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SPORT1-Kolumnist und DAZN-Experte Markus Kuhn analysiert die Lage bei den Cleveland Browns und stellt die Entlassung des Redskins-Trainers grundsätzlich in Frage.

Hallo NFL-Fans,

was war das für eine Pleite der Cleveland Browns gegen die San Francisco 49ers. Dabei haben die Browns auf dem Papier mit meinem alten Teamkameraden Odell Beckham Jr., Jarvis Landry und Baker Mayfield eine starke Mannschaft zusammen. Aber wenn man so viele Persönlichkeiten im Team hat, ist es manchmal schwer den Führungsspieler zu benennen, der das ganze Team im Zaum hält.

Odell versucht diese Rolle etwas anzunehmen, aber die Browns sind noch ein sehr junges und unerfahrenes Team. Zudem haben sie mit Freddie Kitchens einen Headcoach, der dieses Amt zuvor noch nirgends ausgeübt hat. Aber die Liga ist sehr eng beieinander, sodass man sagen kann, dass sie nicht so gut sind, wie es vor der Saison erschien. 

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Aber sie sind auch nicht so schlecht, wie es aktuell den Eindruck macht. Sie müssen sich noch etwas mehr finden.

Beckham leidet unter Mayfields Schwächen

Was aber zu sehen ist, ist dass Mayfield die Bälle nicht mit der nötigen Ruhe wirft. Die vielen Sacks haben Spuren hinterlassen, sodass er aktuell viel selbst versucht, was nicht immer gut geht. Darunter leidet auch Beckham, da ein Receiver nur so gut ist, wie die Bälle, die ihm zugeworfen werden. Die Receiver vergessen manchmal, was es für ein Luxus ist, einen guten Quarterback im Rücken zu haben.

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Die Browns versuchen nun Beckham auch anders in Szene zu setzen, beispielsweise als Running Back. Aber er hat auch einmal den Ball selbst geworfen. Das allein wird jedoch nicht reichen, sondern es muss in allen Teilen funktionieren. Vielleicht braucht es auch intern einmal eine klare Ansage von Beckham.

Seinen angeblich schwierigen Charakter können die meisten Spieler, die mit ihm zusammengespielt haben, nicht bestätigen. Er ist sehr beliebt, aber verliert einfach nicht gerne. Dadurch wird er manchmal aufbrausend, was nicht immer gut ist, wenn die Kameras auf einen gerichtet sind. Doch von einem Spieler wie ihm werden Ratschläge auch öfter akzeptiert.

49ers vor Härtetest gegen Rams

Die Pleite gegen die 49ers war aber nicht völlig überraschend, denn Jimmy Garoppolo und Co. sind das einzige ungeschlagene Team in der NFC. Mit den Seattle Seahawks und den Los Angeles Rams befinden sie sich in einer starken Division. Dort wird es für die 49ers schwer, den ersten Platz zu erreichen, auch wenn sie noch ungeschlagen sind.

Eine Prognose in Richtung Super Bowl fällt schwer, da die Saison noch lange ist und sie bereits ihre Bye-Week hatten. Das Duell gegen die Rams in der kommenden Woche wird ein richtiger Test. Garoppolo profitiert davon, dass er von Tom Brady lernen durfte. Nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch wie man sich auf ein Spiel vorbereitet. Zudem haben sie eine starke Defense, die Mayfield in die Schranken gewiesen hat. Das komplette Team passt einfach sehr gut zusammen.

Redskins mit Trainer-Problem

Für die erste Trainerentlassung der Saison haben die Washington Redskins mit Jay Gruden gesorgt. Es stellt sich aber die Frage, was das bringen soll?

Die richtig guten Coaches sind noch nicht entlassen und haben noch einige Wochen Football vor sich. Was hilft es einer jungen Quarterback-Hoffnung wie Dwayne Haskins, wenn er jetzt noch einmal unter einem anderen Coach trainieren muss, der nächstes Jahr vielleicht auch nicht mehr da ist? Natürlich macht es Sinn, bei 0:5 etwas zu verändern, aber ob es die beste Entscheidung ist, den Headcoach zu feuern, ist für mich fraglich.

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Ganz anders ist die Lage bei den Houston Texans, die gegen Atlanta 53 Punkte aufs Scoreboard brachten. Deshaun Watson dreht immer auf, wenn er von seiner Offense Line beschützt wird. Das Team scheint sehr gut zu harmonieren und mit solch einer Offense wird man von ihnen in diesem Jahr noch mehr sehen.

Colts liefern Blaupause gegen Chiefs

Auch die Kansas City Chiefs haben bisher einen Lauf gehabt, bevor sie von den Indianpolis Colts ausgebremst wurden. Die Colts haben zwar nur 19 Punkte geschafft, was eigentlich gegen die Chiefs nicht reicht. Doch in der Defense haben sie wohl ein wenig die Blaupause für die anderen Teams geliefert, wie Mahomes und die starke Offense gestoppt werden kann.

Trotzdem darf dies nicht überwertet werden, denn Mahomes und die Chiefs sind immer noch ein wahnsinnig gutes Team, die sich wieder fangen werden. Ich traue ihnen sogar das AFC-Finale zu.

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In der gesamten Liga liefern die Running Backs gerade Highlight-Plays am Fließband. Für mich ist – vielleicht auch durch meine Giants-Vergangenheit belastet – Saquon Barkley der beste Running Back der Liga. Sein Charakter, sein Verhalten als Profi und sein Umgang mit dem Ruhm sind bereits sehr stark. Zudem auch seine Leistungen.

Für mich ist er aktuell und in den nächsten Jahren der beste Running Back der Liga. Aber auch andere Spieler wie Christian McCaffrey oder Leonard Fournette gilt es zu beachten. Die nächsten Wochen werden nicht nur deswegen spannend.

Bis bald,

Euer Markus Kuhn

Markus Kuhn (33) ist ein ehemaliger Footballspieler und wurde 2012 in der siebten Runde von den New York Giants ausgewählt. Für die Franchise war der Defensive Tackle von 2012 bis 2015 in der NFL aktiv und absolvierte in dieser Zeit 39 Spiele. In der Saison 2014 erzielte er als erster Deutsche überhaupt einen Touchdown in der NFL. 2016 wechselte er zu den New England Patriots. Seit dieser Saison ist er gemeinsam mit Sebastian Vollmer als Kommentator des Monday Night Games bei DAZN im Einsatz. Für SPORT1 kommentieren die beiden Ex-NFL-Profis in ihrer regelmäßigen Kolumne das aktuelle Geschehen in der NFL.

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