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Rafael Nadal hat schon zwölf Mal die French Open gewonnen
Rafael Nadal hat schon zwölf Mal die French Open gewonnen © Getty Images
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München - Die Verschiebung der French Open wirft für Rafael Nadal bei seiner Rekordjagd drei Möglichkeiten auf - doch keine einzige davon erscheint allzu erfolgsversprechend.

Es war nicht anders denkbar: Derzeit pausiert auch die Tour der Tennis-Profis wegen des Coronavirus. Bis zum 26. April werden keine Turniere ausgetragen. Ob die Saison danach sofort fortgesetzt werden kann, steht in den Sternen.

Mehr noch: Der nächste Turnier-Höhepunkt liegt in weiter Zukunft - erst am 29. Juni soll in Wimbledon das nächste Grand-Slam-Spektakel beginnen. Was auch bedeutet: Die ursprünglich für Mai geplanten French Open, die am Dienstag verlegt wurden, sollen nun erst vom 20. September bis 4. Oktober stattfinden.

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Bemerkenswert dabei: In Paris hätte Rafael Nadal die große Chance, nicht nur zum 13. Mal das prestigeträchtigste Sandplatzturnier der Welt zu gewinnen, sondern damit auch in der ewigen Liste der Grand-Slam-Sieger mit 20 Triumphen mit Roger Federer gleichzuziehen.

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Nadal: "Es kann viel passieren"

Im Klartext: Die French Open 2020 wären die große Chance für den Mallorquiner - zumal auf seinem sandigen Lieblingsbelag - sich als Rekord-Grand-Slam-Sieger in den Geschichtsbüchern zu verewigen. Wer weiß, was danach passiert - denn auch der 33-Jährige spürt den zunehmenden Verschleiß an seinem Körper.

Kein Wunder also, dass vor allem Nadal die French-Open-Absage besonders trifft: Schon nach seinem Sieg im vergangenen Jahr bei den US Open hatte der Dauerbrenner mit Skepsis erklärt: "Wie lange ich noch auf dem Platz stehen werde, weiß ich nicht. Es kann viel passieren."

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Zur Erinnerung: Bei den Australian Open im Januar schied er bereits im Viertelfinale gegen den Österreicher Dominic Thiem aus. In 14 Profi-Jahren zuvor war Nadal nur ein einziges Mal derart vorzeitig auf der Strecke geblieben. Und: Sein bislang einziger Sieg Down Under liegt schon elf Jahre zurück.

Nadal wartet seit zehn Jahren auf Wimbledon-Sieg

Auch in Wimbledon konnte sich Nadal seit zehn Jahren nicht mehr in die Siegerlisten eintragen, wenngleich er noch dreimal mindestens das Halbfinale erreichte.

Ausgerechnet die US Open - jenes Grand-Slam-Turnier, das er zuletzt gewinnen konnte - sind nun der größte Hoffnungsschimmer, baldmöglichst die magischen 20 Grand-Slam-Triumphe zu erreichen. Hier triumphierte er zweimal während der vergangenen drei Ausgaben.

Nur acht Tage nach dem Finale in Flushing Meadows am 12. September soll dann - Stand jetzt - Nadals Lieblingsturnier beginnen mit den French Open - er könnte also in nur einem guten Monat Dauerrivale Roger Federer ein- und danach überholen.

Die Realität sieht jedoch anders aus - die Verlegung von Roland Garros stellt Nadal vor ein riesiges Dilemma.

Denn: Regelmäßig stoppen den Spanier nach dem Hartplatz-Turnier in New York Knieprobleme, sodass er danach eine Pause einlegen muss oder angeschlagen weiterspielt. Zudem ist Hartplatz-Experte Novak Djokovic aktuell so stark wie seit Jahren nicht mehr - und daher auf jedem derart gearteten Untergrund der klare Favorit. Außerdem ein Faktor: Mit 17 Grand-Slam-Siegen ist der Serbe zudem ebenfalls nicht mehr weit zurück.

Seit 2015 hat Djokovic zehn Grand-Slam-Turniere gewonnen und damit doppelt so viele wie Nadal im selben Zeitraum.

Drei Möglichkeiten für Nadal

Nadal hat also drei Möglichkeiten - keine davon erscheint aktuell ratsam.

Geht der 33-Jährige bei den US Open aufs Ganze, ist es wahrscheinlich, dass ihn sein Körper anschließend bei den French Open im Stich lässt. Außerdem ist wegen der Hartplatz-Dominanz von Djokovic ein Triumph in Big Apple alles andere als sicher.

Und trotzdem: Ein freiwilliger Verzicht auf die US Open zugunsten der French Open wäre angesichts seiner höchst erfolgreichen jüngeren Vergangenheit ebenfalls wenig clever, weil Nadal einen weiteren Grand-Slam-Sieg verschenken und Djokovic die Chance zur Aufhoiljagd somit auf dem Silbertablett präsentieren würde.

Am unwahrscheinlichsten - Variante 3 - erscheint die Fokussierung auf die US Open und das freiwillige Abschenken in Paris - zu dominant und zu erfolgreich war Nadal dort zuletzt aufgetreten, um sich die Möglichkeit eines Turniersiegs nehmen zu lassen.

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Nadal muss also mehr denn je um seine Chance bangen, in Kürze Tennis-Geschichte zu schreiben.

Werden US Open verschoben?

Immerhin: Einen kleinen Hoffnungsschimmer könnte die Erklärung der US-Open-Bosse bedeuten, die eine Verlegung auf einen späteren Zeitpunkt diskutieren.

"Es sind beispiellose Zeiten, und wir prüfen all unsere Optionen, einschließlich der Möglichkeit, das Turnier auf einen späteren Zeitpunkt zu verlegen", teilten die Organisatoren des Major-Turniers in New York am Mittwochvormittag mit.

Allerdings ist zu bedenken: Weil die French Open erst im Oktober enden und das ATP-Finale bereits Mitte November beginnt, stünde kein großer Zeitraum für eine Verschiebung zur Verfügung - und damit für Nadal ebenso wenig die Möglichkeit zur dringend nötigen Rehabiliation seines altgedienten Körpers.

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