eine gute Frage. Es stimmt, John Cena war immer jemand, der bereit dafür war, die nächste Generation ein bisschen zu „elevaten“. Und ich glaube, gerade deshalb war er in seinem letzten WWE-Jahr nicht immer siegreich. Ich glaube, auch deshalb dachten und wünschten sich die Leute umso mehr, dass er sein letztes Match gewinnen sollte. Aber gerade von solchen Momenten, in denen es anders kommt, lebt Wrestling halt auch. Es war schon immer Teil des Ganzen: dieses Diskutieren und Sich-Aufregen über Dinge, die einem nicht gefallen. In diesem Sinne war richtig, was passiert ist. So etwas Kontroverses brauchen wir auch.

SPORT1: Legende Jeff Jarrett hat Cenas Abgang mit einem Film verglichen, in dem der Held am Ende stirbt, aber mit einem Lächeln auf dem Gesicht - quasi Obi-Wan Kenobi in Star Wars, als ihn im Kampf gegen Darth Vader die Kraft verlässt, er aber weiß: Luke Skywalker ist bereit zu übernehmen. Entscheidende Frage natürlich jetzt: Sind Sie lieber Darth Vader oder Luke Skywalker?

Gunther: Darth Vader, auf jeden Fall (lacht). Ich fühle mich wohl in der Rolle. Aber genau um solche Gedanken geht es auch: Es ist schön, Momente zu schaffen, die so etwas auslösen, die man so oder so auslegen kann, die Leute diskutieren und interpretieren zu lassen. Gerade John Cena ist auch jemand, der es zu einer gewissen Meisterschaft darin gebracht hat, einen Nährboden zu schaffen für Fan-Diskussionen. Dass die Leute geradezu philosophisch an seine Dinge herangehen und überlegen: Was wollte er jetzt damit sagen? Das ist schon eine Top-Sache!

John Cenas letztes Match: „Genau das war das Ziel“

SPORT1: Haben Sie das Gefühl, hier gerade einen Jackpot geknackt zu haben, der größer ist als alle vorher gedacht hätten?

Gunther: Ganz überraschend kam das alles jetzt nicht - es war ja letztlich das Ziel, genau so etwas zu erreichen. Als Cena aufgegeben hat, war die Halle plötzlich leise. Es war, als hätte jemand die ganze Energie aus der Halle gezogen. Was will man mehr? Wenn man die Leute so richtig enttäuscht zurücklässt, dass es wehtut. Genau das will man in solchen Momenten erreichen.

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SPORT1: Sie haben im Vorfeld des Matches gesagt, dass Sie John Cena früher aus Fansicht nicht gemocht hätten.

Gunther: Absolut nicht (lacht). Ich habe mit 17 angefangen zu trainieren. Davor habe ich lange kein Wrestling geschaut. Ich habe mir damals Kassetten aus der Zeit um 2002 besorgt, da fand ich WWE am besten. Dann kam die Cena-Phase, und ich habe WWE jahrelang nicht mehr verfolgt. Deswegen habe ich da ein großes Wissensloch von fünf, sechs oder sieben Jahren. Als junger Kerl habe ich mir gedacht: Was will ich mit dem? Jetzt - mit einem anderen Blick und Respekt für das, was er geleistet hat - sein letzter Gegner gewesen zu sein: surreal.

SPORT1: Ihre Karriere begann im Jahr 2005, als John Cena zum ersten Mal WWE-Champion geworden war. Während Cena in den USA Stadien füllte, kämpften Sie in kleinen Ligen, wie für wXw in Deutschland, vor einigen hundert Leuten in kleinen Hallen. Nun sind Sie mit einem Sieg über Cena ganz oben angekommen. Hätten Sie sich das je träumen lassen?

Gunther: Ja, damit war nicht unbedingt immer zu rechnen. Ich bin auch jetzt ja nicht in genau derselben Position wie John Cena damals, ich repräsentiere eigentlich null den klassischen WWE-Wrestler – eher das komplette Gegenteil. Aber dass ich bei WWE gelandet bin, ist auch Teil der Vision von Triple H (der für die kreative Ausrichtung zuständige Ligavorstand „Triple H“ Paul Levesque, d. Red.), wie sich das Produkt unter ihm verändern sollte. In diesem Sinne war es quasi die ultimative Fackelübergabe, dass ich es war und nicht irgendein junges, hungriges Talent aus dem WWE-System.

SPORT1: Der ehemalige WWE-Champion The Miz hat Sie gerade „die Zukunft von WWE“ genannt. Ist es schön, mit 38 noch die Zukunft sein zu können?

Gunther: Ganz ernsthaft: Wer sich über diese Aussage wundert, sollte sich die Entwicklung der Branche ansehen. Im Zentrum des aktuellen WrestleMania-Posters stehen vier Stars (Cody Rhodes, Roman Reigns, Brock Lesnar, CM Punk, d. Red.), von denen der jüngste 40 ist, andere deutlich drüber. Man ist da nicht mehr zu alt - was auch damit zu tun hat, dass die Wrestler von heute schlauer geworden sind, was Fitness und Gesundheit angeht. Im Fußball und anderen Sportarten werden Athleten ja auch älter. Ich für meinen Teil kann das auf jeden Fall noch zehn Jahre machen.

SPORT1: Triple H hat Cenas Niederlage unter anderem damit begründet, dass es das Ziel jedes Wrestlers sein sollte, den Ort, den er zu Beginn seiner Karriere vorgefunden hat, als einen besseren Ort zu verlassen. Ist das auch Ihre Einstellung?

Gunther: Ja, das sehe ich genauso. Auch bei wXw oder auch davor, in der deutschsprachigen und europäischen Szene, war es mir immer wichtig, etwas zu hinterlassen. Bei WWE ist das Ziel dasselbe - aber man muss auch beachten, dass man erst einmal in die Position kommen muss, um die Reichweite und Wirkung zu haben, um wirklich ein Statement setzen zu können. Ich glaube, dass ich da auf einem guten Weg bin.

SPORT1: Dass ein deutschsprachiger Österreicher oder generell ein sehr vom europäischen Stil beeinflusster Wrestler so weit oben bei WWE steht, war bis vor einigen Jahren auch so noch nicht vorstellbar. Macht es Sie stolz, diese Pionierrolle einzunehmen?

Gunther: Ja, auf jeden Fall. Das, was jetzt passiert ist, war früher quasi „unheard of“, gerade für einen deutschsprachigen Wrestler. Zuerst kam Cesaro, und jetzt bin ich der Nächste, der es so weit geschafft hat. Ich hoffe auch, dass damit langfristig eine Tür aufgestoßen ist. In Europa gibt es mehr als genug richtig gute Talente. Wenn ich mit meiner Leistung zeigen kann, dass es sich lohnt, dorthin zu schauen und mit den Leuten von dort zu arbeiten, würde mich das freuen.

Undertaker? „Unterhalten uns immer ein bisschen“

SPORT1: WWE-Legende The Undertaker schätzt Sie sehr, hat Sie als zeitlos beschrieben, als jemanden, der in jede Ära passt. Aktuell ist er hinter den Kulissen der Liga aktiv. Wie ist der Austausch mit ihm?

Gunther: Er ist öfter präsent. Wenn wir uns sehen, unterhalten wir uns immer ein bisschen. Es ist cool, die Chance zu haben, auf jemanden wie ihn und so einen Wissensschatz zurückgreifen zu können. Das findet man in diesem Ausmaß nur bei WWE.

SPORT1: Was haben Sie sich für die kommenden Deutschland-Shows vorgenommen?

Gunther: Viel. Die Deutschland-Tour ist immer ein Highlight. Ich liebe unsere Europa-Touren und freue mich auch auf die Live-Events in Leipzig und Mannheim (13. Januar, d. Red.). In Mannheim waren wir noch nie. Ich bin gerade jetzt sehr gespannt auf die Reaktionen der deutschen Fans. John Cena ist in Deutschland natürlich sehr hoch angesehen. Jetzt wird sich zeigen, wo die Loyalität liegt (lacht).

SPORT1: Anderes Thema: Ihr Lieblings-Fußballverein in Deutschland ist der FC Schalke 04, für den es aktuell unter Miron Muslic bestens läuft. Wie haben Sie das letzte halbe Jahr als Schalke-Fan erlebt?

Gunther: Prima Sache, dass es da ganz gut läuft aktuell. Ich muss aber dazusagen: Von den USA aus sehe ich die Spiele kaum live, meist nur die Highlights. Ein Kumpel von mir geht aber fast zu jedem Heimspiel und hält mich auf dem Laufenden. Im Moment ist er sehr zufrieden ...