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© SPORT1-Montage: Marc Tirl/Getty Images/iStock
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München - Nach dem Playoff-Aus steht die Zukunft der Stars bei den Philadelphia 76ers in den Sternen. Auch um den Trainer gibt es Diskussionen. Interne Reibereien sorgen für Ärger.

Am Ende war es einfach Pech: Viermal klatschte der Basketball nach dem Wurf von Raptors-Superstar Kawhi Leonard auf den Ring, ehe er doch noch den Weg durch das Netz fand.

Für die Philadelphia 76ers war dieser Buzzerbeater gleichbedeutend mit dem Playoff-Aus. Bei Sixers-Superstar Joel Embiid flossen bittere Tränen – wie im Vorjahr scheiterte man kurz vor den Conference Finals.

Obwohl man vor drei Jahren noch eine Saisonbilanz von 10:72 hatte, sind in Philadelphia alle enttäuscht. Denn mit Ben Simmons, J. J. Redick, Jimmy Butler, Tobias Harris und Joel Embiid haben die 76ers die talentierteste Starting Five im Osten.

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Doch nun könnte das Team auseinanderfallen. Es ist sogar möglich, dass von den sechs prägenden Figuren der Franchise - die fünf Starter plus Trainer Brett Brown - in der kommenden Saison nur noch einer übrig ist.

Zukunft von Trainer Brown ungewiss

Im Gegensatz zu einigen seiner Spieler hat Coach Brown zwar einen gültigen Vertrag für die nächste Spielzeit, doch seine Zukunft ist mehr als ungewiss. Bereits vor Spiel 7 gegen Toronto berichtete Marc Stein von der New York Times, dass Brown nur ein Sieg den Job retten könnte.

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Das passt zu der Aussage, die Co-Besitzer Josh Harris im März getroffen hat: "Wir wollen in den Playoffs zumindest weiter kommen als vergangenes Jahr." Er fügte hinzu, dass er "unzufrieden" wäre, wenn dies nicht passiert. (Service: Spielplan der NBA im SPORT1-Datencenter)

Zwar haben die Sixers mit Spiel 7 der zweiten Runde zwei Spiele mehr geschafft als in der Vorsaison - doch die Zielvorgabe von Harris dürfte dies kaum erfüllt haben. "Über so ein Zeug haben wir intern viel gesprochen. Der Klub kann darauf antworten", wich Brown der Frage nach seiner Zukunft in Philadelpia aus.

Das tat er am Montagabend und sprach Brown nach einem Appell von Embiid sein Vertrauen aus.

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Ego der Superstars nervt Brown

Die Egos der Superstars, vor allem von Embiid und Butler, zu managen, wird eine Herkulesaufgabe bleiben. "Meine Rolle als Ober gefällt mir nicht unbedingt. Ich muss jedem Einzelnen sein Essen bringen", zeigte sich Brown schon einmal genervt davon.

Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass Philadelphia nächste Saison mit der gleichen Besetzung an den Start gehen wird. Mit Butler, Harris und Redick steuern gleich drei Spieler in Richtung Free Agency – alle werden die 76ers kaum halten können, bei Butler werden sie es aber sicher versuchen.

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Denn nachdem der viermalige Allstar in der ersten Runde gegen die Brooklyn Nets und in Spiel 1 gegen die Raptors weitgehend unauffällig agierte, war er in den letzten Partien oft der beste Sixers-Spieler und hauptverantwortlich dafür, dass Philadelphia überhaupt Spiel 7 erreichte.

Butler und Embiid zanken um Führungsrolle

Dass Bulter so aufspielen konnte, lag auch daran, dass Embiid angeschlagen war und daher deutlich weniger Würfe als sonst nahm. In der Regular Season war es bereits zu Reibereien deshalb gekommen: Einmal war Embiid mit seiner minimal kleiner gewordenen Rolle nicht zufrieden, ein anderes Mal meckerte Butler.

Beide wollen der Go-to-Guy in der Offensive sein. Butler wird aber inzwischen gemerkt haben, dass er diesen Kampf auf Dauer nicht gewinnen wird und es langfristig Embiids Team ist. Daher wird er sich entweder unterordnen oder einmal mehr ein neues Team suchen müssen.

"Ich mache mir darüber keine Gedanken im Moment. Ich habe gerade verloren. Ich will über nichts anderes als über Basketball sprechen", sagte Butler, als er nach der Partie zu einer möglichen Zukunft in Philadelphia gefragt wurde.

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Aber auch Harris und Redick könnten das Team im Sommer verlassen. An Topspieler Harris sollen die Utah Jazz großes Interesse zeigen und auch Redick dürfte als Dreierspezialist einige gute Angebote erhalten. Ein Verlust wäre enorm schmerzhaft, da er Phillys einziger zuverlässiger Dreierschütze ist.

Simmons spielt in Playoffs keine Rolle

Simmons hat zwar noch einen gültigen Vertrag, doch ein Trade des Rookies of the Year 2018 könnte Sinn ergeben, wenn man sich seine Rolle in den Playoffs ansieht. Bestes Beispiel war Spiel 7 gegen die Raptors, als Simmons im ganzen Spiel gerade einmal auf fünf Versuche aus dem Feld kam.

Dies liegt zum Teil an Brown, der Simmons Stärken nicht zur Geltung bringen konnte. War dieser in einer Partie stärker involviert, siegten die Sixers meist. Doch das ist nicht allein Brown anzukreiden - auch Simmons' Uneigennützigkeit kann man in den Playoffs schnell als Passivität auslegen.

Denn dank seiner Geschwindigkeit und Athletik findet Simmons auch ohne Wurf oft Möglichkeiten zu punkten. Nicht umsonst hat er mit 62 Prozent aus dem Feld die beste Wurfquote aller Spieler, die die zweite Playoff-Runde erreichten. Doch wer es nicht versucht, kann nicht punkten.

Simmons drängt Embiid weg vom Korb

Ein weiteres Problem ist, dass Simmons wegen seiner Wurfschwäche häufig zum Korb ziehen muss und damit Embiid nach außen drängt. Dieser ist aber unter dem Korb viel gefährlicher, auch wenn er trotz der mäßigen Trefferquote von 30 Prozent regelmäßig Dreier nimmt.

Simmons muss in der Sommerpause deshalb hart an seinem Wurf feilen oder der 76ers-Coach eine Möglichkeit finden, wie man den Allstar in den Playoffs besser einsetzt. Denn wenn man Simmons nur dafür braucht, um den Ball in die andere Hälfte zu tragen, wäre ein Trade des jungen Allstars sinnvoll.

Den Sixers steht jedenfalls eine spannende Offseason bevor. Sicher ist wohl nur, dass sie danach mehr denn je zu Embiids Team werden. Er ist der einzige, dessen Zukunft bei Philly nicht in Frage steht.

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