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LaMelo Ball (r.) ist der jüngste Sohn von LaVar Ball
LaMelo Ball (r.) ist der jüngste Sohn von LaVar Ball © Getty Images
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München - LaMelo Ball verzichtet auf das College und wählt einen ungewöhnlichen Weg. Dieser zahlt sich bisher aber aus. Doch Vater LaVar kann den NBA-Traum gefährden.

Die Ball-Familie um Vater LaVar und seine drei Söhne Lonzo, LiAngelo und LaMelo hat in den letzten Jahren für reichlich Schlagzeilen gesorgt.

Diese waren oft nicht positiv, was meist am großmäuligen Daddy lag. Doch nachdem der jüngste, LaMelo, nach Australien wechselte und dort wenig Kontakt mit seinem Vater hatte, machte er auffällig oft in positiver Art und Weise von sich reden.

Erst auf dem Court, aber nach seiner im Januar zugezogenen Fußverletzung auch abseits davon. Jüngst vermeldete ESPN, dass Ball zusammen mit seinem Manager Jermaine Jackson sogar das Team Illawarra Hawks, für das er in dieser Spielzeit auflief, gekauft hat.

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Laut der australischen National Basketball League (NBL) ist der Kauf zwar noch nicht abgeschlossen, doch Verhandlungen wurden bestätigt. Zusammen mit dem derzeitigen Eigentümer Simon Stratford arbeite man an "verschiedenen Optionen, um hoffentlich ein erfolgreiches Ergebnis für Illawarra und die NBL zu erzielen."

LaMelo Ball will australisches Team retten

Hintergrund des geplanten Kaufs sind die finanziellen Probleme der Hawks. "Melo liebt die Illawarra-Fans. Er liebt die Gemeinde, sie haben ihre Arme für ihn geöffnet. Als wir von den Problemen erfahren haben, haben wir darüber geredet und uns dazu entschieden: 'Lasst uns das Team kaufen'", sagte Jackson bei ESPN.

Ball beweist dabei viel Empathie gegenüber seinen Ex-Mitspielern und den Fans des Teams, denn rein aus seiner Sicht betrachtet müsste es ihn nicht kümmern, was mit dem Team in Zukunft passiert. Der 18-Jährige ist für den NBA-Draft 2020 gemeldet und gilt dort als Top-3-Kandidat.

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Zwar stellte Jackson klar, dass sich Ball auf seine NBA-Karriere konzentriert, sagte aber auch: "Er redet nur noch über 'Lass es uns für die Jungs tun. Lass uns sicher stellen, dass meine Ex-Teamkollegen nicht ihren Job verlieren oder Leute, die in der Hawks-Organisation arbeiten.'"

Ball hatte in zwölf Spielen für die Hawks durchschnittlich 17 Punkte, 7,5 Rebounds und sieben Assists erzielt. Dabei legte der Point Guard kurz vor seiner Fußverletzung sogar zwei Triple-Doubles in Folge auf. In der NBL wurde er zum Rookie des Jahres gekürt.

LaMelo Ball (l.) glänzte zuletzt in Australien
LaMelo Ball (l.) glänzte zuletzt in Australien © Imago

Ungewöhnlicher Weg von Ball lohnt sich

Dass Ball im NBA-Draft einer der am heißesten begehrten Spieler sein wird, liegt nicht nur am schwachen Draft-Jahrgang - der ungewöhnliche Weg des Teenagers, irgendwo auf der Welt statt für ein US-College zu spielen, hat sich im Nachhinein als goldrichtig erwiesen.

Obwohl Ball in der High School unter anderem mit einem 92-Punkte-Spiel von sich reden gemacht und der UCLA bereits mündlich zugesagt hatte, entschied sich sein Vater plötzlich dazu, ihn nicht ans College zu schicken.

Dadurch konnte sein Sohn nicht nur internationale Erfahrung sammeln, sondern auch ordentlich Geld verdienen. Sportlich gesehen eine riskante Entscheidung, die sich in Litauen zunächst nicht auszahlte. Doch in Australien änderte sich das rasch und so verbesserte sich Ball bei der ESPN-Draft-Prognose von Position 24 auf Rang 2.

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Ball punktet mit Größe und Übersicht

Als größte Stärken gelten seine Übersicht sowie die für einen Point Guard stolze Größe von 1,98 Meter. Da Ball erst im August 19 Jahre alt wird, ist zudem weiteres Wachstum nicht ausgeschlossen.

Ein nicht namentlich genannter Scout vergleicht Ball sogar mit Luka Doncic von den Dallas Mavericks: "Er spielt mit einer guten Geschwindigkeit und lässt sich nicht aus dem Konzept bringen. Bezüglich Größe, Ballgefühl und Kreativität" würden sich die beiden Guards nicht viel unterscheiden.

Zwar muss Ball noch einiges verbessern, doch bei Doncic wurden mit fehlender Konstanz beim Dreier sowie fehlender Explosivität im ersten Schritt ähnliche Schwachstellen ausgemacht. Die Defensive ist ein weiterer Kritikpunkt, der in der damaligen Draft-Analyse des Slowenen ebenfalls vermerkt worden war.

NBA-Teams haben Bedenken wegen Vater LaVar

Dem ESPN-Journalisten Jonathan Givony zufolge halten einige NBA-Scouts Ball jedenfalls für den talentiertesten Spieler des diesjährigen Drafts. Doch neben den aufgezählten Bereichen mit Verbesserungspotenzial und seiner laut Berichten ab und an unberechenbaren Arbeitsmoral, haben Teams vor allem ein Bedenken: Vater LaVar Ball.

Zwar konnte LaMelo Ball in Australien weitgehend sein Ding durchziehen und wurde bei Spielen sogar in Nike-Schuhen, in KD 12s, anstatt der Marke seines Vaters, Big Baller Brand, gesichtet. Doch es wäre sehr überraschend, wenn LaVar Ball rund um den Draft nicht große Sprüche in Bezug auf seinen Sohn klopfen würde.

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Bei den Los Angeles Lakers weiß man ein Lied davon zu singen. Nachdem LaMelos Bruder Lonzo an Nummer 2 gezogen wurde, kommentierte LaVar Ball quasi jede Entscheidung der Franchise. Wohl nicht allein deshalb, aber womöglich auch, schickte man Lonzo im Davis-Trade schließlich nach New Orleans.

Nachdem Lonzo sich von all dem zumindest etwas distanzierte und LaVar Ball bei den Pelicans nicht mehr ständig reinredete, lief es für ihn zuletzt besser. Da manche Experten LaMelo sogar für noch talentierter halten, winkt ihm eine große NBA-Karriere - wie groß die wird, hängt wohl auch davon ab, wie viel Abstand er zu seinem Vater hält.

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