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Die deutsche Mixed-Staffel hat bei der EM völlig überraschend Gold geholt
Die deutsche Mixed-Staffel hat bei der EM völlig überraschend Gold geholt © Getty Images
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München - Bei der EM glänzen die deutschen Schwimmer mit mehreren Medaillen. Im SPORT1-Interview schätzt Ex-Weltmeister Mark Warnecke ein, wie die Erfolge zu bewerten sind.

Jahrelang wurden die deutschen Schwimm-Fans verwöhnt. Franziska van Almsick, Paul Biedermann, Britta Steffen – eine Medaille nach der anderen konnte bejubelt werden. Doch diese Zeiten sind lange vorbei.

Bei den Olympischen Spielen 2012 und 2016 gab es nicht einen einzigen Podestplatz. Für den Deutschen Schwimmverband ein Debakel. Als Bundestrainer Henning Lambertz diverse Änderungen vornahm, prasselte ein wahrer Monsun an Kritik auf ihn ein.

Von all dem ist bei der Europameisterschaft in Glasgow nichts mehr zu spüren. Die deutschen Schwimmer holen fleißig Medaillen und präsentieren sich in guter Form. Die Mixed-Staffel durfte sich über die 4x200 m genauso über Gold freuen wie Florian Wellbrock über die 1500 m Freistil. (Zeitplan der European Championships)

Warnecke relativiert Erfolge

Ist der Höhenflug der deutschen Mannschaft nur eine Momentaufnahme, oder befindet sich das Team wieder auf dem Weg zurück in die Weltspitze?

Mark Warnecke (m.) wurde 2005 Weltmeister über 50 m Brust
Mark Warnecke (m.) wurde 2005 Weltmeister über 50 m Brust © Getty Images

Der mehrfache Kurzbahn-Weltmeister Mark Warnecke schätzt im SPORT1-Interview die Situation beim DSV ein und tritt auf die Euphoriebremse.

"Die EM ist nicht ganz so hochkarätig besetzt, deswegen sind die Leistungen ein wenig verzerrt. Man muss die Zeiten immer im weltweiten Vergleich sehen", relativiert der 48-Jährige.

Bundestrainer Henning Lambertz ist ähnlicher Meinung. "Wir müssen realistisch sein, dass viele Zeiten, die hier für ein Finale gereicht haben, auf Weltniveau gegen Amerika, Australien, Japan und China nicht reichen", sagte Lambertz: "So blind sind wir trotz der ganzen Euphorie nicht." Eine ähnliche Bilanz wie in Glasgow auch bei der WM und Olympia zu erwarten, wäre "fatal". 

EM als Wendepunkt nutzen

"Die deutschen Schwimmer haben einen Schritt nach vorne gemacht, sie müssen aber noch einiges tun, um wieder in die Weltspitze vorzudringen", ist sich Warnecke sicher.

Dafür muss die EM als eine Art Wendepunkt genutzt werden. "Die Wettkämpfe in Glasgow sind ein guter Startpunkt, auch für den Verband, um in Ruhe weiterzumachen, sodass wir in ein bis zwei Jahren mit einer noch stärkeren Mannschaft antreten können."

Die Kritik der vergangenen Jahre an Verband und Strukturen lässt Warnecke zwar gelten, die eigentlichen Probleme wurden seiner Meinung nach aber übersehen.

Hoffnung auf neue Erfolge

"Die deutschen Schwimmer haben sich in den letzten Jahren stetig weiterentwickelt, im Vergleich zur internationalen Konkurrenz aber zu langsam. Einige Sportler sind Bestzeiten geschwommen, die haben aber nicht ausgereicht", so der 48-Jährige.

Dennoch dürfen sich die Schwimm-Fans Hoffnung auf neue Erfolge machen.

Florian Wellbrock wurde über die 1500 m Freistil Europameister
Florian Wellbrock wurde über die 1500 m Freistil Europameister © Getty Images

In der jungen Generation befinden sich laut Warnecke einige vielversprechende Talente, die den Sprung in die Weltspitze schaffen können.

Auch die gute Stimmung im Team tut ihr Übriges. "Man merkt, dass diese EM richtig gut tut. Man sieht schon deutlich mehr lachende Gesichter, als in den letzten Jahren", so der Ex-Schwimmer.

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